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Gastkommentar Die US-Regierung unterschätzt Chinas wirtschaftliche Stärke

Die chinesische Wirtschaft ist in den vergangenen Monaten zwar abgeschwächt. Doch Peking hat viel politischen Spielraum, dem entgegenzuwirken.
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Stephen Roach lehrt an der Yale-Universität. Er war Chefökonom von Morgan Stanley Asien. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com.
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Stephen Roach lehrt an der Yale-Universität. Er war Chefökonom von Morgan Stanley Asien. Sie erreichen ihn unter: [email protected]

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump unterschätzt Chinas Widerstandsfähigkeit und strategische Entschlossenheit. Angesichts des Abschwungs der chinesischen Volkswirtschaft sind die USA der Ansicht, dass China in Schwierigkeiten stecke und verzweifelt an einem Ende des Handelskriegs interessiert sei.

Doch hat die chinesische Regierung jede Menge politischen Spielraum, um den gegenwärtigen Abschwung zu bekämpfen, und muss daher ihre längerfristige Strategie nicht aufgeben.

Zwar scheint sich eine auf den bilateralen Handel ausgerichtete kosmetische Einigung anzudeuten. Doch weist der scharfe Gegensatz zwischen den Rahmendaten beider Volkswirtschaften in der Frage, wer hier die Oberhand hat, auf ein ganz anderes Urteil hin.

Es stimmt, dass sich die chinesische Konjunktur in den vergangenen Monaten deutlich abgeschwächt hat. Doch liegt dies entgegen den US-Wahrnehmungen nicht am Erfolg der US-Zollstrategie. Vielmehr ist Chinas Abschwung weitgehend selbst verursacht. Er wurde durch eine Entschuldungskampagne ausgelöst, die darauf zielt, die zunehmenden Risiken eines schuldenintensiven Wirtschaftswachstums zu neutralisieren.

Die chinesischen Entscheidungsträger haben zu Recht aggressive Schritte unternommen, um das gefürchtete Japan-Syndrom – einen Schuldenüberhang in Verbindung mit einer Fülle von „Zombie-Unternehmen“ – zu vermeiden.

Die US-Zölle dagegen beginnen gerade erst zu wirken. Während die Exporte in die USA im Dezember 2018 und Januar 2019 im Vergleich zum Vorjahr um etwa drei Prozent fielen, sind die Lieferungen in die übrige Welt weiter gestiegen, was weitgehend auf die Robustheit in den Schwellenmärkten in Asien zurückzuführen ist.

Zur Risikoabsicherung hat China rasch seinen wesentlichen Vorteil ausgespielt: eine deutlich größere politische Flexibilität, als die westlichen Volkswirtschaften sie aufweisen.

Die fünfmalige Senkung der Eigenkapitalanforderungen im vergangenen Jahr hat zu einer höheren Kreditvergabe seitens der Banken und einer Erholung des Kreditwachstums Anfang des Jahres geführt, die bis Mitte 2019 einen Anstieg der Wirtschaftsaktivität insgesamt unterstützen dürfte.

Ein schwerwiegende Missverhältnis

Die Wahrscheinlichkeit kontrastierender Wachstumsentwicklungen – einer durch politische Maßnahmen bedingten Verbesserung in China und eines durch eingeschränkte politische Handlungsspielräume bedingten Abschwungs in den USA – verstärkt ein schwerwiegendes Missverhältnis bei den längerfristigen Rahmendaten.

Chinas nationale Sparquote lag 2018 mit 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fast zweieinhalbmal so hoch wie die US-Quote. Damit weist China nach wie vor ein Sicherheitspolster auf, von dem die USA nur träumen können.

Zudem gehen volle 85 Prozent von Amerikas Bruttoersparnissen für den Ersatz veralteter und verschlissener Anlagen drauf. Korrigiert um die Abschreibungen wiesen die USA 2018 eine nationale Nettosparquote von lediglich drei Prozent auf. Diese Diskrepanzen bei den Ersparnissen unterstreichen einen entscheidenden Unterschied bei den Investitionsgrundlagen des Wachstumspotenzials beider Volkswirtschaften.

Chinas Investitionen lagen 2018 bei 44 Prozent seines BIP. Das ist mehr als doppelt so hoch wie der Anteil in den USA. Und angesichts von Amerikas veraltendem Anlagenbestand ist die Diskrepanz zwischen den kapazitätssteigernden Nettoinvestitionspositionen beider Volkswirtschaften sogar noch größer.

Dies unterstreicht Chinas relativen Vorteil bei der Finanzierung seiner längerfristigen Wachstumserfordernisse wie der Urbanisierung, der Investitionen in Infrastruktur, Humankapital, Forschung und Entwicklung sowie der Umstellung auf Eigeninnovationen.

Zudem dürfte sich die Kluft bei den Ersparnissen zwischen Amerika und China in den nächsten Jahren noch ausweiten, da anscheinend chronische US-Haushaltsdefizite die nationale Sparquote weiter nach unten drücken werden.

US-Wirtschaftsstärke bröckelt bereits

Letztlich ist wirtschaftliche Stärke relativ. Die aktuelle Stärke der US-Wirtschaft scheint vorübergehender Natur. Ihre kurzfristige Widerstandskraft bröckelt bereits und könnte angesichts besorgniserregender langfristiger Rahmendaten weiter nachlassen.

China ist in der gegenteiligen Lage: Seine heutige kurzfristige Schwäche dürfte vor dem Hintergrund relativ solider längerfristiger Rahmendaten bis Mitte des Jahres überwunden sein.

Diese Realität wird den US-Verhandlungsführern, die Chinas Stärke und die hohlen Vorteile eines kosmetischen Handelsvertrags falsch einschätzen, ein böses Erwachen bereiten.

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1 Kommentar zu "Gastkommentar: Die US-Regierung unterschätzt Chinas wirtschaftliche Stärke"

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  • "Doch Peking hat viel politischen Spielraum". In der Tat hat Peking sehr viel Spielraum. Wenn man eine totalitäre Parteidiktatur mit einem Sonnenkönig auf Lebenszeit an der Spitze, denn als "politischen Spielraum" bezeichnen mag. Wer nicht mitspielt wird einfach weggesperrt oder hingerichtet. Wenn über dieses Faschisten-Regime mal wieder als Vorbild schwadroniert wird, kann einem übel werden.