Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastkommentar Drei Maßnahmen für eine nachhaltige Marktwirtschaft in der EU

Die EU will nachhaltige Investitionen fördern und so den Klimawandel eindämmen. Die geplanten Rahmenregelungen sind der richtige Weg dorthin.
Kommentieren
Der Vizepräsident der EU-Kommission hält ein klimaneutrales Europa für möglich. Quelle: AFP [M]
Jyrki Katainen

Der Vizepräsident der EU-Kommission hält ein klimaneutrales Europa für möglich.

(Foto: AFP [M])

In den letzten fünf Jahren hat die EU- Kommission einige der weltweit ambitioniertesten Schritte unternommen, um die Europäische Union auf eine nachhaltige Wirtschaft umzustellen. Um den Übergang Europas von einer „Wegwerf-Mentalität“ zur Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen, hat die Kommission 2015 einen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft vorgelegt.

Der Plan sieht Maßnahmen vor, mit denen der Kreislauf der Produktlebenszyklen geschlossen werden soll – beispielsweise bei Kunststoffen. Durch den Plan wurde der Weg für die Verringerung des Abfallaufkommens, das Recycling von Rohstoffen und die Wiederverwendung von Wasser geebnet, um ein paar Beispiele zu nennen.

Die EU ist entschlossen, bis 2030 die Ziele für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen, erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu erreichen. In ihrer langfristigen Strategie für eine wohlhabende und klimaneutrale Wirtschaft zeigt die Kommission auf‚ wie die EU bis 2050 zu einer klimaneutralen, emissionsfreien Volkswirtschaft werden kann, die modern und wettbewerbsfähig ist und Arbeitsplätze schafft.

Dieses Bekenntnis zu einer nachhaltigen Marktwirtschaft erfordert erhebliche Investitionen, von denen ein großer Teil aus dem Privatsektor kommen muss. Nach unserer Einschätzung werden in der EU in den nächsten zehn Jahren etwa 180 bis 290 Milliarden Euro pro Jahr an zusätzlichen Investitionen benötigt, um die Klima- und Energieziele der EU für 2030 zu erreichen. Die drei folgenden Aktionen werden Investitionen ankurbeln und dabei der EU helfen, ihre Ziele zu erreichen:

  • Erstens hat die Kommission vorgeschlagen, dass die EU ein Viertel ihres Haushalts für den Zeitraum 2021 bis 2027, also 320 Milliarden Euro, für Klimaschutzmaßnahmen einsetzen soll.

  • Zweitens stellt die EU schon jetzt öffentliche Mittel zur Mobilisierung privater Investitionen bereit, indem sie einen Teil der Finanzierungsrisiken deckt. Die aktuelle „Investitionsoffensive für Europa“ dient bereits zu einem großen Teil der Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen. In dem als Nachfolge-Initiative vorgeschlagenen Programm „InvestEU“ sind ausdrücklich 30 Prozent der Ausgaben für nachhaltige Investitionen vorgesehen, wodurch insgesamt nahezu 200 Milliarden Euro an Investitionen mobilisiert werden.

  • Drittens unterstützt die Kommission die Neuausrichtung privater Kapitalströme auf nachhaltige und klimaschutzorientierte Ziele. Angestrebt werden die Entwicklung einer sogenannten EU-Taxonomie für ökologisch nachhaltige Tätigkeiten, die Schaffung von Low-Carbon-Benchmarks, die Einführung einer EU-Norm für grüne Anleihen, die Nutzung des EU-Umweltzeichens für nachhaltige Finanzprodukte sowie die Klärung der Pflichten von Investoren.

„Green Deal“ ist der richtige Schritt

Bei all diesen Maßnahmen geht es darum, dass für Investoren Transparenz und Klarheit darüber herrscht, was nachhaltig ist und was nicht. Im Mittelpunkt steht der Vorschlag zur Einführung einer EU-Taxonomie, die Investoren und Verbrauchern dabei hilft, fundierte Anlageentscheidungen zu treffen und sie vor „Greenwashing“ schützt.

Wenn die EU heute in Nachhaltigkeit investiert, stärkt sie ihre Marktwirtschaft und dämmt gleichzeitig die Auswirkungen des Klimawandels ein. Nachhaltigkeit und eine rentable Volkswirtschaft gehen Hand in Hand. Mehr und mehr stützt man sich dabei auf Modelle der Kreislaufwirtschaft. Wachstum und Emissionsminderung widersprechen einander nicht und sind bereits Realität. Das Potenzial einer nachhaltigen Wirtschaft ist gewaltig.

Die Herausforderung besteht nun darin, dass die Mitgliedstaaten in diesem Bereich konkrete Fortschritte erzielen. Die EU ist die erste große Volkswirtschaft, die einen rechtsverbindlichen Rahmen für die Erfüllung ihrer Zusagen im Rahmen des Übereinkommens von Paris schafft.

Im Juni 2019 erstellten erstmals alle Mitgliedstaaten einen Entwurf ihres integrierten nationalen Energie- und Klimaplans, in dem auf nationaler Ebene die Finanzierungen und Investitionen vorgegeben sind, die zur Verwirklichung der Ziele für 2030 führen sollen. Die endgültigen Pläne sind bis Ende 2019 vorzulegen, und wir erwarten, dass die Mitgliedstaaten noch ehrgeizigere Verpflichtungen eingehen, um die Energie- und Klimaziele der EU zu erreichen.

Die neue EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat sich in ihren politischen Leitlinien verpflichtet, in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit einen europäischen „Green Deal“ zu verabschieden. Damit wird unser Versprechen bekräftigt, der erste klimaneutrale Kontinent zu werden. Mit der Schaffung unterstützender Rahmenregelungen für nachhaltige Investitionen und einem stärkeren Engagement für Investitionen in Innovation und Forschung, der Neugestaltung unserer Wirtschaft und der Anpassung unserer Industriepolitik befinden wir uns auf dem richtigen Weg.

Mehr: Die Grünen wollen ihre Idee für eine ökologisch-orientierte Wirtschaft gemeinsam mit den Unternehmen vorantreiben. Auch viele Top-Manager suchen den Dialog.

Startseite

Mehr zu: Gastkommentar - Drei Maßnahmen für eine nachhaltige Marktwirtschaft in der EU

0 Kommentare zu "Gastkommentar: Drei Maßnahmen für eine nachhaltige Marktwirtschaft in der EU"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote