Gastkommentar Die Sieben-Tages-Inzidenz ist zu pauschal – und hat zu pauschale Maßnahmen zur Folge
Der Autor leitet die Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig.
Die Politik hat sich festgelegt: Entscheidend für das weitere Vorgehen in der Pandemie soll sein, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen registriert wurden. Das Infektionsschutzgesetz enthält nun 35 und 50 als Richtwerte, ab denen bestimmte Maßnahmen in Kraft treten sollen. In ihrem Corona-Beschluss am Mittwoch zogen Bund und Länder eine weitere Grenze ein: Ab der 200er-Schwelle sollen noch weitreichendere Maßnahmen gelten.
Aus epidemiologischer Sicht greift die Fixierung der Sieben-Tages-Inzidenz als vorherrschender Indikator der Pandemiebekämpfung zu kurz und verschenkt verfügbare Alternativen.
Ein Problem ist die stark schwankende Untererfassung der Fallmeldungen. Gerade die jüngst erfolgten Änderungen der Teststrategien sowie die Einführung sogenannter Schnelltests können großen Einfluss auf die Dunkelziffer haben. Bei gleicher tatsächlicher Fallzahl kann also am Ende die Testaktivität darüber entscheiden, ob die Grenzwerte von 20, 50 oder 200 bei der Sieben-Tages-Inzidenz überschritten werden.
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