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Gastkommentar Die zweite Welle der Digitalisierung ist Europas Chance

Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Beirat „Junge Digitale Wirtschaft prophezeien: Die zweite Welle der Digitalisierung steht noch bevor. Was eine gute Nachricht für deutsche Unternehmen sei.
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Der Autor ist Bundeswirtschaftsminister.
Peter Altmaier

Der Autor ist Bundeswirtschaftsminister.

Vom Onlineshopping bis zum Messengerdienst: Digitale Plattformen gewinnen immer stärkeren Einfluss in unserem Alltag. Und sie werden ein wichtigerer Wirtschaftsfaktor. Sie sind in so gut wie allen Branchen vertreten und lösen bisherige Geschäftsmodelle ab oder verändern sie fundamental. Digitale Plattformen sind deshalb das Schwerpunktthema auf dem diesjährigen Digitalgipfel: Heute und morgen geht es in Dortmund um Schlüsseltechnologien und Geschäftsmodelle für die Zukunft.

Jeder kennt sie: Amazon, Facebook, Google, Booking, Uber, Airbnb, Alibaba und wie sie alle heißen. Nicht mehr die großen Öl-, Auto- und Mischkonzerne liegen wertmäßig an der Spitze, sondern digitale Plattformen. Von den zehn wertvollsten börsennotierten Unternehmen verfolgten 2018 sieben eine digitale Plattformstrategie. Keines von ihnen kommt aus Europa.

Daraus sollte man jedoch nicht resigniert den Schluss ziehen, dass der Kuchen schon verteilt sei. Entscheidend sind vielmehr zwei Dinge: Erstens gibt es auch im Bereich B2C noch viele Felder mit Zukunftspotenzial, in denen deutsche Unternehmen punkten und global bedeutsame Plattformen aufbauen können – zum Beispiel Mobilität, Smart Living oder digitale Gesundheit.

Zweitens steht die Entwicklung der Plattformökonomie im Bereich B2B noch am Anfang. Die zweite Welle der Digitalisierung steht noch bevor. Gerade hier gibt es große Chancen für Deutschland und seine Unternehmen. Gerade hier haben wir ein enormes Potenzial für Dateninnovationen, vor allem im Bereich der Maschinendaten bzw. der Daten des „Internet of Things“. Maschinen, die diese Daten weltweit generieren, werden nach wie vor zu großen Teilen und sehr erfolgreich in Deutschland produziert.

Jetzt geht es darum, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass unsere Unternehmen und insbesondere auch Start-ups ihre Stärken konsequent nutzen können, um erfolgreiche eigene Geschäftsmodelle in Deutschland und Europa zu schaffen und global wettbewerbsfähig zu sein.

Dafür ist der Aufbau einer europäischen, souveränen und vernetzten Dateninfrastruktur als „Enabler“ für digitale Ökosysteme und Plattformen zentral. Datensouveränität und Datenverfügbarkeit sind der Schlüssel für digitale Innovationen und das Fundament für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands wie auch Europas. Dies gilt insbesondere auch für Start-ups, gerade wenn sie im Bereich der KI unterwegs sind.

Wir brauchen auch ein Wettbewerbsrecht, das den Anforderungen der digitalen Welt gerecht wird. Mit dem GWB-Digitalisierungsgesetz soll die Chance genutzt werden, bessere Innovationsmöglichkeiten und fairen Marktzugang zu schaffen, vor allem für Start-ups und mittelständische Unternehmen.

Wichtig ist auch, dass diese Betriebe entlastet werden und sie mehr Rechtssicherheit erhalten – etwa bei geplanten Kooperationen. Zudem gilt es, einen diskriminierungsfreien Marktzugang auf nationaler wie europäischer Ebene zu sichern.

Die Plattformökonomie lebt davon, dass neue Geschäftsmodelle Raum erhalten, um sich zu entfalten und weiterzuentwickeln. Dazu gehört neben dem Abbau überzogener Regelungen auch ein verbesserter Zugang zu Finanzierung, gerade in der Wachstumsphase. Zentral ist es hierbei, mehr privates Kapital für den deutschen Wagniskapitalmarkt zu gewinnen. Auch die Möglichkeit, schnell qualifizierte Bewerber aus aller Welt beschäftigen zu können, kann ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein.

Vor allem aber brauchen wir die Bereitschaft der Unternehmen, ihre Kräfte zu bündeln und die Weltmärkte in den Blick zu nehmen. Wer global denkt und seine Plattformen auch für andere öffnet, schafft den großen Durchbruch. Eines ist klar: Wir können nur in Europa und mit Europa erfolgreich sein.

Deshalb brauchen wir eine ambitionierte Fortentwicklung des Europäischen Binnenmarkts – mit möglichst einheitlichen Spielregeln und ohne nationale Alleingänge und Abweichungen. Denn nur so können insbesondere junge Unternehmen schnell und unbürokratisch in Europa expandieren und zu großen, erfolgreichen Plattformen heranwachsen.

Für den dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands und Europas ist es unverzichtbar, dass wir vom reinen Nutzer auch zum Anbieter und Gestalter in der Plattformökonomie werden. Das wird gelingen, da sind wir zuversichtlich: mit unternehmerischem Mut und Weitblick, mit der Kreativität und der Innovationsfreude unserer Start-ups und Mittelständler, mit unserer starken industriellen Basis und den richtigen Rahmenbedingungen.

In diesem Sinne und nach dem Motto des Digitalgipfels: PlattFORM DIE ZUKUNFT – Lassen Sie uns die Zukunft gestalten!

Diesen Beitrag hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gemeinsam mit dem Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ verfasst.

Mehr: Bundesminister Altmaier will mit Gaia X ein Experimentierfeld für KI-Anwendungen schaffen, Ministerin Karliczek will mit einer europäischer Cloud die Macht der Digital-Konzerne aufbrechen.

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