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Gastkommentar Die Menschen in Europa müssen zusammenstehen

Nur durch mehr Austausch kann Europas Zukunft gelingen. Die europäische Idee muss als Herzensangelegenheit bei den Menschen verankert werden.
24.02.2020 - 21:15 Uhr 1 Kommentar
Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter und Vorstandsvorsitzender der Bank Oddo BHF.
Philippe Oddo

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter und Vorstandsvorsitzender der Bank Oddo BHF.

In Zeiten der Kehrseite der Globalisierung – mit Handelskriegen, Klimaveränderung, Brexit und zunehmendem Nationalismus in vielen Ländern dieser Welt – wird immer klarer, dass Europa nur dann eine Chance hat, wenn die Menschen in Europa zusammenstehen. Unser Ziel muss es sein, die europäische Idee nicht nur über den Verstand und wirtschaftliche Vorteile, sondern als Herzensangelegenheit bei den Menschen zu verankern und erfahrbar zu machen.

Wie kann das gelingen? Ich denke an konkrete Maßnahmen, die schnell und einfach umsetzbar sind und den Austausch der Menschen in Europa auf persönlicher Ebene nachhaltig fördern. Tatsächlich bin ich als Unternehmer aus täglicher Erfahrung in der Führung eines deutsch-französischen Unternehmens zutiefst davon überzeugt, dass der direkte Kontakt und die unmittelbare Zusammenarbeit entscheidend zum gegenseitigen Verständnis und Vertrauen beitragen.

Dieser Kontakt sollte schon in jungen Jahren gefördert werden. Gerade die jungen Menschen sind es, die das Europa der Zukunft gestalten und prägen werden. Wer als Jugendlicher oder junger Erwachsener Erfahrungen in den europäischen Nachbarländern sammeln kann, der versteht die Eigenheiten, Traditionen und Kulturen der jeweiligen Länder besser, er lernt, sich in neuer Sprache auszudrücken, und er baut sich wertvolle internationale Kontakte auf.

So entstehen früh Freundschaften und ein europäisches Netzwerk über alle Grenzen hinweg. Ich schlage daher einen freiwilligen „Europäischen Bürgerdienst“ vor, der sich an Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren richtet. Dieser Dienst sollte über das bestehende „Europäische Solidaritätskorps“ hinausgehen, insbesondere auch bei den Teilnehmerzahlen.

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    Der „Europäische Bürgerdienst“ könnte den Einsatz in ein oder zwei europäischen Ländern umfassen mit einer Gesamtdauer von zwölf Monaten. Als Einsatzfelder kämen aus meiner Sicht Umwelt-, Sozial- oder Governance-Projekte infrage. Das Programm könnte sich zudem auf die Weiterbildung junger Menschen in neuen Technologien fokussieren, etwa mit Blick auf Europas Cybersicherheit.

    Die begeisterten Europäer von morgen

    Ein weiterer wesentlicher Aspekt wären die positiven Auswirkungen auf Europas Arbeitsmarkt. Denn der „Europäische Bürgerdienst“ sollte sich nicht nur an Abiturienten und Studenten wenden, sondern gerade auch Haupt- und Realschulabsolventen sowie generell junge Menschen aus strukturschwachen Regionen fördern. Damit würden sich deren Berufs- und Zukunftschancen durch im Bürgerdienst erworbene Kompetenzen in Bezug auf Mobilität, Flexibilität und Sprachkenntnisse auf einem zunehmend europäisch geprägten Arbeitsmarkt deutlich verbessern.

    Man könnte zusätzlich darüber nachdenken, den Dienst mit „Credit Points“ zu belohnen, die den jungen Menschen beim späteren Zugang zu Studium, Lehre und Beruf zugutekämen. In einer weiteren Ausbaustufe schließlich könnten sich auch Unternehmen stärker einbringen, sei es als Sponsor oder als potenziell aufnehmende Stelle, beispielsweise im Zusammenhang mit eigenen ESG- und Nachhaltigkeitsaktivitäten.

    Der Idee eines gemeinsamen Europas – einer gemeinsamen Identität, die über Landesgrenzen hinausgeht – wäre der „Europäische Bürgerdienst“ mit Sicherheit zuträglich: Die jungen Menschen aus solchen Programmen sind die begeisterten Europäer von morgen.

    Ein zweiter – daran anschließender – Gedanke zielt darauf, die Bedingungen für einen befristeten unternehmensinternen Austausch hochqualifizierter Arbeitnehmer im jeweils anderen Land zu verbessern. Unserer Erfahrung nach könnte der Aufwand für den Arbeitnehmer beim Jobwechsel auf Zeit deutlich verringert werden, wenn nicht beispielsweise zwischen den Steuersystemen der Länder gewechselt werden müsste.

    Meiner Meinung nach wäre hier ein über die existierende Entsenderichtlinie hinausgehendes Programm sinnvoll, das sich an dem Erasmus-Programm für Studierende orientieren könnte: ein Erasmus-Unternehmens-Programm, bei dem für den Arbeitnehmer zumindest der Steuerstatus des Herkunftslandes für einen Zeitraum von drei Jahren beibehalten werden könnte und das Anreize für Unternehmen und ihre Mitarbeiter setzt, im jeweils anderen Land tätig zu werden.

    All dies wären kleine, aber aus meiner Sicht wichtige Schritte hin zu einem gemeinsamen Europa. Einem Europa, das sich über ein tägliches Miteinander in Beruf, Sozialem und Freizeit über die Nationen, Generationen, Sprachen und Traditionen hinweg ganz selbstverständlich zu unserem Zuhause entwickelt. Ich bin überzeugt, dass es möglich ist!

    Mehr: Europa braucht endlich eine Antwort auf das digitale Modell der USA.

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Die Menschen in Europa müssen zusammenstehen"

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    • guter, pragmatischer Ansatz.

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