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Gastkommentar Paris stellt sich selbst ins Abseits

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Früher baute Frankreich noch Druck auf Deutschland auf

Die deutsche Leistungsbilanz war im Gegensatz zu heute defizitär, was die Tendenzen zu Kapitalabflüssen weiter verstärkte. Damals lagen die Inflationsraten in Frankreich wie in Italien, den beiden Hauptsorgenländern des EWS, bei 13 bzw. fast 20 Prozent, in der Bundesrepublik betrug die Teuerung sechs Prozent - Raten, die im Vergleich zu heute astronomisch hoch erscheinen.

Auch wenn die Anspannungen heutzutage nicht mehr so krass wie im Jahr 1981 hervortreten, die Parallelen der beiden Situationen liegen auf der Hand. Um Giscard und seinen Premierminister Raymond Barre zu unterstützen, stimmte die Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) bereits im April 1981 trotz Bedenken der Bundesbank einem französischen Plan zu, gemeinsame Anleihen auf den internationalen Finanzmärkten zu platzieren. Und um die Konjunktur in den beiden Ländern anzukurbeln, spornte Schmidt Barre an, Druck auf die Bundesbank zur Senkung der deutschen Zinssätze auszuüben.

Nach dem Urnengang am 10. Mai 1981 wuchsen die Spannungen noch weiter an. Kurz danach hieß es in einem Vermerk des Bonner Auswärtigen Amts: "Der Präsidentenwechsel ist gravierend. Aber nicht dramatisieren, andererseits nicht verharmlosen. Änderungen können erwartet werden im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik."

Die Beurteilung Großbritanniens war ähnlich: In einer internen britischen Regierungsnotiz war von einer möglichen Abwertung des französischen Franc oder einem "wahrscheinlich befristeten" Austritt Frankreichs aus dem EWS die Rede.

"Falls Präsident François Mitterrand den Pfad der Konjunkturankurbelung einschlägt, zu einem Zeitpunkt, in dem seine Hauptpartner eine Periode der Wirtschaftsschwäche oder sogar eine Rezession erleben, ist eine Verschlechterung der Leistungsbilanz sowie der Stellung des Franc im EWS zu erwarten. Präsident Mitterrand könnte dieser Tendenz durch höhere Zinsen und Devisenkontrollen, möglicherweise auch Einfuhrbeschränkungen entgegentreten."

Der französische Präsident stand ohnehin nicht im allerhöchsten Ansehen der Deutschen. Ohne Begeisterung wurde Mitterrand von der Bundesregierung als "eher ,unmodern'" bezeichnet: "mit relativ geringer internationaler Erfahrung, keinen Fremdsprachenkenntnissen, Frankreich-bezogenem traditionellen Verstand. Persönlich eher verschlossen, schwer zugänglich, auch für seine Mitarbeiter. Es bestehen gewisse Zweifel, ob er zu angestrengter konzentrierter Schreibtischarbeit fähig ist. Seine Gefahr war in der Vergangenheit, dass er Entscheidungen aus Intuition traf und auch zu improvisierten Äußerungen neigt."

Protektionistische Maßnahmen galten früher als problematisch
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2 Kommentare zu "Gastkommentar: Paris stellt sich selbst ins Abseits"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Merkwürdig wie die Sachen anderes aussehen ob sie von einem deutsch-nationalen oder von einem normalen Deutsche beobachtet werden!
    Richtig wäre: Berlin stellt sich selbst ins Abseits!

  • Das Wichtigste in diesem Artikel ist der Hinweis auf den Euro-Brandstifter Helmut Schmidt, der schon Anfang der Achtziger seinen Krieg gegen die damalige Bundesbank begann, indem er mit Frankreich zusammen Bond haben wollte. Damit hätte er die Bundesbank in ihrer Unabhängigkeit ausgehebelt - ein immerwährendes Ziel dieses willensfanatischen und überforderten Keynesianer. Heute bezichtigt der die Bundesbank als "reaktionäre Nationalisten". Entweder ist dieser Mann aus der Altherrenriege mittlerweile völlig vertrottelt, leidet an Altersstarrsinn, oder die ihm bisweilen noch entgegengebrachte Hochachtung ist eine Medienhype geschuldet - gute Rhetoriker haben es schließlich leicht in Deutschland - auch in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts!

    Wenn die Verantwortlichen für das Euro-Desaster festgemacht werden, dann gehört Helmut Schmidt mit auf die Anklagebank!

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