Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastkommentar Für dynamische Märke ist ein neuer Umgang mit dem Kapitalismus notwendig

Um den Wettbewerb zu schützen, braucht es eine Kapitalismusreform. Sonst läuft die Wirtschaft Gefahr, von wenigen Konzernen beherrscht zu werden.
Kommentieren
Der Autor ist Professor für Finanzwissenschaft an der University of Chicago.
Rajan Raghuram

Der Autor ist Professor für Finanzwissenschaft an der University of Chicago.

In den USA stehen große Konzerne unter Beschuss. Amazon hat seine Pläne für ein neues Hauptquartier im New Yorker Stadtteil Queens angesichts starker Widerstände aufgegeben.

Lindsey Graham, republikanischer US-Senator für den Bundesstaat South Carolina, äußert Bedenken hinsichtlich der unangefochtenen Marktposition von Facebook, während seine demokratische Senatskollegin Elizabeth Warren aus Massachusetts die Zerschlagung des Unternehmens fordert.

Solche Vorschläge mögen im Land des freien Marktkapitalismus deplatziert erscheinen, aber genau diese Debatte ist in Amerika notwendig. In der Geschichte des Landes waren es die Kritiker des Kapitalismus, die sein Funktionieren sicherstellten, weil sie gegen die Konzentration wirtschaftlicher Macht und den damit verbundenen politischen Einfluss kämpften.

Wird die Wirtschaft von wenigen Konzernen beherrscht, schließen sich diese unweigerlich mit den Instrumenten der staatlichen Kontrolle zusammen und bilden so eine unheilige Allianz zwischen den Eliten des privaten und des öffentlichen Sektors.

Da viele Branchen in den USA bereits von wenigen „Superstar“-Unternehmen beherrscht werden, sollten wir froh sein, dass „demokratisch sozialistische“ Aktivisten und Demonstranten den Warnungen des ehemaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower Beachtung schenken, der 1961 in seiner Abschiedsrede die Amerikaner mahnte, „sich vor der Aneignung ungerechtfertigten Einflusses durch den militärindustriellen Komplex“ sowie vor dem „Potenzial eines katastrophalen Aufstiegs fehlgeleiteter Macht“ zu schützen.

Nur weil Superstar-Unternehmen heute effizient sind, heißt das nicht, dass sie es auch bleiben werden – insbesondere, wenn es keinen sinnvollen Wettbewerb gibt. Die etablierten Unternehmen werden immer versucht sein, ihre Positionen mit wettbewerbsfeindlichen Mitteln aufrechtzuerhalten.

Je mehr die Gewinne eines Unternehmens auf staatlich definierte geistige Eigentumsrechte, Regulierungen und Zölle angewiesen sind, desto abhängiger werden diese Unternehmen vom Wohlwollen der Regierung. Die einzige Garantie für die Effizienz und Unabhängigkeit der Unternehmen von morgen ist der Wettbewerb von heute.

Der Druck auf die Regierung, den Kapitalismus wettbewerbsfähig zu halten und seine natürliche Tendenz in Richtung der Vorherrschaft weniger Unternehmen zu verhindern, kommt in der Regel von einfachen Leuten, die sich in ihren Gemeinden demokratisch organisieren. Da sie nicht über den Einfluss der Eliten verfügen, fordern sie häufig mehr Wettbewerb und offenen Zugang.

In den USA waren die populistische Bewegung des späten 19. Jahrhunderts und die progressive Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts Reaktionen auf die Monopolisierung in entscheidenden Branchen wie im Eisenbahn- und Bankwesen. Durch die Stärkung des Wettbewerbs haben diese Bewegungen den Kapitalismus nicht nur lebendig erhalten, sondern auch die Gefahr eines von Konzernen bestimmten Autoritarismus abgewendet.

Populismus ist auf dem Vormarsch

Heute, da die besten Jobs zu den Superstar-Unternehmen abwandern, die ihr Personal hauptsächlich unter den Abgängern von wenigen renommierten Universitäten rekrutieren, da kleinere Unternehmen auf ihrem Wachstumspfad viele Hürden nehmen müssen, die ihnen die dominierenden Firmen in den Weg stellen, und da Kleinstädte und halbländlich geprägte Gebiete mit der Abwanderung in die Großstädte kämpfen, befindet sich der Populismus wieder auf dem Vormarsch.

Wenn sich die Wähler in verfallenden französischen Dörfern und im kleinstädtischen Amerika von der Verzweiflung mitreißen lassen und die Hoffnung auf die Marktwirtschaft verlieren, werden sie anfällig für die Sirenengesänge des ethnischen Nationalismus oder des schrankenlosen Sozialismus – beides würde das empfindliche Gleichgewicht zwischen Märkten und dem Staat zerstören.

Dann wäre es mit Wohlstand und Demokratie vorbei. Die richtige Antwort lautet nicht Revolution, sondern erneuter Ausgleich. Der Kapitalismus braucht Reformen, die von oben nach unten wirken – wie etwa eine aktualisierte Kartellgesetzgebung –, um sicherzustellen, dass die Wirtschaftsbereiche effizient und für Neueinsteiger offen bleiben und sich keine Monopole bilden.

Es bedarf aber auch politischer Strategien von unten nach oben, die den wirtschaftlich zerstörten Gemeinschaften helfen, neue Chancen zu schaffen, und es ihnen ermöglichen, das Vertrauen in die Marktwirtschaft aufrechtzuerhalten. Populistische Kritik muss beachtet werden, auch wenn den radikalen Vorschlägen populistischer Führungspersonen nicht sklavisch Folge geleistet wird.

Das ist von zentraler Bedeutung, um sowohl dynamische Märkte als auch die Demokratie zu bewahren.

Startseite

Mehr zu: Gastkommentar - Für dynamische Märke ist ein neuer Umgang mit dem Kapitalismus notwendig

0 Kommentare zu "Gastkommentar: Für dynamische Märke ist ein neuer Umgang mit dem Kapitalismus notwendig"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote