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Gastkommentar Die Wirtschaftswissenschaft braucht Werte

Die Ökonomik kann nach der Krise nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren. Sie muss sich für neue Methoden und Fachbereiche öffnen und zugleich Farbe bekennen, wo sie stehen.
  • Michael Hüther
17 Kommentare
Michael Hüther fordert Werte für die neue Ökonomik. Quelle: dapd

Michael Hüther fordert Werte für die neue Ökonomik.

(Foto: dapd)

Die Finanz- und Wirtschaftskrise und die Staatsschuldenkrise haben das Ansehen der ökonomischen Wissenschaft schwer beschädigt. Die herrschende Lehre in der Ökonomik hat die Krise weder vorhergesagt noch erklärt. Noch schlimmer ist, dass sie Mitschuld an den Fehlentwicklungen trägt, die zu der Krise geführt haben. Das gilt insbesondere für die neoklassische Finanzmarkttheorie, die zwar die Institutionen des Finanzmarktes nicht erklären kann und will, aber vehement behauptet hat, dass sich auf den Finanzmärkten jederzeit faire Preise bilden, egal wie riskant die dort gehandelten Produkte sind.

Zugleich hat die Ökonomik gravierende Erkenntnislücken offenbart, vor allem hinsichtlich des Zusammenwirkens von Finanzsystem, industrieller Arbeitsteilung und Welthandel. Auch ist das viel zitierte „systemische Risiko“ nach wie vor eher ein leerer Begriff als ein theoretisch durchdrungenes Konstrukt. Nun geht es hier nicht um Anklage und Vorwurf, sondern um die Frage, wie die Ökonomik auf ihre Versäumnisse und Fehler am sinnvollsten reagieren sollte. Notwendig ist eine differenzierte, konkrete Kritik des ökonomischen Mainstreams, ohne ihn gleich völlig zu verwerfen.

Doch wer für eine solche Haltung plädiert, der gerät schnell von zwei Seiten unter Beschuss: einmal von den Vertretern des neoklassischen Mainstreams, die sich gerne mit Hinweis auf ihre Methodologie gegen Kritik immunisieren. Sie sehen den Fortschritt in Gefahr, den sie durch die Formalisierung wirtschaftlicher Abläufe ohne Zweifel erreicht haben. Auf der anderen Seite fordern Vertreter anderer methodischer Ansätze, die neoklassischen Modelle komplett zu verwerfen. Sie sehen meist nur den jeweils eigenen Ansatz als zukunftsfähig an.

Diese unversöhnlichen Positionen machen eines sichtbar: Sprachlosigkeit herrscht nicht nur zwischen den verschiedenen Disziplinen vom gesellschaftlich bedeutsamen Handeln des Menschen, wie der Soziologie und der Ökonomik, sondern ebenso zwischen den verschiedenen Schulen innerhalb der ökonomischen Zunft. Doch das führt zu nichts. Die Fundamentalkritiker müssen die Frage beantworten, was nach der Neoklassik kommen soll. Gerne wird da die Verhaltensökonomik als überzeugender Kandidat genannt. Sie meint, den Kern neoklassischer Theorie zu treffen, indem sie den zweckrationalen, eigennutzorientierten Homo oeconomicus infrage stellt.

Die Ökonomik muss sich für andere Disziplinen öffnen
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17 Kommentare zu "Gastkommentar: Die Wirtschaftswissenschaft braucht Werte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich habe die intergeneration-eqity Debatte in meiner Diss. aus 1988 komplett abgehandelt(ohne Ethik gehabt zu haben). In allen Foren publiziere ich die expliziten und die impliziten Staatsschulden von 7 Billionen. Ebenso das Versagen der Politik (Staatsversagen) bei der Bankenregulierung. Too big too fail darf nicht noch einmal passieren, wie ich letzte Woche im HB geschrieben hatte, mit dem Adresssaten Frau König (BAFin). Wenn jemand die grundsätzlichen Problem beim Namen nennt, so bin ich das. Teilweise habe ich auch zu den global econimics geschrieben.
    Die meisten Profs. sind leider grottenschlecht und sollten sich `mal an Prof. Sinn ein Beispiel nehmen. Die Modellwichser sind echt der Abschaum bzw. mainstream der Ökonomie.

  • @ Herr dr. Leineweber

    Falls dieLehre dumm ist sollte sie im Studiengang wegen der Generationengerechtigkeit verändert werden.In der VWL sind mittlerweile 2 Semester Ethik möglich.

    Zur Kooperation: Falls Sie selber kooperieren sind Sie doppelt frei ;-) Scherz beiseite, es geht darum, dass Schweizer Bankkaufleute, CS, und amerikanische Bankkaufleute, Citigroup und J.P. Morgan, über Regeln f r e i e i e r Kooperation diskutieren nach Christoph Spehr ( siehe Theorie der Freien Kooperatio, emanzipatorische Demokratisierung ) oder Freier Schuldenschnitt, oder freie Auswahl der Hochfrequenz- Kooperation-; Ein Aspekt des komplexen Themas "Being to big to fail.
    Deutschlands Industie ist global. Natürlich bedarf e s globaler Werte; "wir" rennen durch Schattenhaushalte und Schattenbanken in das kommende desaster.
    Tuen Sie ihr Bestes

  • Zum Versagen der ökonomischen Wissenschaften bestehen offensichtlich abenteuerliche Vorstellungen. Ich bin Dipl.Kfm. mit einer Diss. in VWL mit Summa.
    Demnach habe in mir selber kooperiert !
    - Einen Interessenkonflikt zwischen BWL und VWL gibt es nicht
    - "globale Werte" finden sich in den Zielsystemen (Wohlfahrt)
    - bevor man nach globaler politischer Ökonomie fragt, sollte man die polit. Ökonomie als solche beherrschen.
    - Die Studiengänge brauchen nicht verändert werden, weil es nicht am Studiengang liegt, sondern an den Profs. denen übergeornete polit-ökonomische Gedanken und Ordnungspolitik fremd sind.
    Sie brauchen nur alle meine FAZ Beitäge oder die im HB lesen. Oder eben meine Dissertation aus 1988. Da würde Ihnen die Kinnlade auf die Brust fallen, wie dumm die herrschende Lehre ist.
    Ansonsten hat Biedenkopf nicht verstanden, dass es um die Begrenzung der Freiheit geht (verpennte Bankenregulierung usw.) und nicht um Freiheit an sich.
    Auf meinen Beitrag zu Hüther "Die Wirtschaftswissenschaften brauchen Werte" sei verwiesen. Biedenkopf war zwar ein Querdenker, aber gleichwohl ein member der polit-ökonomischen Kaste, die gnadenlos versagt hat.

  • Dank an die Redaktion für den Beitrag von Herrn Hüther.

    Der Artikel bringt eine in Deutschland lange überfällige Diskussion in Gang, hoffentlich auch auf übergeorneter Ebene.Seit Januar kann man in amerikanischen Blogs dazu viele Beiträge lesen. Es besteht ein Interessenkonflikt zwischen Volkswirten und Betriebswirten:
    - Brauchen wir Regeln zur Kooperation?
    - Welche globalen Werte gibt es ?
    - Was ist globale politische Ökonomie?
    - Welche Systematik bezeichnet die "World Monetary Order?
    - Müssen in Deutschland die Studiengänge der Betriebswirtschaft verändert werden?
    - Welche Wirkungen hat das im Vergleich dreifach so hohe Anfangsgehalt von Bankkaufleuten?
    - undsoweiter undsofort?




    @ Profit
    Schreiben Sie einen Gastkommentar an Herrn Hüther! Ihr Beitrag ist praxisbezogen und bewirkt keine Trotzreaktionen.

  • Noch was, habe ich erst jetzt gelesen: Oeconomicus ist auch bestimmt einer, der sein Handwerk gelernt hat. Manchmal muss man eben nur fragen, ob man Keynes nicht gelesen und falsch verstanden hat, oder ob der Betreffende etwas von Ordnungspolitik versteht.

  • Sehr geehrter Herr Hüther, ich hoffe Sie sind Wissenschaftler genug, Ihren Artikel nicht als wissenschaftlich begründete Erklärung zu verstehen. Und ich hoffe deshalb auch, das Sie Ihren Sudenten diese Erklärungen nicht als Vorlesungsgegenstand zur oder der Wirtschaftswissenschaft anbieten. Sie sollten zunächst nicht nach Antworten zum Besipiel auf Ihre Fragen: Welches Bild vom Menschen legen wir zugrunde? Und welche Kraft messen wir der gemeinsamen Verpflichtung auf Freiheit und Verantwortung zu?, sondern sich wissenschaftlich mit dem Verstehen der diese Fragensätze (und vielen anderen in Ihrem Artikel) bildenden Worte auseinandersetzen. Dazu müssen Sie nur das herrschende Verständnis überwinden, dazu gebe es keine Fragen, das durch dieses Verständnis beherrschte Verstehen, also auch Ihr Verstehen(?) sei alternativlos, sei ein wissenschaftliches Verstehen.
    Mit freundlichen Grüßen

  • Nach Hüther hat "die herrschende Lehre ... die Krise nicht vorhergesagt." Da hat er sich aber schön aus seiner Verantwortung gezogen, weil es nämlich genügend Warner gab. Nur die wurden nicht ernst genommen. Ganzen Jahrgängen meiner Studenten habe ich beigebracht wohin der Euro und die Staatsverschuldung führt. Das ganze Desaster habe ich schon 1993 publiziert. Und ich war wahrlich nicht der Einzige. Die versponennen Modelltheoretiker haben versagt. Wer die Finanzwissenschaft und die Wirtschaftspolitik von der Pike auf gelernt hat wie ich, war leider schon vorher so schlau. Nur was nutzt es einen Nobelpreis für die Ermittlung des fairen Wertes eines Derivates zu vergeben, dessen Formel kein Mensch versteht, außer sein homo ökonomikus? Wer an einem solchen Quatsch forscht, ist freilich nicht in der Lage eine Immobilienblase vorherzusehen. Und da sind Immobilen über 50 Billionen Dollar futsch. Der Laureat hat sich mit einer Preisabweichung von ein paar Dollar in seinem Modell beschäftigt. Das ist Ökonomie an und für sich. Es war in der Finanzwissenschaft längst eine Theorie des Staatsversagens entwickelt, vor wohlgemerkt 20 Jahren, aber nach Fehlallokationen und trade offs hat trotzdem keiner gefragt, von der intergeneration-equity erst gar nicht zu reden ! Nun, die Mathemathik hat man vorgezogen, weil die keiner Sachlogik bedarf. Man hat es sich eben einfach zu einfach gemacht.

  • Hüther bemängelt, daß "die herrschende Lehre in der Ökonomik die Krise weder vorhergesagt noch erklärt hat". Damit hat er unzweifelhaft Recht. Doch was ist der Grund. Die Modelle, die die Theorie zur Verfügung stellt? Meine Antwort: Die Ökonomie wie auch die entsprechenden Aufsichtsgremien (z.B. Bafin, EU-Kommission, etc.), betreiben keine vernünftige empirische Forschung bzw. schauen sich die Daten nicht genau an bzw. erheben sie erst gar nicht. Es sind eben nicht die Defizite in der theoretischen Erklärung wirtschaftlicher Phänomene, die versagt haben, sondern die Erhebung und die Interpretation der tatsächlichen Daten haben nicht funktioniert. Dazu gehört vor allem Fleiß, der allerdings aus Bequemlichkeit nicht aufgebracht wurde bzw. wird. Beispiele: Empirische Analyse des US-amerikanischen Häusermarktes, Staatsfinanzierung Griechenlands. Wo hat hier die "Theorie" oder irgendein makro- oder mikroökonomisches Modell versagt? Welche Moral, welche "Werte" haben hier gefehlt? Gar nichts von dem. Man hat sich nicht der Mühe unterworfen, die Daten zu analysieren und das Geflecht von Subvention und zu riskanter Finanzierung beim Namen zu nennen bzw. das Problem überhaupt zu erkennen. Das Philosophieren über "Werte" lenkt nur von handwerklichen (!), wirtschaftspolitischen Fehlern ab. Lediglich Professor Sinn veröffentlicht vernünftige Diskussionsbeiträge zu diesen Thema. Sein jüngstes Beispiel: Target-2-Problematik. Niemand sonst, selbst die EZB und Deutsche Bundesbank nicht, hatten das Thema auf dem Radar.

  • Staatsversagen ist völlig richtig und man kann es nicht oft genug wiederholen.

  • Ganz konkret sei an dieser Stelle die, wie ich finde Pflichtlektüre jedes Ökonomen, Bankers und Politikers empfohlen:

    Eugen von Böhm-Bawerk’s Werk „Macht oder ökonomisches Gesetz?“

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