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Gastkommentar Die Zeit ist überreif für ein neues Radsportteam

Alpecin forciert die Wiederkehr eines deutschen Radsportrennstalls - ausgerechnet ein Geldgeber, der mit Jan Ullrich wirbt und in seinem Slogan das Wort Doping pflegt. Gut so! Warum die Pläne beste Erfolgschancen haben.
  • Christian Frommert
1 Kommentar
Christian Frommert kam 2005 als Leiter der Sponsoring-Kommunikation zur Telekom-Tochter T-Mobile, später bekleidete er diesen Posten auch bei der Muttergesellschaft. Bis zum Ausstieg des Konzerns aus dem Radsport-Sponsoring Ende November 2007 war er auch für die Kommunikation der Radsportmannschaft von T-Mobile verantwortlich. Quelle: dpa

Christian Frommert kam 2005 als Leiter der Sponsoring-Kommunikation zur Telekom-Tochter T-Mobile, später bekleidete er diesen Posten auch bei der Muttergesellschaft. Bis zum Ausstieg des Konzerns aus dem Radsport-Sponsoring Ende November 2007 war er auch für die Kommunikation der Radsportmannschaft von T-Mobile verantwortlich.

(Foto: dpa)

Heute geht es bei der Tour de France 2012 erstmals in die Berge, gleich mit einem Anstieg der höchsten Kategorie. Bei jener Radrundfahrt also, auf die einst auch hierzulande alle drei Sommerwochen lang viele abfuhren und die Herzen selbst der höher schlagen ließ, die ansonsten nicht allzu viel anfangen konnten mit Ausreißern und Peloton, Flamme Rouge oder Red Polka Dot Jerseys. Etappe 10 verspricht Spannung: Kann Cadel Evans einen Angriff auf Spitzenreiter Wiggins starten? Oder kommt Christopher Froome heran? Oder fällt die Entscheidung eine Woche darauf, auf der Königsetappe, einst Feiertag der Pedaleure, der Tag, an dem der Tour aufs Dach gestiegen wird? In Deutschland bekommt es kaum noch jemand mit.

Und nun, ausgerechnet in dieser Situation, zwei Jahre nachdem die letzte Etappe für ein Team aus hiesigen Gefilden in Paris zu Ende ging, denkt das Pharma- und Kosmetikunternehmen Dr. Wolff daran, unter seiner Marke „Alpecin“ wieder ein deutsches Team an den Start zu bringen? Eines zumindest mit maßgeblich sportlichem wie wirtschaftlichem Einfluss aus dieser Republik der Profi-Radsport-Ignorierer?

Von den Hoch-Zeiten eines Jan Ullrich, Erik Zabel oder Andreas Klöden ist nicht mehr viel geblieben. Tief sind die diversen Doping-Affären nicht nur um Deutschlands einstigen Vorzeigeradler Jan Ullrich ins Gedächtnis einer peinlich-berührten Öffentlichkeit eingegraben. Lance Armstrong, Floyd Landis, Alberto Contador und Co. haben das Bild nicht mehr schlimmer, nur noch skurriler werden lassen. Und ARD und ZDF sind längst ausgestiegen aus der Liveübertragung, einzig Eurosport bereitet der Tour noch die Bühne.

Ist die Tour deshalb tot? Mitnichten! Diese Ikone einer ganzen Bewegung liefert heute wie damals Geschichten, Dramen, Epen, Komödien, Heroen, Versager – sie erfüllt all das, nachdem sich PR-Experten geradezu sehnen: Sie ist entweder im Gespräch oder im Gerede. Sie ist in und out, wird geliebt und verabscheut. Egal ist die Tour niemandem.

Auch nicht der deutschen Radsport-Gemeinde. Einer, die immer stärker wird: Nichts treibt die teilweise finanziell üppig ausgestatteten Hobbyathleten stärker an und um und schließlich in den Handel und die Fachgeschäfte hinein, wie der Radsport. Längst sind die Jogger im Ranking der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen abgehängt. Die Veranstalter von Velomarathons, Cyclassics und Co. werden von Anfragen mehr oder manchmal auch weniger ehrgeizbeseelter Pedaleure nach Startplätzen geradezu überrollt.

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1 Kommentar zu "Gastkommentar: Die Zeit ist überreif für ein neues Radsportteam"

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  • Christian Frommert liegt mit seiner Einschätzung des Stellenwerts des Straßenradsports in Deutschland meiner Meinung nach vollkommen richtig. Immer mehr Frauen und Männer widmen sich aktiv, ob in Wettkämpfen, RTFs oder auch "nur" so zum Spaß dem faszinierenden Erlebnis, sich fast lautlos an frischer Luft Roll- und Luftwiderstand sowie der Hangabtriebskraft mehr oder weniger erfolgreich zu widersetzen. In einer alternden Bevölkerung bietet dieser Sport geradezu ideale Bedingungen, gesundheitsfördernden Sport zu betreiben, ohne sich stetig bis zur K-Grenze zu belasten. Außerdem gibt es kaum eine andere Bewegungssportart, bei der Leistungen nicht von vornherein durch das Lebensalter oder das Geschlecht limitiert werden. Beim Hobbyradsport zeigt selbst der gut trainierte 76-jährige so manchem 25- jährigen das Hinterrad.
    Dass Hobbyfahrer und Amateurlizenzfahrer/innen sich auch für das Profigeschehen interessieren ist dabei selbstverständlich. Auch wenn sie überwiegend Doping verurteilen, übt die Profiszene in vielfältiger Hinsicht auf sie einen großen Reiz aus, auch wenn man inzwischen manche Leistungen zu relativieren weiß. Vor diesem Hintergrund empfinde ich es als skandalös, dass sich die Macher des öffentlichrechtlichen Fernsehens nach wie vor weigern, ihrer Informationspflicht gegenüber dem Gebührenzahler nach zu kommen und von radsportlichen Großereignissen auch live zu berichten. Anderen Dauerleistungssportarten wie Biathlon, Skilanglauf und Leichtathletik widmet man Sendezeit ohne Ende. Doping als Thema ist dort nahezu tabu, obwohl jeder Kundige weiß, dass der einzige Unterschied zum Profiradsport in dieser Beziehung nur in der Kontrolldichte und der Kontrollqualität liegt. Es ist geradezu grotesk, dass ausgerechnet die Sportart boykottiert wird, in der in den letzten Jahren am intensivsten gegen Doping vorgegangen worden ist.