Gastkommentar „Energie braucht den Markt“

Mit dem Solar-Ausbau beeinflusst Deutschland die Strompreise in Europa. Das sollte der Politik ein Zeichen sein, weniger planungswütig zu sein, fordert RWE-Chef Terium. Der Wettbewerb brauche wieder eine Chance.
  • Peter Terium
9 Kommentare

Die Rettung des Euros beherrscht heute die Debatte in Europa. Das ist notwendig. Gleichzeitig droht darüber die Energiewende zu einem Thema zu werden, das nur innerdeutsch diskutiert wird. Wenn es so bliebe, wäre das fatal. Denn die deutsche Energiewende hat massive Auswirkungen auf unsere Nachbarländer. Und: Sie kann nur gelingen, wenn wir sie als gesamteuropäisches Projekt begreifen.

Schon heute beeinflusst die Photovoltaik in Deutschland die Strompreise in unseren Nachbarländern. Sie kappt Preisspitzen, die für Investitionen in flexible Gaskraftwerke und Speicher notwendig sind. Und das auch in der Schweiz, wo kaum Photovoltaik-Anlagen installiert sind. Polen überdenkt Schutzmaßnahmen vor norddeutschem Windstrom, der das polnische Stromnetz überlastet, wenn er in großen Mengen nach Osten fließt. Europas Strom kennt keine Grenzen mehr. Und gleichzeitig sehen wir 16 deutsche Bundesländer - jedes mit einem eigenen Energiekonzept, viele mit Autarkiezielen für die eigene Versorgung.

Peter Terium ist Chef von RWE. Quelle: dpa

Peter Terium ist Chef von RWE.

(Foto: dpa)

Es ist klar, dass die Energiewende nicht mit Kleinstaaterei gelingen wird. Sie wird nur zusammen mit unseren Nachbarn in Europa gelingen. Das erfordert den Mut zu mehr Koordination und Planung über die Grenzen Deutschlands hinaus. Das erfordert auch mehr Vertrauen in den Markt. Man kann ein so gewaltiges Projekt nicht bis ins Kleinste vorab planen. Die großen Linien müssen vorgegeben werden. Die Details - in welches Projekt soll wann, wo und wie viel investiert werden? - müssen sich am Markt entscheiden. Dafür haben wir ihn schließlich.

Dazu passt auch kein kurzfristiger Aktionismus. CO2-Preise etwa sollen eine Planungsgrundlage für Energieprojekte bieten, die oft Laufzeiten von 40 Jahren haben. Da sorgt es nur für Unruhe, aber nicht für eine zielführende Steuerung, wenn die Politik mit einem Zeithorizont von 18 Monaten jetzt den CO2-Preis per Verknappung in die Höhe treiben will.

Mehr Vertrauen in den Markt und in Europa sollte auch die Förderung erneuerbarer Energien durchdringen. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat sich bewährt, um die erneuerbaren Energien aus einer Nische herauszuführen. Bei einem stetig wachsenden Marktanteil stößt es heute aber an die Grenze Verträglichkeit. Sonne und Wind kosten zwar nichts, aber EEG-Strom ist dennoch relativ teuer. Das spüren die Bürger bei jeder Stromrechnung.

Bereits im Jahr 2005 gelang eine wegweisende Kooperation
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9 Kommentare zu "Gastkommentar: „Energie braucht den Markt“"

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  • Seit wann gibt es denn im Energiemarkt Wettbewerb? Extrem hohe Subventionen für die Atomkraft, sehr hohe für Kohle, keine "ökologische" (nachhaltige) Buchführung ... Dass die RWE ihre Macht sichern will und die Politik weiterhin eng "umarmen" möchte ist doch klar. Hier wieder ein Beispiel wie unverhohlen das geht ...

  • freak1982...Die Aussage die Sie erwähnten ist aus dem Zusammenhang gerissen.

    Der umweltschädliche Solarstrom wird gem. den Launen des Wetters eingespeist. Ein sonniger Sonntag Mittag im Sommer mit geringem Strombedarf kann dann zu negativen Strompreisen an der Börse führen.
    Auf der anderen Seite stehen die EEG Subventionen die die Verbraucher bezahlen müssen. Aufgrund der Schwankungen der Solareinspeisung muss die Solarstromeinspeisung durch Schattenkraftwerke abgedeckt werden. Kohlekraftwerke können nicht so schnell herunter/hoch gefahren werden wie die Launen des Wetters spielen. Die Kosten von Kraftwerken die nicht so schnell heruntergefahren werden können und den Strom zu Negativpreisen abgeben müssen, Kraftwerke in Bereitschaft. Diese Kosten sucht man natürlich an die Verbraucher weiterzugeben. Die extremen Schwankungen des Bedarfs, bzw. des Preises können von einem Erdgaskraftwerk zwar technisch gefahren werden, allerdings ist das nicht wirtschaftlich. Mit einer geringen Vollaststundenzahl und Lastfolgebetrieb lässt sich ein Kraftwerk nicht rentabel errichten.

    Vandale
    Der Strom aus Solarzellen ist in der Tat ziemlich wertlos. Aller

  • Guten Abend Hr. Jost,
    vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Sie haben recht, dass ich nicht genau weis, wie sich der Strompreis zusammensetzt-da haben Sie mich erwischt :) Ich erinnere mich aber noch an einen 20/20 Vertrag (20 Pfg/kWh), jetzt sind es 24 ct. Zu BY: auch da werden Sie Recht haben, wenn alle AKW gleichzeitig abgestellt werden, allerdings wird eine durchgängige Leitung auch nicht in wenigen Jahren stehen. Zum Kommentar: Sie werden kaum (ohne Konsequenzen) Ihre "Meinung" zu Ihrem Betrieb öffentlich verbreiten können. Das kann nur die des Betriebs sein,
    Ich verdiene nichts in PV, habe keine Dachanlage und bin in keiner Partei.

  • so ist es eben bei einem Kommentar, so wie sie ihn auch abgelassen haben. es werden meinungen dargelegt, die andere gut oder schlecht finden können. Genauso könnte man auch bei ihrer reaktion von lobbyarbeit reden. immer mit den finger auf andere zeigen, hilft nichts.
    problem bleibt (rein sachlich) das bayern z.b. derzeitig keine ausreichende pv hat und da nützt es nichts zu sagen, in zehn jahren werden die schon... das ist zur zeit genauso eine lobbyparole, wie die der energiekonzerne, dass kernenergie billig ist.
    zum thema preissteigerung war höher als eeg: diese diskussion ist lächerlich, weil sie voraussetzt, dass sie genau wissen, wie sich die marktpreise tatsächlich zusammensetzen. und da gehe ich davon aus, sie wissen es nicht, wie 99,9% der bevölkerung, wenn überhaupt es jemand weiß. dann sagen sie doch: der staat soll es übernehmen, da wird es billiger. ihr kommentar war lobbysprechzeit in billiger form.

  • "Direktvermarktung von regenrativen Strom weiterentwickeln": translation: Der Privatbetreiber einer Dach-PV Anlage soll zusehen, wie er seinen Strom verkauft: etwa mit einem Zettel am Biete-Board im Baumarkt.
    "2005 gelang eine wegweisende Kooperation" - schon? War es nicht so, dass im Frühjahr deutsche AKW zur Wartung heruntergefahren werden, im Gegenzug im Hochsommer Strom nach F liefern, weil dann dort die Anlagen wg. Wassermangel der Flüsse heruntergefahren werden?

  • Redakteure sollten Meister des Worts sein.
    Die Bezeichnung "Gastkommentar" ist zu ersezten durch: "Platz für Lobbyismus".
    Wie soll den der Vorstand von RWE eine "Meinung" veröffentlichen? Im Klartext: Der Zusammenhang Eurokrise-Energiekrise: kein logischer Zusammenhang; PV beeinflusst Strompreise: die 1200000 kW Anlage eines AKW wirkt sich nicht aus? Sind die Entsorgungskosten nicht auf die Allgemeinheit übertragen worden? Was ist mit den Forschungskosten? Autarkieziele einzelner Bundesländer? Schon dieses Wortungetüm läßt Mißtrauen aufkommen (was man nicht gleich versteht, sollte man mit Vorsicht anfassen-wie strukturierte Produkte). Wird nicht gerade die Stromleitung von N nach S problematisiert? Braucht man die überhaupt, wenn in BY Solarstrom u. Wasserkraft ausgebaut sind?
    Energiewende vs Kleinstaaterei: Deshalb wurde ja das EEG erlassen, um allgemein gültige einfache Regeln für die Einspeisung zu haben (in D, dem Gültigkeitsbereich der BR).
    "Kurzfristiger Aktionismus" Das EEG war jedenfalls langfristig angelegt. Wer waren denn die entscheidenden Kräfte, die den A.ausstieg rückgängig gemacht haben? Wer hat auf die Kürzung der PV Vergütung gedrängt und die Planungsgrundlage für diese Industriearbeitsplätze entzogen?
    "Mehr Vertrauen in den Markt": Warum fängt jedes Spiel mit den Spielregeln an? Dann wollen wir mal rechnen: F&E der Kernenerg., Entsorgung p/A x 10.000, Rücklagen f. Störfälle, Versicherung (komplett)... Markt bei T. heißt: Na?
    Und z. Schluss die Keule: der Verbraucher zahlt. Tatsache ist, dass die Stromrechnung stärker gestiegen ist, als die EEG Umlage.
    Das ist HB Lobbysprechzeit in peinlichster Form.

  • "Schon heute beeinflusst die Photovoltaik in Deutschland die Strompreise in unseren Nachbarländern. Sie kappt Preisspitzen, die für Investitionen in flexible Gaskraftwerke und Speicher notwendig sind."

    Normalerweise sprechen die Gegner der neuen Energie davon das dieser Strom nicht planbar ist und wertlos. Da frag ich mich was dann diese Aussage soll. Wenn der Strom so Schwankungsanfällig ist, dann müßten doch gerade diese Spitzen wie der Author beschreibt entstehen.

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