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Gastkommentar Eine klimaneutrale Wirtschaft bis 2050 ist möglich

Die EU muss in wettbewerbsfähige Technologien investieren und die Wirtschaft als Ganzes modernisieren. Weiteres Zögern können wir uns nicht mehr leisten.
  • Miguel Arias Cañete
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Miguel Arias Cañete ist EU-Kommissar für Klimapolitik und Energie. Quelle: Reuters
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Miguel Arias Cañete ist EU-Kommissar für Klimapolitik und Energie.

(Foto: Reuters)

Wenn wir es ernst meinen mit dem Klimaschutz, müssen wir über das Jahr 2050 reden. Die Veränderungen, vor denen wir stehen, sind gewaltig. Beim Petersberg-Dialog in Berlin hat Bundeskanzlerin Merkel die Notwendigkeit betont, bis 2050 klimaneutral zu werden. Ich hoffe, dass sich dieses Ziel auch in einer Einigung der Staats- und Regierungschefs der EU widerspiegeln wird, wenn sie Ende Juni auf dem Europäischen Rat zusammenkommen.

Bei Klimaneutralität geht es nicht nur um Umweltschutz, sondern um die Modernisierung der Wirtschaft der Europäischen Union als Ganzes. Es geht um mehr Investitionen in wettbewerbsfähige Technologien und um die Verbesserung der Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürger.

Die Europäische Kommission hat eine Strategie vorgeschlagen, mit der durch einen sozial gerechten Übergang bis 2050 ein klimaneutrales Europa auf kosteneffiziente Weise erreicht werden soll. Wir wollen damit die Zielrichtung der Klimapolitik der Europäischen Union aufzeigen und zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beitragen.

Unsere Analyse zeigt, dass eine klimaneutrale Wirtschaft bis zum Jahr 2050 erreicht werden kann. Dafür braucht es eine ambitionierte Kombination aus Technologien und Maßnahmen. Das bedeutet Investitionen in eine viel effizientere Wirtschaft, die weniger auf Energieeinfuhren angewiesen ist und mehr lokale, hochwertigere Arbeitsplätze schafft.

Unsere Strategie zeigt auf, wie die europäische Industrie ohne Einbußen bei Wettbewerbsfähigkeit oder Produktionsleistung mit vorhandenen oder fast einsatzreifen Technologien den Weg zur Klimaneutralität ebnen kann. In einigen Wirtschaftszweigen setzt die Dekarbonisierung einen Umbruch voraus.

Dies muss ein Anreiz dafür sein, Veränderungen in Angriff zu nehmen und nicht an den Modellen der Vergangenheit zu kleben. Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen in Zukunftsbranchen wie der Automobilindustrie und der industriellen Herstellung von Batterien steigern.

Gleichzeitig möchte ich den energieintensiven Branchen in Europa und ihren Beschäftigten versichern, dass ihre Sorgen Gehör finden. Die EU wird ihre Belange durch Umschulung und Weiterbildung der Arbeitnehmer berücksichtigen und dafür sorgen, dass jeder Einzelne in der Lage ist, sich an die neuen Anforderungen der klimaneutralen Wirtschaft anzupassen.

Noch ist es nicht zu spät

Der Haushalt sowie die Beschäftigungs- und die Kohäsionspolitik der EU sind zudem darauf ausgerichtet, die wirtschaftlichen Ungleichheiten in Europa zu beseitigen. Einige besonders stark am Welthandel beteiligte Industriezweige stehen vor der zusätzlichen Herausforderung, die Dekarbonisierung zügiger vorantreiben zu müssen als der Rest der Welt.

Die EU wird aber sicherstellen, dass diese Industriezweige über die gesamte Energiewende durch verschiedene Mittel Unterstützung erhalten. Unter anderem durch die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems werden wir auch künftig CO2-Verlagerungen in den besonders stark in den internationalen Handel eingebundenen Industriezweigen verhindern.

Ein Wandel dieser Größenordnung erfordert eine offene Debatte. Wir Politiker müssen mit den Bürgerinnen und Bürgern und der Zivilgesellschaft in Europa zusammenarbeiten, um zu einem Konsens über das weitere Vorgehen zu gelangen. Und wir müssen der Jugend zuhören: Auch wenn wir schon jetzt die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommen, werden viele von uns nicht mehr erleben, wie ein tiefgreifend veränderter Planet im Jahr 2050 aussehen könnte.

Aber die jungen Europäerinnen und Europäer, von denen mehr und mehr in immer mehr Städten in ganz Europa auf die Straße gehen, werden im Jahr 2050 im Zenit ihres Erwachsenenlebens stehen. Ich begrüße ihr Engagement; für sie steht im Kampf gegen den Klimawandel am meisten auf dem Spiel.

Wir müssen uns also mit einem viel größeren Dringlichkeitsbewusstsein in diesem Prozess des Wandels engagieren. Uns bleibt wenig Zeit, um das Klima zu stabilisieren und die Ziele des Übereinkommens von Paris zu verwirklichen. Noch ist es nicht zu spät – weiteres Zögern können wir uns aber nicht mehr leisten.

 Wir müssen uns auf das Ziel eines klimaneutralen, wohlhabenden und gerechten Europas im Jahr 2050 einigen und auf dieser Basis die Maßnahmen und Schritte treffen, von denen wir wissen, dass sie zielführend sind. Ich freue mich darauf, diese Debatte weiterzuführen, bis wir der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen im Jahr 2020 unsere gemeinsame, ambitionierte und langfristige Strategie vorlegen können.

Mehr: Die derzeitigen Klimaschutzpläne der EU bereiten der deutschen Industrie große Sorgen. Vor allem die Energiebranche sieht sich in Gefahr.

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