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Gastkommentar Die Weichen für eine gute Zukunft der Wissenschaft sind gestellt

Bund und Länder wollen vielen Menschen die beste Bildung und Forschung ermöglichen. Die drei neuen Wissenschaftspakete orientieren sich daher an fünf Maximen.
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Die Autorin ist Bundesministerin für Bildung und Forschung. Quelle: AP
Anja Karliczek

Die Autorin ist Bundesministerin für Bildung und Forschung.

(Foto: AP)

Wissenschaftspolitik ist vermeintlich abstrakt. Ihre Auswirkungen sind aber für viele gerade in der jungen Generation spürbar. So haben die laufenden „Wissenschaftspakte“ nicht weniger als 1,4 Millionen Menschen die Aufnahme eines Studiums ermöglicht und zugleich die Grundlagen geschaffen, dass Deutschland bei Bildung und Forschung weiter einen hervorragenden Platz einnimmt.

Am 12. April haben Bund und Länder in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz nun die Grundlagen für exzellente Zukunft für Hochschulehre und Forschung in Deutschland geschaffen. An diesem Donnerstag werden auf der Ministerpräsidentenkonferenz die Beschlüsse aller Voraussicht nach bestätigt werden.

Dabei werden wir wieder eine Zahl verkünden können, auf die wir mehr als stolz sein können: Von 2021 bis 2030 werden in die Wissenschaftsorganisationen 120 Milliarden Euro fließen können. Darüber hinaus stellen wir den Hochschulen dauerhaft rund vier Milliarden Euro jedes Jahr zur Verfügung, zusätzlich zur Grundfinanzierung der Hochschulen. Das ist in der Hochschul- und Forschungspolitik die größte finanzielle Kraftanstrengung, die es überhaupt in Deutschland je gegeben hat.

Die Finanzierung ist dabei zweifelsohne wichtig: Ohne eine gute finanzielle Ausstattung kann man in Lehre und Forschung nur wenig bewegen. Aber sie ist auch nur das eine. In den Diskussionen zwischen Bund und Ländern hat die Formulierung von Zielen einer zukunftsorientierten Wissenschaftspolitik mehr denn je eine zentrale Rolle gespielt. Was wollen wir erreichen? Welche Ziele verfolgen Bund und Länder bei diesen drei Wissenschaftspakten?

Bund und Länder gehen dabei zunächst von zwei übergreifenden Gedanken aus: Wir wollen möglichst vielen Menschen ermöglichen, an hervorragenden Einrichtungen die beste Ausbildung zu erhalten. Und wir wollen Forscherinnen und Forschern mit den besten Laboren und Experimentalanlagen ermöglichen, zu neuen Erkenntnissen und Innovationen zu kommen.

Beides sichert auch in Zukunft die wirtschaftliche Stärke und den Wohlstand in unserem Land. Um das zu erreichen, orientieren wir uns bei den drei großen wissenschaftspolitischen Vereinbarungen von Bund und Ländern im Einzelnen dann an fünf Maximen:

1. Exzellente Wissenschaft

Wir bekennen uns zu einer Wissenschaft auf höchstem Niveau, die von einer exzellenten Grundlagenforschung bis zur industrienahen Forschung mit klarem Anwendungsbezug reicht. Das ist gerade in Zeiten, in denen das Geld knapper wird, nicht selbstverständlich. Exzellente Wissenschaft und in ihrer Folge wissenschaftsbasierte Innovationen sind aber die harte Währung des globalen Wettbewerbs um zukünftigen Wohlstand.

Wir fördern daher hochkarätige Forschung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen, unter anderem mit der „Exzellenzstrategie“, dem Programm „Forschung an Fachhochschulen“ und dem „Pakt für Forschung und Innovation“.

Forscherinnen und Forscher müssen in die Lage versetzt werden, die Antworten gerade auf die Fragen von morgen zu finden, die auch die Gesellschaft stark bewegen, von der Digitalisierung über den Klimawandel und die Energieversorgung bis zum Zusammenhalt in unserem Land. Nur wenn ein solcher Bezug immer wieder hergestellt wird, wird Wissenschaft auch auf breite gesellschaftliche Akzeptanz stoßen.

2. Verlässliche Rahmenbedingungen

Während in ganz Europa und auch in den meisten anderen Ländern während der Finanzkrise die Wissenschaftsetats gekürzt wurden, hat Deutschland seine Investitionen in Forschung und Lehre und den Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft weiter gesteigert. Auch mit dem neuen „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ und dem „Pakt für Forschung und Innovation“ wollen wir in den nächsten Jahren weiter massiv investieren und schaffen damit verlässliche Rahmenbedingungen, wie man sie auf der Welt selten findet.

Mit dem „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ – dem neuen Hochschulpakt – geben wir den Hochschulen dauerhaft Planungssicherheit und damit die Möglichkeit, den mit Studium und Lehre betrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern belastbare Perspektiven in unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen zu geben. Die klugen Köpfe gewinnen wir nur, wenn wir gute Arbeitsbedingungen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen bieten.

3. Autonomie und Verantwortung der Wissenschafts-Akteure

Wir haben mit den neuen Wissenschaftspakten eine sehr gute Balance zwischen der Freiheit der Wissenschaftseinrichtungen und Hochschulen einerseits und anderseits der Notwendigkeit, auch forschungspolitische Schwerpunkte von außen zu setzen. Im Pakt für Forschung und Innovation oder durch Vereinbarungen mit den Ländern im „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ formulieren wir klare forschungspolitische Zielvorgaben.

Die Umsetzung liegt aber in der Verantwortung der Wissenschaftsorganisationen, den Hochschulen selbst und den Ländern, damit diese unabhängig und strategisch agieren können. Dieses hohe Maß an Eigenverantwortung ist aber auch Verpflichtung, nämlich zu Transparenz und Rechenschaft. Mit dem neuen „Pakt für Forschung und Innovation“ etwa erreichen wir dies durch klare Zielvereinbarungen mit den Wissenschaftsorganisationen und durch ein stringentes, wissenschaftsadäquates Controlling über die Verwendung der Gelder.

4. Neue Strukturen als Antwort auf neue Herausforderungen

Die Digitalisierung ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Auch für die Wissenschaft. Wir unterstützen die Forscherinnen und Forscher dabei mit der neuen Nationalen Forschungsdateninfrastruktur. Innovative Formate und Möglichkeiten in der hochschulischen Lehre – auch durch die Digitalisierung – wollen wir im Programm „Innovation in der Hochschullehre“ dauerhaft stärken und fördern.

5. Wir wollen die Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft stärken

Wissenschaft und Gesellschaft müssen sich ständig austauschen. Ein wichtiges Element sind dabei die Menschen, die aus der Wissenschaft in Wirtschaft oder Verwaltung wechseln. Der umgekehrte Weg, wie ihn zum Beispiel Fachhochschulprofessorinnen und -professoren gehen, bringt Praxiserfahrung in die Hochschulen. Mit dem Programm „Personal an FH“ fördern wir genau diesen „Transfer über Köpfe“. Genauso wie mit vielen neuen Ansätzen, die die Wissenschaftsorganisationen im neuen Pakt für Forschung und Innovation umsetzen werden.

Übrigens: Wie gehen auch jenseits der Wissenschaftspakte immer neue Wege. Zusätzlich zu unserer flexiblen Förderung konkreter Forschungsprojekte nimmt die neue Agentur für Sprunginnovationen immer konkretere Formen an, mit der wir Innovationen auch neben der üblichen Förderwegen zum Erfolg verhelfen wollen. Was im Silicon Valley durch die dort herrschende größere Risikofreude an Innovationssprüngen möglich ist, wollen wir ein Stück weit bei uns erreichen.

Insgesamt stellen wir uns in diesen Tagen für die Herausforderungen der nächsten Jahre hervorragend auf und stärken die Innovationskraft Deutschlands im internationalen Wettbewerb. Ich bin zuversichtlich, dass Bildung und Forschung immer neue Möglichkeiten für jeden Menschen schaffen: für ein besseres und gesünderes Leben, für eine leistungsfähigere Wirtschaft, gute Arbeitsplätze und auch für tiefere Erkenntnisse über die Grundlagen unserer Existenz.

Mehr: Jeder vierte Viertklässler hat Defizite in Mathematik. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften fordert daher eine Frühförderung – bereits ab der Kita.

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