Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastkommentar Digitalisierung muss die Marke „Made in Germany“ mittragen

Während sich im Privaten eine rasante digitale Entwicklung vollzieht, kommt diese in der Bildung nur langsam voran. Dabei sollte digitale Bildung Allgemeinbildung sein.
  • Michael Heinz
26.02.2020 - 14:56 Uhr 1 Kommentar
Der Autor ist Vorstandsmitglied der BASF und Lenkungskreisvorsitzender der „Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland e. V.“
Michael Heinz

Der Autor ist Vorstandsmitglied der BASF und Lenkungskreisvorsitzender der „Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland e. V.“

Es klingt eigentlich ganz einfach: Bildung und Erziehung bereiten unsere Kinder auf das Leben vor, und Schulen spielen bei der Vermittlung von Basiswissen die zentrale Rolle. Hierbei mit gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen Schritt zu halten ist und bleibt eine große Herausforderung. Aktuell gilt das besonders für die Digitalisierung.

Sie ist längst wesentlicher Teil unseres Alltags und wird weiter enorme Veränderungen mit sich bringen. Schule muss daher durch digitale Bildung ihren Beitrag dazu leisten, dass die Generationen, die künftig unsere Gesellschaft gestalten werden, für diese Entwicklung gerüstet sind.

Beim Blick auf unser Bildungssystem bekommt man den Eindruck, dass die Lücke zwischen privatem und schulischem Alltag eher größer wird. Denn während sich im Privaten eine rasante digitale Entwicklung vollzieht, kommt der Digitalpakt immer noch zu langsam voran. Pädagogische Konzepte werden immer noch erarbeitet. Es fehlt an spezifischen Lehrerfortbildungen, und Fachlehrer werden händeringend gesucht.

Der letzte veröffentlichte internationale Kompetenztest ICILS 2018 bestätigt, dass in Deutschland die Defizite bei der Bildung im Bereich Digitalisierung bereits in den Schulen entstehen. Unser Staat erfüllt also derzeit seinen Bildungsauftrag in diesem Bereich ungenügend.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    So sind die jüngst veröffentlichten Ergebnisse der Pisa-Studie ernüchternd. Zwar hält sich Deutschland noch etwas über dem Durchschnitt aller untersuchten Länder. Aber die Leistungen haben sich im Vergleich zu 2015 wieder verschlechtert und zeigen keinerlei Tendenz, das Mittelmaß nach oben zu verlassen. Das kann nicht unser Anspruch sein.

    Deutschland muss mehr investieren

    Laut OECD tragen Bildungsausgaben direkt oder indirekt dazu bei, Wirtschaftswachstum zu stärken, die Produktivität zu steigern, die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung zu fördern und soziale Ungleichheiten zu verringern. In Deutschland fließen seit Jahren jedoch nur rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in die Bildung.

    Das ist weniger als der Durchschnitt – sowohl im Vergleich der OECD-Länder als auch der EU-23. Spitzenreiter Norwegen ist die Bildung rund 6,5 Prozent des BIP wert. Bildung hat demnach, zumindest, was die finanzielle Ausstattung angeht, bei uns keinen ihrer Bedeutung angemessenen Stellenwert. Das kann nicht befriedigen.

    Es geht sowohl um technische Ausstattung als auch um Inhalte. Es ist anspruchsvoll, junge Menschen fit für die Zukunft zu machen. Künftig wird es dabei noch mehr auf Kompetenzen als auf Detailwissen ankommen. Flexibilität und Bereitschaft zu permanentem Lernen werden Schlüsselfaktoren sein.

    Denn wir wissen nicht, welche Berufe heutige Schüler in zwei Jahrzehnten ausüben und welche spezifischen Kenntnisse dafür erforderlich werden. In praktisch allen Lebensbereichen wird die Digitalisierung bis hin zu hochentwickelter Künstlicher Intelligenz eine Rolle spielen. Es geht nicht nur darum, in ausreichender Zahl und Qualität IT-Experten auszubilden. Das wäre viel zu eng gedacht. Unsere Gesellschaft braucht digitale Bildung als Teil einer zukunftsorientierten Allgemeinbildung.

    Das Fundament unseres Wohlstands ist eine starke Wirtschaft mit Innovation und großer unternehmerischer Tatkraft. Doch das ist kein Selbstläufer. Der Ende vorigen Jahres erschienene MINT-Herbstreport des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Wir haben aktuell eine MINT-Lücke von mehr als 260.000 Arbeitskräften.

    Das bremst bereits an vielen Stellen unsere Wirtschaft und verursacht in der öffentlichen Verwaltung spürbare Engpässe. Wir müssen daher im Bildungsbereich dringend das Fundament schaffen, damit die Digitalisierung künftig die starke Marke „Made in Germany“ mitträgt. Der Digitalpakt wird und kann nicht alles richten. Nur zu klagen bringt uns jedoch nicht weiter.

    Erste Schritte sind gemacht

    Wir alle sind gefordert, gemeinsam unser Bildungssystem zukunftsfest zu machen. Zum Glück haben das bereits viele Entscheidungsträger verstanden. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) beispielsweise will fundierte handlungsorientierte MINT-Bildung flächendeckend an Grund-, weiterführenden und an berufsbildenden Schulen ermöglichen. Die ersten Schritte sind gemacht, die Wirtschaft unterstützt.

    Unsere Motivation dabei ist, uns gesellschaftlich zu engagieren. Wir brauchen als Unternehmen eine hohe Bildungsqualität und tragen deshalb unseren Teil dazu bei, dass in Deutschland auch künftig Ideen gedeihen, der Unternehmergeist lebt und Menschen den Herausforderungen offen, kreativ und optimistisch begegnen.

    Mehr: Als sechstes Bundesland will Niedersachsen ab 2023 Informatik flächendeckend unterrichten. Dabei fehlt es an ausgebildeten Lehrern.

    Startseite
    Mehr zu: Gastkommentar - Digitalisierung muss die Marke „Made in Germany“ mittragen
    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Digitalisierung muss die Marke „Made in Germany“ mittragen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Endlich mal - Bildungsprobleme fallen nun nicht zu den Zuständigkeiten von Frau Merkel und der vor hin wurschtelnden GroKo.
      Das ist Sache der einzelnen Bundesländer und diese Zuständigkeit wird bis auf`s Messer verteidigt.
      Geld steht - auch noch einmal mehr von der Bundesregierung - zur Verfügung.
      Die Qualität des Führungspersonals in den Ländern bekommt es leider nicht hin, diese Gelder zu investieren, warum auch immer - eigentlich ein Luxusproblem.

      Lediglich in Bundesländern mit Unionsregierungsbeteiligung schneiden hier besser ab.
      Die anderen Regierungsparteien - SPD, Linke, Grüne - wollen sowieso ein linkes, sozialistisches Wirtschaftssystem, da rechnet man offensichtlich damit auf moderne Bildung verzichten zu können.

      So geht Zukunft - nicht!
      Trotzdem - wir schaffen das.

      (Sarkasmus zu Ende)

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%