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Gastkommentar Ein Jahr nach dem Mord an Walter Lübcke: Wirtschaft muss politisch sein

Unsere Gesellschaft braucht das Engagement der Unternehmen – gerade in Zeiten wie diesen. Wirtschaftsvertreter müssen daher klare Kante gegen Rechtsextreme zeigen.
01.06.2020 - 14:05 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Vorstandsvorsitzender von Wintershall Dea.
Mario Mehren

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender von Wintershall Dea.

Am 2. Juni jährt sich ein schreckliches Ereignis: Vor genau einem Jahr wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke ermordet. Mutmaßlich von einem vorbestraften Neonazi. Mit Walter Lübcke hat unser Land einen großen und mutigen Demokraten verloren. Seine Ermordung macht deutlich, wie fragil das Fundament ist, auf dem unsere freiheitliche Demokratie heute steht.

Wir alle – als Bürgerinnen und Bürger, aber ebenso: als Wirtschaftsvertreter – müssen klare Kante gegen Rechtsextreme zeigen. Wir müssen jeder Form von Hass und Extremismus entgegentreten. Denn wie aus hässlichen Worten gewaltsame Taten werden, das haben die Anschläge in Chemnitz, Halle, Hanau und der Mord an Walter Lübcke schmerzvoll gezeigt.

Nicht nur gesellschaftlich, auch wirtschaftlich wäre eine Welt der Intoleranz und der geschlossenen Grenzen eine Katastrophe. Wirtschaft profitiert von Vielfalt, Wirtschaft braucht Vielfalt! Demokratie ist als System gewiss nicht perfekt, aber wie Churchill sagte: das Beste, was wir haben.

Ich bin überzeugt, dass Wirtschaft politisch sein muss. Gerade in krisenhaften Zeiten ist es wichtig, dass sich Unternehmen engagieren. Ohne ein stabiles gesellschaftliches Umfeld und ein respektvolles Miteinander werden wir wirtschaftlich nicht erfolgreich bleiben. Ebenso sind wir es unseren Kolleginnen und Kollegen schuldig, die aus diversen Ländern und Kulturen stammen – wir müssen diesen Kollegen zeigen: „Wir schätzen euch. Und wir schützen euch vor Hass und Hetze!“.

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    Als Europas führender unabhängiger Gas- und Ölproduzent arbeitet Wintershall Dea in 13 Ländern weltweit und beschäftigt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 50 Nationen. Unsere Arbeit ist international, genauso wie unsere Teams und Denkweisen. Diese Internationalität zeichnet die deutsche Wirtschaft, den „Exportweltmeister“ aus. Und dafür müssen gerade Firmenlenker öffentlich vernehmbar eintreten.

    Eine E-Mail, die ich nach einer Podiumsdiskussion zu diesem Thema bekomme habe, bringt das für mich sehr schön auf den Punkt. Der Kollege, der mir schrieb, hat einen Migrationshintergrund und ist mit seiner Familie kürzlich zu unserem Unternehmenssitz nach Kassel gezogen. Als er unser politisches Engagement sah, war sein erster Gedanke „Ich bin stolz, hier zu arbeiten.“ Klar, eine solche E-Mail liest jeder CEO gern. Aber sie zeigt mir, wie wichtig es als Signal für die eigenen Mitarbeiter ist, dass ein Unternehmen klar Flagge zeigt.

    Partnerschaftliches Miteinander nach außen zu predigen reicht nicht

    Unternehmen sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Für mich war daher bereits direkt nach den Vorfällen in Chemnitz 2018 klar, dass wir uns auch als Unternehmen für Demokratie und Toleranz einsetzen müssen. Gemeinsam mit vier weiteren großen Unternehmen aus Nordhessen haben wir die Initiative „Offen für Vielfalt“ gegründet.

    Seitdem ist die Initiative stetig gewachsen: auf nunmehr 22 Unternehmen, Vereine und Verbände aus der Region. Das Markenzeichen der Initiative – ein Türschild mit der Aufschrift „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ – prägt inzwischen vielerorts das Stadtbild in Kassel.

    Es reicht aber nicht, ein partnerschaftliches Miteinander nach außen zu predigen. Man muss es als Unternehmen auch nach innen leben. Daher haben wir und weitere Mitglieder von „Offen für Vielfalt“ Betriebsvereinbarungen für insgesamt 160.000 Beschäftigte in Deutschland unterzeichnet: für Respekt am Arbeitsplatz.

    Zudem lädt Wintershall Dea im Herbst, sofern Corona das zulässt, alle unsere Auszubildenden zu einer Bildungsreise nach Berlin ein, um sie für demokratische Werte zu sensibilisieren. Mehr noch, sie dafür zu begeistern.

    Wie wichtig dieses Demokratie-Engagement ist, hat die Ermordung Walter Lübckes schmerzlich gezeigt. Und zwar in Kassel: genau da, wo wir uns mit unseren Unternehmenspartnern für ein respektvolles Miteinander einsetzen und wo viele unserer internationalen Kollegen leben. Anlässlich des heutigen Jahrestages der Ermordung Walter Lübckes setzen wir daher erneut ein klares Zeichen für die Demokratie.

    Gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Kassel ehrt unsere Initiative das Andenken an Walter Lübcke. Die Botschaft unserer Kampagne ist ebenso bewegend wie auch klar: „Demokratische Werte sind unsterblich“. Wie bei den Türschildern rufen wir auch jetzt Unternehmen und Privatpersonen auf, sich zusammen mit uns einzubringen – indem sie die Kampagnen-Anzeige sichtbar in ihre Fenster und Schaufenster hängen.

    Denn wir werden Demokratie und Vielfalt nur verteidigen können, wenn Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam dafür kämpfen. Wenn die engagierten Demokraten aus der gesellschaftlichen Mitte denen entgegentreten, die sich als „besorgte Bürger“ – auch unter unseren Kolleginnen und Kollegen – inszenieren. Wir dürfen Intoleranz nicht tolerieren. Nirgends. Weder dort, wo wir zu Hause sind, noch in unseren Unternehmen.

    Mehr: Im Mordfall des Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke soll es zum Prozess kommen. Die Ermittler gehen von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus.

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