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Gastkommentar Geduldiges Kapital für Start-ups

Rainer Braun und Thomas Lange fordern eine Stärkung der heimischen Innovationen. Und eine Idee wie das gelingen kann, haben sie auch schon.
  • Reiner Braun, Thomas Lange
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Braun lehrt Entrepreneurial Finance an der TU München. Lange leitet den Bereich VWL, Bildung und Arbeit an der Dt. Akademie der Technikwissenschaften. Quelle: TUM / Astrid Eckert / acatech / David Ausserhofer [M]
Reiner Braun und Thomas Lange

Braun lehrt Entrepreneurial Finance an der TU München. Lange leitet den Bereich VWL, Bildung und Arbeit an der Dt. Akademie der Technikwissenschaften.

(Foto: TUM / Astrid Eckert / acatech / David Ausserhofer [M])

Hightech-Start-ups spielen als Treiber des digitalen Strukturwandels eine zentrale Rolle. Sie schaffen neue Märkte, intensivieren den Wettbewerb auf bestehenden Märkten und sind zunehmend auch als Kooperationspartner etablierter Unternehmen gefragt, wenn es um die Digitalisierung der klassischen Industrien geht. Abseits einiger Achtungserfolge ist es in Deutschland bislang allerdings nicht gelungen, ein konkurrenzfähiges Ökosystem für Hightech-Gründungen zu etablieren – konkurrenzfähig in dem Sinne, dass junge Unternehmen auch schnell zu relevanter Größe wachsen, um beispielsweise im globalen Konkurrenzkampf bestehen zu können.

Fachleute führen als einen wesentlichen Grund den chronischen Mangel an Wagniskapital hierzulande an, der sich vor allem in der späten Wachstumsphase als Innovationsbremse erweist. Staatliche Unterstützungsmaßnahmen zielen daher darauf ab, mehr privates Kapital für Wagniskapital zu mobilisieren – zum Beispiel von Versicherungen oder Pensionskassen. Dieser Ansatz ist richtig und sollte weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig ist er bestenfalls die halbe Miete.

Dem Venture-Capital-Modell, über das Start-ups häufig ihre Finanzierung erhalten und auf dem auch die meisten Förderfonds aufbauen, fehlt eine entscheidende – strukturelle – Komponente: Geduld. Das Modell ist mit seinen inhärenten Anreizsystemen von vornherein auf den Verkauf der Unternehmensbeteiligungen ausgerichtet, das heißt einen Börsengang oder den Unternehmensverkauf. Der Anlagehorizont beträgt im Regelfall fünf bis zehn Jahre. Besonders wissens- und forschungsintensive Geschäftsmodelle, die auf Spitzentechnologien basieren, benötigen aber häufig mehr Zeit. Und es sind gerade diese Geschäftsmodelle, die hinsichtlich ihres disruptiven Potenzials und ihrer Bedeutung für die Digitalisierung der Industrie für den Innovationsstandort Deutschland wichtig sind.

Wir plädieren daher für einen neuen, liquiden Markt für Direktinvestitionen, der die kürzeren Anlagehorizonte von Investoren mit dem Bedarf an länger laufenden Finanzierungen zur Realisierung besonders entwicklungsintensiver Geschäftsmodelle in Einklang bringt. Ein solcher Markt würde auf diese Weise „geduldiges Kapital“ für vielversprechende Wachstumsunternehmen bereitstellen.

Wie könnte ein entsprechender Marktplatz konkret aussehen? Wir schlagen eine neue Ko-Investment-Plattform vor. Private und institutionelle Anleger könnten sich über die Plattform direkt an aufstrebenden Hightech-Unternehmen beteiligen – ohne Umweg über einen Fonds. Zwei strukturelle Elemente spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Stärkung für den Innovationsstandort Deutschland

Erstens: Da diese Anleger häufig nicht über das nötige Spezialwissen verfügen, um hochkomplexe technologiebasierte Geschäftsmodelle zu bewerten, basiert das Modell auf sogenannten aktiven Leitinvestoren. Ein aktiver Leitinvestor – zum Beispiel ein hochspezialisierter Venture-Capital-Fonds – will sich mit eigenem Geld an einem Hightech-Unternehmen beteiligen und dieses auf seinem Wachstumspfad auch aktiv mit Marktexpertise unterstützen. Auf der Plattform bietet er an, dass andere Kapitalgeber an seiner Seite mitinvestieren können. Dabei stellt er interessierten Ko-Investoren seine Bewertungsunterlagen zur Verfügung. Indem er sein Know-how und die Ergebnisse seiner „Due Diligence“ auf diese Weise teilt, signalisiert er weniger spezialisierten, passiven Anlegern die Attraktivität des Investments. Ko-Investments ermöglichen deutlich größere Finanzierungsrunden für Wachstumsunternehmen, als sie bislang in Deutschland üblich sind. Sie sind daher auch für die aktiven Investoren attraktiv.

Zweitens: Die Anteile, die beide Investorengruppen an einem Wachstumsunternehmen erworben haben, müssen auf einem Sekundärmarkt handelbar sein. Das heißt, Investoren müssen ihre Beteiligungen unabhängig von einem Verkauf des Unternehmens an einen strategischen Käufer oder einem Börsengang verkaufen können. Auf diese Weise mildert die Plattform den Exit-Druck des Investors im klassischen Venture-Capital-Modell und versorgt gleichzeitig junge Wachstumsunternehmen mit geduldigerem Kapital.

Ein neuer liquider Markt für Direktinvestitionen könnte so einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Ökosystems für Wachstumsfinanzierung leisten – und damit zur Stärkung des Innovationsstandorts Deutschland.

Mehr: Europa wird beim Wettbieten um die wertvollsten Start-ups abgehängt. Dabei brauchen etablierte Unternehmen Start-ups für ihr eigenes Wachstum.

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