Gastkommentar Die Währungsunion ist zum Scheitern verurteilt

Der ehemalige britische Schatzkanzler Norman Lamont gibt der Euro-Zone keine Überlebenschance, weil er viele Mitglieder für nicht wettbewerbsfähig hält. Schon 1992 hielt er die Währungsunion für ein unmögliches Projekt.
  • Norman Lamont
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Der Autor war von 1990 bis 1993 britischer Schatzkanzler. Quelle: Mart Klein für Handelsblatt

Der Autor war von 1990 bis 1993 britischer Schatzkanzler.

(Foto: Mart Klein für Handelsblatt)

Als britischer Verhandlungsführer für den Maastricht-Vertrag hielt ich die Währungsunion bereits 1992 für ein unmögliches Projekt. Erstens, weil Europa kein optimaler Währungsraum ist. Die Flexibilität der Arbeitsmärkte reicht dafür nicht aus.

Zweitens, weil ein einheitlicher Leitzins den unterschiedlichen monetären Bedürfnissen und Immobilienmärkten in den einzelnen Mitgliedstaaten nicht gerecht werden kann. Drittens, weil wir die Möglichkeit von notwendigen Wechselkursanpassungen aufgeben würden. Und last, but not least: weil ich der Überzeugung bin, dass eine Währungsunion nur mit einer Fiskalunion funktionieren kann. Diese wiederum verträgt sich nur schwer mit der parlamentarischen Demokratie.

Aus diesen Gründen hat sich Großbritannien damals gegen den Beitritt zum Euro entschieden. Dennoch sind wir von den Ereignissen in der Euro-Zone stark betroffen. Ich kann mich noch gut an die deutsche Position in den Maastricht-Verhandlungen erinnern. Zunächst forderten die Deutschen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nach dem Vorbild der Bundesbank gestaltet werden und nur der Preisstabilität verpflichtet sein sollte. Darüber hinaus beharrte Deutschland auf der „Nichtbeistandsklausel“.

Dieses Verbot, für die Verbindlichkeiten anderer Mitgliedstaaten zu haften, erklärt für mich, warum Deutschland in der Euro-Krise aus Sicht seiner Kritiker immer nur das Minimum getan hat. Auch wenn das für den deutschen Steuerzahler anders aussieht.

Der Schuldenschnitt - konstruktiv oder Katastrophe?

Die Kritiker halten den Rettungsschirm EFSF nicht nur für zu klein. Sie bemängeln auch, dass eine einseitige Sparpolitik die Situation wie in Griechenland noch verschlechtert hat. Der italienische Ministerpräsident Monti hat deshalb bereits vor sozialen Protesten gewarnt. Kanzlerin Merkel glaubt, dass die Krise noch Jahre andauern kann.

Je länger sie dauert, desto größer ist die Gefahr, dass ein großes Finanzhaus in Konkurs gehen könnte. Das wiederum hätte ernsthafte Konsequenzen für die Währungsunion.

Ich habe viel Sympathie für die deutsche Ablehnung von Euro-Bonds. Diese Gemeinschaftsanleihen wären keine Lösung. Vielmehr hat die Konvergenz der Anleihezinsen erst zu der Schuldenkrise geführt. Der Markt konnte seine Signalfunktion nicht erfüllen.

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22 Kommentare zu "Gastkommentar: Die Währungsunion ist zum Scheitern verurteilt"

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  • Die Antwort der EURO-Wahnsinnigen Politiker:

    "Wir lassen uns doch nicht von Fakten unsere Meinung beeinflussen - und der Wille der Bürger war uns schon immer sowas von egal".

  • Die EU und der Euro sind ein Projekt der City of London mit der Absicht, den europäischen Völkern ihre nationalen Souveränitäten noch möglichst lange nach dem zweiten Weltkrieg vorzuenthalten und sie monetär auszurauben. Die EU konserviert die Entmündigung der europäischen Völker im Sinne der oligarchen Besitzer des monetären Geldsystems. Doch dieses elitäre Knechtschaftssystem hat aufgrund von global peak oil nur noch ein sehr begrenztes Haltbarkeitsdatum. Wenn spätestens um das Jahr 2015 aufgrund der raschen Depletion konventionellen Erdöls die Grundlagen für substanzlose Schuldgeldschöpfung endgültig wegbrechen, wird ein neues selbstbewußtes nationales Zeitalter beginnen. Die Völker werden sich der geldschöpfenden Oligarchie in London entledigen, sich wieder souveräne Verfassungen geben und eigene wertbeständige Währungen editieren. Die Macht der City of London wird mit dem Euro zusammen vergehen.

  • Merkel hat durch negativ ihre wirtschaftliche >Inkompetenz und positiv durch ihre abwartende Haltung die Schwächen des Euro schneller deutlich werden lassen, als es eventuell mit Geld drucken nach dem Modell Barroso/Junker gewesen wäre. Es scheint, dass Merkel heute selbst nicht mehr ihre eigenen Worte glaubt: "Fällt der Euro - fällt Europa"

  • Vielen Dank für diesen intelligenten Beitrag.
    Der hebt sich wohltuend von der sonstigen verlogenen Euro-Propaganda ab.

  • Ich glaube ja nicht, dass die schwachen Bundesländer Saarland und Bremen aus der Bundesrepublik
    ausscheiden müssten. Genauso sollte Kalifornien auch nicht aus den USA ausscheiden. Einen solchen Schwachsinn kann man wahrscheinlich nur verbreiten, wenn man die Eurozone fürchtet. Bzw., wenn man den englischen Einfluss in Europa schwinden sieht.

  • Warum wird das Projekt Euro nicht endlich aufgegeben. Selbst die größten Optimisten zweifeln an dieser "Pseudowährung". Die mit Gewalt am Leben gehaltene Währung wird noch andere Länder in Schwierigkeiten bringen.

  • Ich möchte Herrn Lamont für den guten Beitrag danken. Der vermutlich beste Kommentar zur EU und zum Euro kommt aber vom britischen Stand-Up Comedian, Schriftsteller und Internetaktivist Pat Condell. Siehe YouTube-Video EUROPE NEEDS A REVOLUTION

  • Wenn nicht die DDR von uns sondern wir von der DDR übernommen worden sind, dann kann die DDR einen Systemwechsel hin zu einem neuen andersgearteten ( restriktiven) System, vielleicht DDR mit Reisefreiheit - nur dann umsetzten, wenn der Bürger mit allem unzufrieden ist. Also nimmt man ihm den Wohlstand, das klappt am besten über eine kaputte Währung. Die von Merkel gewünschte Zentralisierung in Brüssel ist dann später der Garant um Gesamt Europa mit einem neuen Systemanstrich zu versehen. Margrit 117888, Ihre teils dratische Artikulation wird hier oft kritisiert, aber eines steht fest. Im Kern haben Sie recht.

  • Lein wird doch folgender Satz zugeschrieben:
    "Willst Du einen Staat vernichten, mußt Du seine Währung zerstören".
    Und so irgendwie bekomme ich mehr udn merh d en Eindruck Merkel ist gerade dabei unseren Staat zu zerstören

  • Zustimmung.
    Die schlimmsten sind die Euro-Fanatiker die mit ihrem Fanatismus ganze Völker in den Abgrund ziehen.
    Der Engländer hat völlig Recht und es gab ja auch bei uns Warner

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