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Gastkommentar Energiewende kommt Deutschland teuer zu stehen

In Sachen Energiewende wurde so einiges bisher versäumt. Wichtige Wegmarken könnten verpasst werden. Ein Neuanfang ist notwendig. Dabei stärker auf die Kräfte des Marktes zu achten, wäre schon hilfreich.
8 Kommentare
Axel Horstmann war Energieminister in NRW und ist Partner der Beratungsgesellschaft S/E/. Quelle: Pressefoto

Axel Horstmann war Energieminister in NRW und ist Partner der Beratungsgesellschaft S/E/.

(Foto: Pressefoto)

Kontinuität oder Neuanfang? Soweit es um ihren Mann im Umweltministerium geht, hat die Bundeskanzlerin erst die eine, dann die andere Antwort gegeben. Was von beidem für die deutsche Energiewende gilt, hat sie nicht gesagt, stattdessen die Worte "noch große Anstrengungen" gewählt. Da wird ihr kaum jemand widersprechen, aber man wüsste gern, wer sich wofür anstrengen soll. Sicher ist, dass der verabschiedete Umweltminister manches versäumt hat, wie zuletzt seine Abstimmungspleite zur künftigen Solarstromförderung im Bundesrat zeigte.

Nun sorgt sich die Bundesregierung, dass wichtige Wegmarken ihrer Energiewende verpasst werden könnten. Gemessen an ihren Absichten, werden allerdings zu wenig Gaskraftwerke gebaut, die schon genehmigten Offshore-Windparks entstehen zu langsam und sind womöglich zum Teil gefährdet, weil Bau und Netzanbindung teurer kommen als geplant.

Darüber hinaus kommt der Ausbau des Übertragungsnetzes nicht voran; nicht nur wegen Planungshindernissen, sondern auch wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit. Die Lösungsvorschläge lauten je nach Fall "Kapazitätsmärkte", "Haftungsübernahme" oder "Bundesnetzplan". Allen gemeinsam ist, dass der Stromverbraucher oder der Steuerzahler den Investoren einen Teil ihrer Kosten oder ihres Risikos abnimmt.

Man kann die Urheberschaft für solche Ideen nicht pauschal der Bundesregierung ankreiden, aber weder Umwelt- und Wirtschaftsminister noch Kanzlerin sind ihnen entschlossen entgegengetreten. Die entsprechenden Forderungen aus der Energiewirtschaft sind ja nicht unplausibel: Es geht um klimapolitische Ziele und insbesondere den gewollten massiven Aufwuchs der fluktuierenden und oft verbrauchsfernen Energiegewinnung aus Wind und Sonne.

Diese erfordern den Ausbau der Stromnetze und den Umbau des konventionellen Kraftwerksparks. Aber ist eine "Kontinuität" in Gestalt eines staatlichen Förderregimes über die Energiewirtschaft politisch auf Dauer beherrschbar? Schon die Schwierigkeit, die Vergütungssätze für Photovoltaik-Anlagen volkswirtschaftlich vernünftig zu regeln, muss eigentlich zur Verneinung der Frage führen.

Gibt es eine Alternative? Weil man dieser Frage sinnvoll nur im realpolitischen Bezug nachgehen kann, ist davon auszugehen, dass die Bedeutung der erneuerbaren Energien und damit einer von Windstärke und Sonneneinstrahlung abhängigen Energieeinspeisung in Deutschland dynamisch weiter zunehmen wird.

Wahrscheinlich geschieht das noch schneller als von der Bundesregierung geplant, die bisher schon einen Anteil von 35 Prozent am Stromverbrauch für 2020 und 50 Prozent für 2030 annimmt. Aufgrund von Kostenvorteilen, aber auch weil in den Regionen und Kommunen die Energiewende als Chance zur Generierung von Wertschöpfung und Beschäftigung gesehen wird, dominieren dabei in Zukunft wohl dezentrale Formen der Erzeugung an Land.

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8 Kommentare zu "Gastkommentar: Energiewende kommt Deutschland teuer zu stehen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Vor kurzen hat Japan bekanntgegeben, daß das letzte AKW vom Netz ist. Auch Japan ist eine Wirtschaftsmacht mit hohem Energiebedarf - wenn die das können, warum wir nicht?
    Herr Horstmann ist ein typischer, neokonservativer Vertreter der klassischen Energiewirtschaft. Diese kann das Potential der erneuerbaren Energien überhaupt nicht nachvollziehen. Wir können problemlos die Energiewende schaffen, wenn nicht die Konzerne dauernd dicke Steine in den Weg rollen würden. Es sind gerade die Energiekonzerne, die zum einen staatliche Subventionen für Kraftwerke und Leitungen verlangen, zum anderen aber nicht bereit sind, von ihren Milliardengewinnen in Vorleistung zu gehen. Desweiteren bedeuten die vielen kleinen Stromeinspeisungen aus Photovoltaik-, Windkraft- und Biogasanlagen, daß sich gerade die Konzerne den Kraftwerksneubau oft sparen können. Gleichzeitig sind aber die Gestehungskosten aus diesen Einspeisern kalkulierbar und über 20 Jahre konstant.
    Wenn wir eine wirkliche Wende haben wollen, dann brauchen wir in Deutschland nur ein paar Maßnahmen zu ergreifen:
    1. Jeder darf Strom in das öffentliche Netz einspeisen.
    2. Wer Strom einspeist, erhält eine Vergütung.
    3. Die Vergütung ist abhängig vom aktuellen Strompreis der Leipziger Strombörse und wird proportional dazu festgelegt.
    4. Kleineinspeiser haben Vorrang vor Großeinspeisern.

    Diese Maßnahmen würden ganz schnell zu einer lastabhängigen Einspeisung führen. Außerdem würden sie zur Entwicklung von Speichertechnologien führen, denn durch ein kluges Management lassen sich gute Gewinne erzielen. Und, da jeder Strom einspeisen darf, werden nicht einzelne Technologien bevorzugt.
    Wenn wir die Entwicklung von Photovoltaik und Windkraft der letzten Jahre betrachten, so haben wir auf Grund der Einspeisevergütungen eine rasante Entwicklung in der Technik. Nutzen wir doch diese kreativen Kräfte und setzen die Rahmenbedingungen so, daß die Gesellschaft insgesamt profitiert.

  • Das Herr Axel Horstmann in seinem Beitrag "Die Energiewende wird Deutschland teuer zu stehen kommen" nicht ein einziges mal im Detail erklärt warum das so ist zeigt doch das er hier bewußte Panikmache für die 4 großen Energieversorger betreibt. Das einzige was er am Rande erwähnt ist das wir weitere Gaskraftwerke brauchen. Das was den Endverbraucher richtig kostet ist der Bau von gigantischen Offshorewindparks. Diese produzieren schon heute soviel Energie dass sie nur noch durch den Ausbau der Netze nach Süden abtranzportiert werden kann. Warum bauen wir nicht weiter riesige Freiflächenanlagen mit Photovoltaik. Hier sind die Kosten mittlerweile so gering das der Anteil von 3,6 cent /KWh bei den momentan so drastisch gesenkten Förderungen nicht überschritten wird. Dieser Meinung hat sich selbst Norbert Röttgen in jüngster Zeit angeschlossen. Wir müssen weiter in eine saubere Zukunft investieren und nicht zurück in die Steinzeit gehen und wieder mit Gaskraftwerken und womöglich Kohlekraftwerken anfangen. Diese lohnen sich wirtschaftlich schon nicht mehr die alternativen Technologien dermaßen günstig geworden sind.

  • Ja, ist klar. Die Preisbildung über die Börse ist intransparent, aber ihre Meinung ist Gesetz?! Haben Sie sich mal ganz altmodisch auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen?!

  • laika231...Ich meine Sie fordern dass die Regierung die Gesetze der Mathematik ausser Kraft setzen möge. Die Regierung kann die Kosten "Erneuerbarer Energien" noch intransparenter gestalten, allerdings tauchen die Kosten irgendwo auf.

    Natürlich kann man den Strom der bereits über die EEG Einspeisevergütung bezahlt wurde an der Börse verkaufen und entsprechende Erlöse und "Preissenkungen" preisen.

    Gem. den Gesetzen der altmodischen Mathematik führt eine Einspeisevergütung von 20c/kWh für Solarstrom und 9,4c/kWh für Windstrom bei einem Wert dieses Stroms von ca. 1c/kWh zu einer Kostenbelastung. Diese wird in irgendeiner Form weitergegeben.

    Vandale

  • Es ist offensichtlich, dass das aktuelle Strommarkt-Modell die Anforderungen der Zukunft nicht bewältigen kann. Obwohl die Handelspreise an der Strombörse durch den Zubau der Erneuerbaren Energien immer weiter sinken werden diese Kostenvorteile nicht an die Verbraucher weitergegeben.
    Im Gegenteil: Durch die sinkenden Strompreise erhöht sich die EEG-Umlage und damit die Belastung insbesondere der privaten Stromkunden. Hier muss die Regierung schleunigst die richtigen Rahmenbedingungen setzen, damit der Markt auch funktioniert und nicht nur das Oligopol abkassiert.

  • Sind Sie in dem Bereich aktiv?

  • Sonnen- und Windenergie fallen gemäss den Launen des Wetters an, welche sich in der Regel nicht nach dem Strombedarf in Deutschland richten. Demzufolge ist der Strom aus Windmühlen und Solarzellen in einem bedarfsgesteuertem Netz nahezu wertlos.

    Strom ist der am schwierigsten zu speichernde Energieträger. Die Kosten einer Stromspeicherung liegen meist über den Erzeugungskosten moderner Energieerzeugungsverfahren (Kernenergie, Kohle, Gas).

    Ich habe einen Artikel zum Thema Stromspeicherung, Techniken, Kosten, geschrieben der soeben bei Eike veröffentlicht wurde. Falls Interesse besteht, einfach googlen.

    Vandale

  • Was wir brauchen, ist eine Energiewende, die die bei uns gültigen physikalischen Gesetze berücksichtigt. Diese Gesetze einfach zu ignorieren, wird immer im Desaster enden, egal, welchen Weg die Politik wählen wird. Sonne und Wind sind bei uns ungeeignet, den Stromhunger eines hightech-Landes zu decken.

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