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Gastkommentar Es ist an der Zeit, Führung und Personalentwicklung neu zu denken

Der demografische Wandel bringt Vielfalt in Unternehmen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit der Generationen ist ein Schlüssel zum Erfolg.
22.08.2018 - 16:43 Uhr Kommentieren
Die Autorin ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung. Sie erreichen sie unter: gastautor@handelsblatt.com
Liz Mohn

Die Autorin ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung. Sie erreichen sie unter: [email protected]

Demografische Vielfalt ist Alltag in Unternehmen. In manchem Haus arbeiten bis zu vier Generationen zusammen. Da sitzen die 55-jährige Fachkraft mit 30 Jahren Berufserfahrung und die 24-jährige Hochschulabsolventin, die in drei Ländern studiert hat, gemeinsam in einem Team. Die junge Managerin führt eine Arbeitsgruppe mit fünf Männern 45 plus.

Manche fragen sich, ob Erfahrung nicht mehr zählt und wie entscheidend Alter und Erfahrung eigentlich noch bei der Besetzung für Führungspositionen sind. Ich meine: Die Vielfalt an Altersstufen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Erfahrungen ist eine Bereicherung für jede Organisation! Sie birgt aber auch Konflikte. Wie können Unternehmen das Miteinander unterschiedlicher Generationen erfolgreich nutzen?

Sie müssen gängige Vorurteile überwinden. Wenn auf der einen Seite die „Babyboomer“, die die besten Posten besetzen, mit ihrer Erfahrung punkten, aber der digitalen Welt skeptisch gegenüberstehen. Oder wenn auf der anderen Seite eine jüngere Generation auftritt, die technisch versierter und besser für die moderne Arbeitswelt ausgebildet ist – aber eben auch als anspruchsvoll gilt.

Wenn die Jüngeren in den Babyboomern nur Kollegen sehen, die neue Ideen abschmettern mit: „Warum etwas verändern? Das haben wir schon immer so gemacht.“ Und die Älteren den Jüngeren zwar Enthusiasmus und digitale Affinität attestieren, ihnen aber Oberflächlichkeit und überzogenes Anspruchsdenken unterstellen. Dann können daraus Misstrauen und ein getrübtes Betriebsklima entstehen. Dann leiden die Unternehmenskultur und am Ende auch der Unternehmenserfolg.

Das Kompetenzzentrum „Führung und Unternehmenskultur“ der Bertelsmann Stiftung hat in Unternehmen nach dem Generationenmiteinander gefragt. Das Ergebnis ist interessant: Da gibt es junge Menschen, die aktiv eine sinnerfüllte berufliche Tätigkeit, aber deshalb nicht unbedingt gleich eine Führungsposition suchen. Oder 60-Jährige, die sich nicht einfach auf das Altenteil zurückziehen wollen, sondern sich nach unternehmerischen Herausforderungen sehnen und bei Start-ups als Mentoren einsteigen. Sind das nur Einzelfälle?

Ich bin überzeugt: Was sich alle Menschen unabhängig vom Alter wünschen, ist Respekt! Für die Art, ihr Leben zu gestalten. Für ihre Tätigkeit, für ihre spezifischen Leistungen und für ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg. Sie wünschen sich, ihre Arbeit sinnstiftend zu erleben.

Es ist an der Zeit, Führung und Personalentwicklung neu zu denken, zum Beispiel bei der Besetzung von verantwortungsvollen, gut dotierten Posten. Da sitzen derzeit viele Babyboomer – und die jüngere Generation scharrt mit den Füßen und möchte Verantwortung übernehmen.

Damit Unternehmen in Zukunft erfolgreich sind, müssen sie ihren Mitarbeitern flexiblere Berufs- und Karrierewege bieten. Sie müssen im Rahmen der betrieblichen Erfordernisse stärker individuelle Perspektiven für die Mitarbeiter berücksichtigen: Standardprogramme über Generationen hinweg haben ausgedient.

Wir müssen individueller schauen, was jeder Einzelne kann und für den Job noch braucht. Will der 50-Jährige in Vollzeit arbeiten und noch das x-te Rhetorikseminar absolvieren? Vielleicht will er aber lieber bei reduzierter Arbeitszeit seine Lebenserfahrungen in einem Ehrenamt einbringen – soziale Erfahrungen, die meist auch dem Unternehmensstandort zugute kommen?

Zukunftsfähige Führung muss außerdem Konflikte besser aushalten. Dazu gehört auch, Nein zu sagen. Nein, dieses Arbeitsmodell passt nicht zum Geschäftsmodell. Nein, diese Fortbildung ergibt unter diesen Umständen wenig Sinn. Human Resources kommt damit noch stärker in die coachende Rolle von Führung! Auch jeder Mitarbeiter sollte sich fragen: Muss es immer die klassische hierarchische Führungskarriere sein, oder ist nicht auch eine Fachkarriere attraktiv?

Gelingendes Generationenmanagement setzt eine starke Dialogkultur in den Unternehmen voraus: sowohl digital als auch „face-to-face“. Zwischen Alt und Jung. Die Zeiten waren nie günstiger, um durch agile, mobile und flexible Arbeitsformen die verschiedenen Lebensstile mit den entsprechenden Berufswünschen und -erfordernissen in Einklang zu bringen.

Am Ende entsteht eine neue Arbeitskultur, die Flexibilisierung und Vielfalt fördert, auch in der individuellen Karriere- und der persönlichen Lebensplanung. Deshalb sollten wir aufhören, in Generationen zu denken.

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