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Gastkommentar E-Mobilität ist die Zukunft – Deutschland muss Schritt halten

Der Energieversorger Vattenfall fordert die Bundesregierung auf, saubere Mobilitätslösungen voranzutreiben und politische Hürden zu beseitigen.
  • Fermin Bustamante
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Anfang Januar gab es in Deutschland mehr als 80.000 Elektroautos. Quelle: dpa
Elektroauto

Anfang Januar gab es in Deutschland mehr als 80.000 Elektroautos.

(Foto: dpa)

Elektrifizierung, Vernetzung und Effizienz: Das sind die Eckpfeiler des neuen Mobilitätszeitalters. Sie bieten neue Wachstumsmöglichkeiten für Unternehmen und die Wirtschaft, wobei der Schutz der öffentlichen Gesundheit und der Kampf gegen den Klimawandel oberste Priorität haben. Bei der Diskussion um die Mobilität der Zukunft muss die Bundesregierung vor allem im Auge behalten, in welche Richtung sich die Autobranche entwickeln soll und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben.

Durch Initiativen wie EV100 unter Leitung der Climate Group zeigen immer mehr Unternehmen, dass die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen steigt. Mehrere EV100-Unternehmen – Metro AG, E.ON, LeasePlan, Ingka Group (früher IKEA Group) und Vattenfall – appellieren an die deutsche Politik, so schnell wie möglich den Umstieg auf Elektroautos zu ermöglichen: für Klimaschutz, für bessere Luft in den Städten, aber auch um dafür zu sorgen, dass Deutschland weiterhin Weltmarktführer in der Automobilbranche bleibt.

An diesem kritischen Wendepunkt sind drei Dinge erforderlich, um den Weg für die E-Mobilität zu ebnen. Erstens muss der Verkauf von Elektrofahrzeugen exponentiell steigen, wofür es bereits erste positive Anzeichen gibt. Zweitens muss eine ausreichende Ladeinfrastruktur vorhanden sein. Und drittens müssen Ladenetze, Autos und Versorgungsnetze nahtlos ineinandergreifen, um den Ladevorgang für die Kunden so einfach und effizient wie möglich zu gestalten, die sogenannte Interoperabilität.

Das ist kein klassisches Henne-Ei-Problem: Wenn erst einmal gute und günstige Elektroautos mit vernünftiger Reichweite auf dem Markt sind, werden sowohl die Investitionen in die Ladeinfrastruktur als auch der Kundenservice folgen. So war es zum Beispiel in den Niederlanden, wo klare, politische Entscheidungen zur Steigerung des Elektrofahrzeuganteils den Unternehmen die Sicherheit gegeben hat, in Ladeinfrastruktur und Interoperabilitätsvereinbarungen zu investieren.

Das Gute ist: Die klimafreundliche und erschwingliche Alternative zu Benzin- und Dieselfahrzeugen gibt es bereits. Elektroautos werden immer konkurrenzfähiger, sowohl was den Preis als auch was die Reichweite betrifft. Mit den meisten Benzinern und Diesel-Fahrzeugen können sie es locker aufnehmen, wie der EV Readiness Index 2019 von LeasePlan zeigt.

Fermin Bustamante ist Leiter von Vattenfall E-Mobility in Deutschland. Quelle: Vattenfall
Fermin Bustamante

Fermin Bustamante ist Leiter von Vattenfall E-Mobility in Deutschland.

(Foto: Vattenfall)

Viele führende Automobilhersteller stellen auf Elektrofahrzeuge um und überbieten sich gegenseitig bei der Markteinführung neuer Modelle. Alle zusammen investieren mehrere Milliarden in die Elektromobilität. Volkswagen hat bei seiner Festlegung auf E-Mobilität gerade noch mal nachgelegt und angekündigt, anstelle der ursprünglich geplanten 50 voll elektrisch betriebenen Modelle bis 2025 nun bis 2028 sogar 70 solcher Fahrzeugtypen auf den Markt zu bringen.

VW leitet offenbar unter seinem neuen CEO Herbert Diess einen grundlegenden Wandel ein. Dies ist ein wichtiges Signal in einem Land, das die Vorteile der E-Mobilität bisher nur zögerlich zur Kenntnis genommen hat.

Autohersteller wie VW reagieren damit auf die schärferen CO2-Grenzwerte der EU für PKW bis 2030, die im Dezember 2018 beschlossen wurden. Außerdem kommen sie so einer steigenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen entgegen: Die Verkaufszahlen für Elektroautos sind 2018 in Europa im Vergleich zu 2017 um ein Drittel gestiegen.

Was kann die Politik tun

In ihrem gestrigen Arbeitsgruppentreffen konnte sich die sogenannte Verkehrskommission („Nationale Plattform Zukunft der Mobilität“) nicht auf Maßnahmen einigen, wie das Klimaziel im Verkehrssektor von 40 bis 42 Prozent weniger CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 vollständig erreicht werden kann. In der Tat ein ehrgeiziges Vorhaben, wenn man bedenkt, dass in Deutschland im Verkehrsbereich seit 1990 die Emissionen sogar gestiegen sind.“

Das Thema E-Mobilität wurde in Deutschland bisher eher schleppend angegangen, obwohl Länder wie Norwegen, die Niederlande und Schweden, bereits vormachen, wie es geht. Damit auf dem Markt Sicherheit darüber herrscht, wohin die Reise gehen soll, muss Deutschland erstens seine Sektorziele aus dem Klimaschutzplan von 2016 in einem Klimaschutzgesetz verbindlich festlegen.

Zweitens hat sich eine entsprechende Kfz-Besteuerung beispielsweise in den Niederlanden und Norwegen als äußerst wirkungsvoll erwiesen, um mehr Elektroautos auf die Straße zu bringen. Schweden hat vor Kurzem eine recht elegante „Bonus-Malus“-Kfz-Besteuerung eingeführt.

Autos mit hohen CO2-Emissionen werden mit einem Malus belegt, während nahezu abgasfreie, umweltfreundliche und elektrisch betriebene Autos mit einem Bonus belohnt werden. Der große Vorteil eines Bonus-Malus-Systems liegt darin, dass es den Staatshaushalt nicht belastet und bei Bedarf ganz einfach angepasst werden kann.

Genauso wichtig ist für Deutschland, die Steuern für Firmenwagen anzupassen. Seit Anfang dieses Jahres profitieren Hybridmodelle und rein elektrisch betriebene Autos von einer Halbierung der Dienstwagenbesteuerung. Es ist sinnvoll, die Besteuerung an die tatsächlichen Emissionen eines Fahrzeugs zu knüpfen und nur emissionsfreien Fahrzeugen den vollen Steuerrabatt zu gewähren. Damit kann die Nachfrage nach rein elektrisch betriebenen Autos, die die Ladeinfrastruktur tatsächlich nutzen, enorm gesteigert werden.

Drittens müssen in Deutschland die Rabatte für Dieselkraftstoff kontinuierlich zurückgeschraubt werden. In keinem anderen europäischen Land ist das Verhältnis zwischen Strom- und Dieselpreisen für den Endverbraucher so unvorteilhaft wie in Deutschland. Für kostenorientierte Flottenbetreiber ist das eine erhebliche Hürde, um offensiver in die E-Mobilität vorzudringen.

Mit diesen drei Maßnahmen kann die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in Deutschland effektiv gesteigert werden. Und wenn sie mit Maßnahmen zur Entwicklung einer umfassenden Ladeinfrastruktur ergänzt werden, fällt der Umstieg auf Elektroautos Verbrauchern und Unternehmen umso leichter.

Mit der steigenden Anzahl von Elektrofahrzeugen muss natürlich auch die Ladeinfrastruktur entsprechend ausgebaut werden. Alle Interessengruppen sollten darauf abzielen, den Prozess in großem Maße zu standardisieren und zu vereinfachen.

In Deutschland gibt es beispielsweise ca. 800 Verteilnetzbetreiber und bei allen gelten andere Bestimmungen und Verfahrensweisen für die Ladeinfrastruktur. Darüber hinaus dauert es oft Monate, bis lokale Baubehörden einen bestimmten Standort genehmigen. Klare Richtlinien auf der nationalen Ebene wären an dieser Stelle sehr hilfreich.

Die Erfahrung in den Niederlanden zeigt, dass Ausschreibungen ein sehr effektives Instrument zur Beschleunigung des Ausbauprozesses der Ladeinfrastruktur sein können. Längere Laufzeiten und hinreichende Größenordnungen (mindestens 500 Ladestationen pro Gebotszuschlag) tragen enorm zur Senkung der Kosten bei. So kann die öffentliche Ladeinfrastruktur in den Niederlanden schon jetzt subventionsfrei ausgebaut werden.

Worauf warten wir noch?

Zu guter Letzt wissen wir, dass die meisten Ladevorgänge in Gebäuden (zu Hause oder bei der Arbeit) passieren. Hier besteht erheblicher Handlungsbedarf. Der aktuelle Koalitionsvertrag sieht bereits mehr Unterstützung für die Errichtung von Ladestationen an Privat- und Unternehmensstandorten vor, also worauf warten wir noch?

All diese Maßnahmen unterstützen einen reibungslosen und schnellen Übergang in die elektromobile Zukunft. Ein klares und ehrgeiziges Enddatum für den Verkauf von Verbrennern würde derweil helfen, die Klimaziele für die Automobilbranche in Deutschland zu erreichen.

Um die Chancen zu nutzen, sollte die Bundesregierung ein deutliches Signal an die Wirtschaft senden, dass die schrittweise Elektrifizierung des Straßenverkehrs die Zukunft ist. So kann die deutsche Automobilindustrie ihren globalen Spitzenplatz in der emissionsfreien Wirtschaft der Zukunft behalten.

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