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Gastkommentar Die Öffnungsstrategie braucht Pragmatismus statt Ideologie

Wie kann eine schrittweise Öffnung gelingen? Ideologie darf keine Rolle spielen. Es braucht eine gesunde Mischung.
  • Veronika Grimm
05.05.2020 - 09:12 Uhr 1 Kommentar
Die Autorin ist Mitglied im Sachverständigenrat. Quelle: dpa, Montage
Veronika Grimm

Die Autorin ist Mitglied im Sachverständigenrat.

(Foto: dpa, Montage)

Deutschland sucht zurzeit den richtigen Weg, gesellschaftliche Aktivitäten wieder aufzunehmen. Während die einen die aktuellen Beschränkungen für schiere Übertreibung halten, raten die anderen vehement davon ab, Schulen und Kindergärten noch vor den Sommerferien zu öffnen.

Mit Blick auf die Infektionszahlen zeigen die aktuellen Maßnahmen Wirkung. Deutschland hat im internationalen Vergleich eine geringe Zahl an Corona-bedingten Todesfällen, die Kapazitäten des Gesundheitssystems sind nicht überlastet.

Bliebe es bei einer konsequenten Eindämmung, so muss klar sein: Möglicherweise ist auch nach einem Jahr noch ein Großteil der Bevölkerung nicht immun. Bis ein Impfstoff oder Medikamente verfügbar sind, wären daher Lockerungen mit einem ähnlichen Anstieg des Ansteckungsrisikos verbunden wie heute.

Was zunächst gut und richtig war, der weitgehende Shutdown, ist langfristig keine Lösung. Die Konsequenzen wären verheerend. Das betrifft den zu erwartenden Wirtschaftseinbruch und die damit einhergehende Arbeitslosigkeit genauso wie soziale Härten und entgangene Bildungschancen – vor allem für bildungsferne Schichten.

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    Wir müssen die Zeit nutzen, um schnellstmöglich Konzepte zu erarbeiten, die Gesundheitsschutz mit zunehmenden sozialen und wirtschaftlichen Aktivitäten verbinden. Schon wird jetzt die Produktion von Schutzausrüstung, Tests und Beatmungsgeräten mit Hochdruck vorangetrieben.

    Parallel werden viele Maßnahmen diskutiert: ein spezieller Schutz von Risikogruppen, klare Vorschriften zum Einsatz von Schutzkleidung und Masken, regional oder sektoral differenzierte Beschränkungen sowie die Öffnung von Schulen und Kindergärten in Kleingruppenkonzepten.

    Apps alleine sind kein Heilsbringer

    Ganz prominent diskutiert und teilweise als Allheilmittel verkauft wird der Einsatz von Apps, mit deren Hilfe Infektionsketten abgeschnitten werden können. Wie funktioniert das? Bin ich positiv getestet und habe die App genutzt, so können alle Personen, zu denen ich in den vergangenen Tagen engen Kontakt hatte, schnell identifiziert und informiert werden.

    Die Kontaktpersonen begeben sich dann in Quarantäne, bis eine Infektion bestätigt oder ausgeschlossen ist. Geschieht dies schnell genug, können sie niemanden mehr anstecken – die Infektionskette ist dann „durchbrochen“.

    Allerdings können nur dann tatsächlich viele Kontaktpersonen identifiziert werden, wenn viele Menschen die App nutzen. Zudem muss das Gesundheitssystem schnell genug sein, die Kontaktpersonen in Isolation zu beordern und zu testen, denn nur dann können diese niemanden mehr anstecken.

    Die Leute müssen mitmachen, die App nutzen und die Quarantäne einhalten – eine verpflichtende Nutzung werden wir im Alltag kaum durchsetzen können. Und selbst dann ist das System nicht effektiv, wenn viele Infizierte ansteckend sind, aber keine Symptome haben.

    Um die Effektivität von Apps abschätzen zu können, müssten wir durch großflächig angelegte Testungen dringend mehr erfahren über den Anteil der asymptomatisch Infizierten.
    Apps allein sind sicher nicht der heiß ersehnte Heilsbringer. Aber ohne sie wird es erst recht nicht gehen. Apps sind besonders dort effektiv, wo man ihre Nutzung durchsetzen kann: in Betrieben ohne Kundenverkehr zum Beispiel als Voraussetzung für eine Öffnung. Vielleicht auch in Schulen, wenn die Konzepte überzeugen und die Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Schülerinnen und Schüler vor dem Hintergrund des Nutzens des gemeinsamen Unterrichts als verhältnismäßig einzuschätzen ist.

    Multidisziplinär besetzte Corona-Taskforce

    Aus Studien geht hervor: Die Epidemiebekämpfung durch Apps lässt sich bestens mit anderen Maßnahmen kombinieren. Ergreift man zum Beispiel parallel auch realistische Maßnahmen zum Schutz von Risikogruppen, so könnte man im öffentlichen Leben zwar nicht ohne, wohl aber mit weniger restriktiven Kontaktbeschränkungen auskommen.

    Es ist bei der Öffnung also eine gesunde Mischung gefragt. Die entscheidende Frage ist: Wie kann eine schrittweise Öffnung gelingen, und zwar bald, mit guter Vorbereitung – und nicht erst, wenn der wirtschaftliche und gesellschaftliche Druck immens wird. Selbst wenn wir mehr Schutzausrüstung und Testmöglichkeiten haben, viele Trade-Offs werden im Sommer und im Herbst immer noch bestehen.

    Es gilt, bei der Gratwanderung der schrittweisen Öffnung handlungsfähig zu bleiben. Dazu kann eine multidisziplinär besetzte ständige Corona-Taskforce entscheidend beitragen, welche die vielen Fachgutachten und Expertenmeinungen abwägt und daraus Entscheidungsalternativen ableitet.

    Eine solche Taskforce wäre spätestens dann unerlässlich, wenn in den kommenden Jahren immer wieder in kürzester Zeit wichtige Abwägungen bei einem Wiederaufflammen des Infektionsgeschehens nötig werden – bis ein Impfstoff breit verfügbar ist.

    Mehr: Die Wirtschaft fordert einen klaren Exit-Fahrplan von der Regierung.

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Die Öffnungsstrategie braucht Pragmatismus statt Ideologie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es wird in den nächsten Jahren keinen sichern Impfstoff geben. Sollen den Menschen bis zum St. Nimmerleinstag die Grund- und Freiheitsrechte entzogen werden a la China?
      Wie gefährlich ist Corona bei einem funktionierenden Gesundheitswesen wirklich? Das ist die entscheidende Frage und Schweden hat die beantwortet nicht mehr als die normale Grippe, dies wurde auch von unseren Politikern so verbreitet.
      Wie viele Menschen sind überhaupt mit Corona infiziert? Wissen wir nicht!
      Viele Infizierte sind ansteckend haben aber keine Symptome. Wie viele Infizierte ohne Symptome sind bereits geheilt und immun? Wissen wir ebenfalls nicht.
      Schauen wir uns mal die Daten von EUROMOMO dem auch das RKI angehört an.
      Hier gibt es eine Statistik Übersterblichkeitsrate je Land.
      Sterben in Deutschland in der Corona Pandemie Zeit mehr Menschen als normalerweise sterben würden? Es gibt kaum eine signifikante Veränderung. Also nein.
      In Zeiten wo es aber deutliche Veränderungen der Übersterblichkeitsrate in Deutschland gab, war Anfang 2017 u. 2018 ein sehr deutlicher Anstieg der Übersterblichkeit durch Grippe.
      Damals hat aber niemand einen Lockdown, Shutdown durchgeführt.
      Anfang 2017 und 2018 war ein sehr deutlicher Anstieg der Übersterblichkeit durch Grippe auch in Italien und Frankreich zu sehen, fast so stark wie jetzt bei Corona, aber immer weitaus stärker als in Deutschland.
      Also es hängt schon über Jahrzehnte davon ab, wie gut u. mit ausreichenden dezentralen Krankenhäusern/Intensiv-Betten ein Land versorgt ist. Da haben Krankenhäuser wie Versicherungen was gemeinsames, man ist heilfroh wenn man sie nie braucht und man ist genauso froh, wenn sie im Ernstfall ihre Funktion voll erfüllen. Geld fürs Gesundheitswesen ganz besonders für gutes Personal/Kliniken, so es effizient verwendet wird, ist nie unnütz u. Überkapazitäten sind richtig und gewollt.
      Die Entziehung der Grund- und Freiheitsrechte hat nichts mit Corona zu tun, es gibt keine sachliche Begründung dafür sie ist rein politisch

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