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Gastkommentar Die Wirtschaft sollte sich mit dem Coronavirus arrangieren

Was wäre, wenn der erhoffte Corona-Impfstoff so bald nicht kommt – oder überhaupt nicht? Ein Szenario mit Rezessionsverlierern und Krisengewinnern.
04.11.2020 - 19:00 Uhr Kommentieren
Cyrus de la Rubia ist Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. Quelle: Hamburg Commercial Bank [M]
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Cyrus de la Rubia ist Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank.

(Foto: Hamburg Commercial Bank [M])

Mit dem steilen Anstieg der Corona-Infektionszahlen und den neuen Shutdown-Maßnahmen steigt auch die Sehnsucht nach der raschen Einführung eines Impfstoffs. Gesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass in diesem Winter die ersten Impfstoffe genehmigt werden könnten.

Kehrt also schon in absehbarer Zeit Normalität zurück? Vorsicht. Abgesehen davon, dass zunächst nur eine begrenzte Anzahl von Bürgern geimpft werden könnte, ist unklar, inwieweit durch die Impfstoffe Neuinfektionen verhindert werden oder ob „nur“ der Krankheitsverlauf abgemildert wird.

Unsicherheit besteht auch darüber, wie lange die Impfstoffe gegebenenfalls immunisieren. Der Münchener Virologe Oliver Keppler warnt davor, dass es den „Superimpfstoff“ vielleicht gar nicht geben wird.

Und daher muss man sich auch mit der Frage befassen, was wäre, wenn in den kommenden Jahren Corona-bedingte Verhaltensregeln zu beachten sind, die Angst vor einer Ansteckung nicht ignoriert werden kann und gar mit wiederkehrenden Shutdowns gerechnet werden muss?

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    Ganz allgemein würden viele der jetzt schon zu beobachtenden Auswirkungen – geringere Reisetätigkeit, mehr Homeoffice, keine Massenveranstaltungen – fortgeschrieben. Für einige Sektoren ergeben sich daraus auch positive Impulse. 

    Auf Insolvenzen folgen Preissteigerungen

    Zunächst hätte das Szenario schwerwiegende Auswirkungen auf die Struktur der Wirtschaft, das Wachstum, den Arbeitsmarkt und die Preise. Viele Angebote wie etwa Restauration, Hotelgewerbe und öffentliche Veranstaltungen würden zwar bestehen bleiben, aber mit einer wesentlich geringeren Kapazität.

    Die Innenstädte dürften sich nicht nur verändern, weil viele Geschäfte und Lokale schließen – auch Bürogebäude könnten ihre Funktion verlieren. Messegelände müssten redimensioniert werden. Taxiunternehmer würden massiv Geschäft verlieren und Catering-Dienste sowie Eventmanager mit einer nachhaltig verringerten Auftragslage konfrontiert sein.

    Die Folgen wären eine anhaltende Insolvenzwelle und eine steigende Arbeitslosigkeit. Die Jahre der Strukturanpassungen dürften durch eine sehr schwache wirtschaftliche Entwicklung beziehungsweise Rezessionen geprägt sein.

    Der Exportsektor sollte deutlich leiden, weil unsere Handelspartner mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hätten. Die Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung würden vielleicht ein oder zwei Mal verlängert werden, dann wäre aber auch hier Schluss.

    Im Zuge der Konsolidierung des Marktes – hinter diesem nüchternen Begriff steht der Wegfall der Existenz vieler Unternehmen, die sich Menschen über Jahrzehnte aufgebaut haben – werden außerdem die Preise steigen. Denn zur Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln muss letztlich eine relativ zum Kundenkreis großzügigere Infrastruktur bereitgestellt werden.

    In den Restaurants dürfen die Tische nicht mehr dicht beieinanderstehen, im Einzelhandel wird auch dauerhaft die Zahl der Kunden beschränkt, und im öffentlichen Nahverkehr werden möglicherweise mehr Züge eingesetzt, um überfüllte Waggons zu vermeiden. Schulgebäude müssten vollkommen neu gedacht werden.

    Das sind nur einige Beispiele, die das Leben teurer machen und die Inflation steigen lassen würden.

    Gute Karten für den IT-Sektor

    In dem beschriebenen Szenario werden allerdings nicht nur Wirtschaftszweige schrumpfen oder wegfallen, sondern auch neue Geschäftsmöglichkeiten entstehen.

    Der geringere Auslandstourismus könnte – wie bereits zu beobachten war – dazu führen, dass Regionen wie der Harz als Reiseziel wiederentdeckt werden. Im Bausektor könnte der Innenausbau an Bedeutung gewinnen, falls Bürogebäude in den Innenstädten verstärkt in Wohngebäude umgewandelt werden sollten oder bestehende Wohngebäude an die neuen Homeoffice-Anforderungen angepasst werden.

    Im Zusammenhang mit der Zunahme der Arbeit von zu Hause stiege der Anspruch an die Qualität der Datenleitungen, was noch größere Investitionen von den Telekommunikationsanbietern erforderlich machen würde. Außerdem würde in diesem Szenario der IT-Sektor beschleunigt wachsen. E-Commerce-Anbieter hätten gute Karten, dauerhaft überdurchschnittlich zu wachsen.

    Unternehmensberater könnten ebenfalls vor einer neuen Blütezeit stehen, da viele Firmen ihre Geschäftsmodelle umstrukturieren müssten. Ob die Autonachfrage aufgrund der geringeren Zahl der Pendler fallen oder als Folge eines höheren Schutzbedürfnisses durch Meidung des öffentlichen Nahverkehrs zunehmen würde, ist eine offene Frage.

    Kein Mensch kann die Zukunft vorhersagen. Vielleicht gibt es ja doch den ersehnten Superimpfstoff. Vielleicht aber auch nicht.

    Unternehmen sollten in jedem Fall nicht die Augen vor dem verschließen, was auf sie zukommen kann, im Schlechten wie im Guten. Einfach nur zu hoffen, dass bald der Spuk vorbei sein wird, dürfte als Geschäftsstrategie zu wenig sein.

    Mehr: Hauptverlierer der Coronakrise – Zahl der Minijobber sinkt um 850.000

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