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Gastkommentar Für die Digitalisierung müssen Prinzipien guten unternehmerischen Handelns entwickelt werden

Die Digitalisierung stellt Werte und Regeln der analogen Welt infrage. Nun stehen Unternehmen in der Pflicht, die Rechte der Verbraucher zu schützen.
  • Katarina Barley
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Die Autorin ist Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. Quelle: C. LEBEDINSKY/Challenges-REA/lai
Katarina Barley

Die Autorin ist Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz.

(Foto: C. LEBEDINSKY/Challenges-REA/lai)

Vor gut 30 Jahren wurde der Begriff der „Corporate Social Responsibility“ populär. Immer mehr Unternehmen setzten bei ihren Produkten auf Nachhaltigkeit und betonten ihre Verantwortung für die gesamte Gesellschaft.

Häufig sicherlich auch aus gewinnorientierten Überlegungen, was verantwortungsvolles Handeln nicht abwertet. Rückblickend eine Erfolgsgeschichte – „CSR“ ist heute aus den Führungsetagen nicht mehr wegzudenken.

Unternehmerische Verantwortung unterliegt beständiger Veränderung. Die Digitalisierung hat inzwischen alle Bereiche unserer Gesellschaft erfasst. Nicht nur in der Wirtschaft oder im Arbeitsalltag, auch im Privatleben bringen neue Produkte und Services viele Erleichterungen mit sich. Doch was auf den ersten Blick das Leben erleichtert, birgt manchmal auch Risiken.

Die Digitalisierung stellt bestehende Werte und Regeln aus der analogen Welt infrage. Neu entstandene Geschäftspraktiken und Gewohnheiten müssen überprüft und mit bestehendem Recht in Einklang gebracht werden. Hier ist einerseits der Gesetzgeber gefragt, der natürlich klare Regeln vorgeben muss, was erlaubt ist und was nicht. Andererseits stehen auch die Unternehmen in der Pflicht.

Für die Digitalisierung müssen Prinzipien und Leitlinien guten unternehmerischen Handelns entwickelt werden. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat deshalb im Mai letzten Jahres eine Initiative zur „Corporate Digital Responsibility“ gegründet. Zusammen mit sechs bekannten Unternehmen haben wir eine Debatte über die Prinzipien verantwortlichen Wirtschaftens in der digitalen Welt geführt.

Es geht im Kern um freiwillige unternehmerische Aktivitäten, die über das heute gesetzlich Vorgeschriebene hinausgehen und die digitale Welt zum Vorteil der Gesellschaft mitgestalten sollen. Zu unseren Zielen gehören, Verbraucherinnen und Verbraucher in der digitalen Welt zu schützen und ihre digitale Selbstbestimmung zu verbessern.

Die Informationssicherheit muss gestärkt und personenbezogene Daten müssen geschützt und dürfen, wenn nicht unbedingt nötig, überhaupt nicht erhoben werden. Künstliche Intelligenz muss kontrolliert eingesetzt und die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen müssen erfüllt werden. Wie kann das zum Beispiel beim Verbraucherschutz und bei der digitalen Selbstbestimmung konkret aussehen?

Unternehmen müssen bereits bei der Entwicklung neuer Technologien hohe IT-Sicherheitsstandards setzen und sich für bereits verkaufte Produkte zu regelmäßigen Updates verpflichten. Kunden dürfen nicht gezwungen werden, neue Produkte zu kaufen, weil die alten Geräte nicht mehr unterstützt werden. Naturgemäß versuchen Unternehmen auch, ihre Kundinnen und Kunden an sich zu binden.

Dies muss allerdings durch gute Qualität und damit einhergehende Zufriedenheit geschehen. Technische Abhängigkeiten, etwa durch rein firmeneigene Standards, müssen vermieden werden. Stattdessen brauchen wir interoperable Technologien, die es einfach machen, den Anbieter zu wechseln. Dazu gehören etwa auch Messengerdienste.

User müssen die Möglichkeit haben, sich für kleinere und sicherere Anbieter zu entscheiden und dürfen dennoch nicht von der Kommunikation in Netzwerken mit einer großen Marktmacht ausgeschlossen werden. Bei Handytelefonaten ist dieses Prinzip schon lange Alltag.

Unternehmen, die bereits mehr als das gesetzlich Vorgeschriebene tun, setzen sich positiv von der Konkurrenz ab. Ernst gemeinte CDR wird für viele Menschen ausschlaggebend sein, sich für das Produkt eines bestimmten Anbieters zu entscheiden. Wo in der analogen Welt die persönlichen Kontakte und Beziehungen für ein Vertrauensverhältnis zwischen Kunden und Unternehmen sorgten, muss in der digitalen Welt stärker eine gute Unternehmensführung überzeugen.

Die Konkurrenz ist in der digitalen Welt nur einen Fingerwisch entfernt, und für viele Verbraucherinnen und Verbraucher sind Nachhaltigkeit und Datensicherheit heute mindestens genauso wichtig wie der Preis. Die digitale Transformation ist ein hochdynamischer Prozess, dessen weitere Entwicklung im Detail schwer vorhersehbar ist. Mit Gesetzen setzen wir dabei den Rahmen.

Wir müssen aber zusätzlich ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Unternehmen sich in der digitalen Welt verantwortungsvoll verhalten müssen. An der überwältigenden Anzahl von Unternehmen, die sich heute ihrer Corporate Social Responsibility stellen, zeigt sich, dass Corporate Digital Responsibility funktionieren kann.

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1 Kommentar zu "Gastkommentar: Für die Digitalisierung müssen Prinzipien guten unternehmerischen Handelns entwickelt werden"

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  • Ja, das ist ein gutes Wort!
    Aber - Wo waren wir, die Kollegen, als VW seine Betrugsaktion startete??

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