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Gastkommentar Eberhard Sasse: Unternehmen brauchen Flexibilität, nicht neue Lasten

Der Staat sollte die richtigen Konsequenzen aus der Coronakrise ziehen. Nötig sind jetzt disruptive und nachhaltige Konzepte für Haushalt und Steuern.
11.11.2020 - 18:44 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Unternehmer und Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages. Quelle: Rudolf Wichert
Eberhard Sasse

Der Autor ist Unternehmer und Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages.

(Foto: Rudolf Wichert)

Das war die Idee: Die deutsche Wirtschaft als Ganzes, jedes Unternehmen für sich, werde zügig in einen Zustand des „new normal“ einschwenken, der das Gute aus der Prä-Pandemie-Zeit bewahrt und mittels neuer Tools und einiger Anpassungen eine stabile Resilienz aufweist. Aber wir werden den Eintritt in diese Zukunft noch etwas verschieben müssen. Denn der menschliche Faktor war nicht gebührend eingepreist.

Die aktuelle Entwicklung macht deutlich: So verlockend es wäre, nach der Coronakrise einfach einen Reset-Knopf zu drücken und die Werkseinstellungen wiederherzustellen – die deutsche Wirtschaft funktioniert nicht wie ein Smartphone. Um den Betrieb wieder so in Gang zu bringen, dass alle gut damit leben und arbeiten können, braucht es einen Eingriff in die gedankliche Struktur.

Ja, unsere Gemeinwesen brauchen Steuern, um das öffentliche Leben zu finanzieren. Auch, um in Krisen Beistand zu leisten – wie es in der Pandemie bisher weitgehend gut gelungen ist. Dass Deutschland bislang so gut aus der Krise hervorgegangen ist wie kaum ein anderes Land, ist nicht zuletzt der guten und vorbildlichen Hilfe unseres Staates zu verdanken.

Nun, da es den Kassen an früherer Substanz mangelt und auch der Nachfluss zu wünschen übrig lässt, ist allerdings schon die Versuchung spürbar, beim Inkasso wieder nachzulegen. Auch zwischenzeitlich auf Eis gelegte Gesetzesvorhaben lauern auf einen Neubeginn, um endlich ins gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben hineinwirken zu dürfen.

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    Beide Entwicklungen sind jedoch schädlich. Sie bürden den Unternehmen neue Lasten auf, kaum dass es ihnen gelungen ist, die bestehenden in den Griff zu bekommen. Noch sind die Bilanzen für 2020 nicht geschrieben, da droht das Risiko, auch noch die Folgen von Unternehmensstrafrecht, Lieferkettengesetz oder „Sustainable Finance“ einpreisen zu müssen.

    Wer sich jemals mit Kybernetik beschäftigt hat – der Wirtschaftswissenschaftler Fredmund Malik ist ein inspirierender Lehrmeister in dieser Disziplin –, der weiß: Eingriffe, an welcher Stelle eines Systems auch immer, zeigen auch an allen anderen Stellen Folgen. Wir sehen das am so beliebten Homeoffice: Vom Energieverbrauch über die Parkplätze bis zur Kantinennachfrage sind die Auswirkungen zu spüren.

    Was ist nachhaltig?

    Genauso verhält es sich mit einer Wirtschaft im Ganzen und Unternehmen im Einzelnen, die versuchen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen, wieder ein „Ökosystem“ zu werden. Noch ist der See, in dem wir alle schwimmen, trübe. Noch gibt es Verwirbelungen, Untiefen und Erosionen am schützenden Ufer. Jede neue Last, die eingetragen wird, verstärkt die Unsicherheit und verhindert Erholung.

    Worin besteht die Lösung, will man langfristig zu lebens- und erstrebenswerten Zuständen zurückkehren? Zum Beispiel darin, dass man Umweltfreundlichkeit nicht länger am CO2-Abdruck misst, sondern in einem „sustainable deal“ Klimaschutz und Wirtschaft kompatibel macht. Je früher und umfassender das geschieht, desto zielgerichteter lassen sich Investitionen gestalten, die Unternehmen jetzt tätigen müssen. Zudem die Erkenntnis nicht neu, aber durch die Pandemie bekräftigt ist: Nachhaltigkeit ist mehr als Klimaschutz.

    Was die Frage nach der Steuerlast angeht: Ein Mittelstand, der investieren soll, kann keine höhere Abgabenlast tragen. Klug wäre es vielmehr, auf breiter Schicht – Arbeitnehmer und Selbstständige eingeschlossen – Vermögensbildung so zu fördern, dass bei künftigen Krisen jeder Einzelne weniger staatliche Hilfe braucht und seinen Lebensstandard weitestgehend halten kann.

    Klug wäre es, umgehend und umfassend kreative Lösungen fürs neue Arbeiten zuzulassen und gleichzeitig dem Sterben der Innenstädte vorzubeugen. Klug wäre es, die Start-up-Kultur mit größerem Spielraum für Investoren so zu stärken, dass ihre Ideen und Impulse im Land bleiben.

    Lehren aus dem Jahr 2020

    Klug wäre es nicht zuletzt, einen tragfähigen Rahmen mit eingebauter Flexibilität bei den Abgaben zu definieren, die unseren Sozialstaat sichern; sie zu tragen ist gelebte Verantwortung, aber sie dürfen nicht aus dem Ruder laufen, wenn Ertrag ausfällt. Das gilt für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer.

    Hier kann die öffentliche Hand jetzt genauso neue Weichen stellen, wie dies jeder Unternehmer tun muss. Auch für ihren Gestaltungswillen und ihre lenkende Kraft – vom erhaltenswerten, aber reformbedürftigen Sozialstaat bis zur Pflege steuerzahlungsfähiger Bürger – gelten ab sofort disruptive Konzepte.

    Schließlich können wir nicht sicher sein, dass 2021 einfacher, gesünder oder effizienter wird als dieses Jahr. Mit Mut und Optimismus werden wir aber die Herausforderungen besser meistern als im Hürdenlauf oder im Bürokratiekorsett. Diese Lehre sollten wir aus dem Jahr 2020 mitnehmen.

    Mehr: Die Wirtschaftsweisen mahnen: Coronakrise ist noch lange nicht vorbei

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