Gastkommentar Erfolgsprojekt Europa darf nicht verspielt werden

Trotz Währungskrise und Wirtschaftsflaute: Die Staatengemeinschaft hat Grund genug, stolz auf ihre Leistungen zu sein. Die europäische Integration war ein Erfolgsprojekt. Damit es weiter wirkt, sind aber Reformen nötig.
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Martin Raiser ist Direktor der Weltbank, sein Ko-Autor ist Chefökonom für Europa. Quelle: PR

Martin Raiser ist Direktor der Weltbank, sein Ko-Autor ist Chefökonom für Europa.

(Foto: PR)

Europa stünde mehr Selbstbewusstsein gut zu Gesicht. Das mag überraschen, denn viele europäische Volkswirtschaften sind zum Ende 2011 sogar leicht geschrumpft. Doch Europas wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den letzten sechs Dekaden ist eine Erfolgsgeschichte in dreierlei Hinsicht.

Erstens ist Europa eine „Konvergenzmaschine“. Kein anderer Kontinent der Welt hat es geschafft, in gleicher Weise ärmere Nachbarstaaten durch wirtschaftliche Integration zu reichen Industrienationen zu machen. Wer weiß heute noch, dass Griechenland nach dem Ende der Militärherrschaft 1974 gerade mal ein Pro-Kopf-Einkommen von umgerechnet 2050 Euro pro Jahr hatte? Heute sind es, trotz Krise, immer noch zehnmal so viel. Polen lag 1990 sogar unter 1600 Euro pro Kopf – heute sind es 9200 Euro.

Der Schlüssel dieser Erfolge: die europäische Integration. Aber nicht nur Süd- und Osteuropa haben profitiert. Ein Gutteil des deutschen wirtschaftlichen Erfolgs der letzten zwei Jahrzehnte lässt sich auf die clevere Arbeitsteilung mit den osteuropäischen Nachbarn zurückführen.

Zweitens steht Europa auch heute noch für Qualität, elegantes Design und eine Wirtschaftspraxis, die Profit und soziale Verantwortung miteinander zu verbinden sucht. Steve Jobs hat sich von europäischem Design inspirieren lassen. Politiker vieler Schwellenländer, von Brasilien bis China, beschwören eine sozial ausgerichtete Marktwirtschaft. In vielen Branchen, vom Automobil- und Flugzeugbau bis zur Feinmechanik, sind europäische Unternehmen weiterhin Weltspitze.

„Made in Europe“ ist und bleibt anerkannt als internationaler Qualitätsmaßstab. Allerdings hat der Süden Europas im letzten Jahrzehnt stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Die Ungleichgewichte in Europa sind der Hauptgrund für die gegenwärtige Krise in der Euro-Zone.

Drittens hat wohl keine andere Region der Welt wirtschaftlichen Erfolg in gleicher Weise mit Solidarität gepaart, wie dies in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg gelungen ist. Nirgendwo haben die Menschen so viel Freizeit bei gleichzeitig so hohem Wohlstand. Unter den 30 lebenswertesten Städten der Welt befinden sich nach einer Umfrage des „Economist“ mehr als zwei Drittel in Europa.

Wettbewerbsfähigkeit ist vereinbar mit sozialem Ausgleich
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17 Kommentare zu "Gastkommentar: Erfolgsprojekt Europa darf nicht verspielt werden"

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  • Das ist wieder einmal eine Bank die kein Mensch kennt und vor Allem kein Mensch braucht. Während wir normalen Bürger und Steuerzahler den ganzen Euro-Wahnsinns-Scheiss bezahlen dürfen, freuen sich diese Herrschaften über total überzogene Gehälter und kontraproduktive Boni. Je mehr Schulden gemacht werden, desto mehr Kohle kommt in die Taschen dieser Bankster, und nur darum geht es am Ende. So einfach ist das, leider. Wahrscheinlich braucht es deswegen auch gleich zwei solcher Vollpfosten um solch einen stumpfen Bockmist hier im HB als Artikel zu propagandisieren. Das ist wirklich arm.

  • Die Idee des Euro und der EU war doch die folgende: ein ökonomisch starkes, prosperierendes Europa mit einer starken Währung und einer kompetenten politischen Führung, das im inneren kulturelle Vielfalt zulässt und nach außen mit einer Stimme spricht um seine Interessen gegen Wirtschaftsblöcke wie USA, China, Rohstoffländern zu vertreten.

    In Wahrheit ist Europa jedoch weiter denn je von einer gesunden ökonomischen, sozialen und politischen Basis und einem friedlichen Umgang miteinander entfernt. So nutzt die europäische Vereinigung wirklich niemandem, denn ein im Chaos vereintes schwaches Europa wird auf der Weltbühne keine Rolle spielen.

    Es wird Zeit, dass Kohl, Schmidt, Merkel, Schäuble und die anderen Euroidealisten dies einsehen und die Bundesbank beauftragen, dieses unsägliche Projekt Euro endlich rückabzuwickeln. Dass es auch ohne Euro geht, zeigt die Schweiz, die sich mit großem Realitätssinn dem Euro-Abenteuer ferngehalten hat, ihren Wohlstand dauerhaft bewahrt und ihren starken CHF auf einer Backe absitzt…

  • HEIL EUROPA!

  • Diese Art von Euromantik wird Deutschland das Genick brechen und zwar sehr sehr schnell.

  • Sehr gut! Stimme voll zu.

  • Dieser Artikel besteht leider nur aus Märchen und sonstigem Unfug. Man sollte solch ein Schwachsinn dem Leser bitte nicht zumuten.

  • Es gibt kein Qualitätssiegel "Made in Europe". Made in Europe steht mittlerweile für selbstgemachte Dekadenz, Selbstbedienung und Betrug. Mehr als 2000 Euro pro Jahr erwirtschaften die Griechen auch heute nicht - warum sollen sie dann mehr bekommen?!

  • Durchhalteparolen, inspiriert von Goebbels. Mehr nicht!

  • ich glaube, der Glanz zeigt sich im Gesicht des (Gast-) Artikelschreibers. So einen schwachsinnigen Vergleich muss man erst mal hinbekommen: Aus den armen EU-Staaten sind noch keine reichen Länder geworden. Und das Pro-Kopf-Einkommen von Griechenland ist statistisch überhaupt nicht aussagefähig, da auf Pump finanziert unhd da grundsätzlich griechische Statistiken falsch sind. Überhaupt: Was ist denn das für ein Weltbank-mensch? Habe noch nie was von ihm gehört.

  • Wenn man europäische Errungenschaften nicht einfach mal so stehen lassen kann, dann ist das auch eine Form von Ignoranz und Realitätsverlust. Selbstverständlich hat Europa viel erreicht, und die Stärkeren haben die Schwächeren an die Hand genommen. Es täte auch Ihnen gut, wenn sie eine andere Meinungen und Realitäten nicht immer gleich runterbügeln müssten.

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