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Gastkommentar Green Deal: Unternehmen brauchen klare Strategien zur Vermeidung von Strafzahlungen

Der EU-Green Deal soll die Wirtschaft klimaneutral machen. Die Unternehmen haben jetzt die Wahl: Umbau und Anpassung des Geschäftsmodells oder immense Strafen.
  • Bernhard Lorentz
10.03.2020 - 15:17 Uhr 1 Kommentar
Der Autor ist Managing Partner Markets Germany, Switzerland & Austria bei EY und Leiter EYCarbon – Beratung für klimainduzierte Transformation.
Bernhard Lorentz

Der Autor ist Managing Partner Markets Germany, Switzerland & Austria bei EY und Leiter EYCarbon – Beratung für klimainduzierte Transformation.

Während die Unternehmen mit den Folgen des Coronavirus kämpfen, baut sich in Brüssel und Berlin eine weitere Veränderung der ökonomischen Rahmenbedingungen auf. Es drohen Strafzahlungen für nicht eingehaltene Klimaziele, und die deutsche Wirtschaft wird von diesen Strafen besonders betroffen sein.

Ein vor wenigen Tagen veröffentlichtes Gutachten der Bundesregierung stellt fest, dass das eigene Klimaschutzprogramm 2030 bei Weitem nicht ausreichen wird, um die zugesagten Emissionsminderungsziele zu erreichen. Schlimmer noch: Der Rückstand wird im Laufe der nächsten zehn Jahre weiter anwachsen, vor allem bei Verkehr und Immobilien verfehlt Deutschland die gesteckten Ziele deutlich. Die Bundesregierung steht unter Druck, da erhebliche Strafzahlungen drohen, wenn die Klimaziele nicht eingehalten werden. Und dieser Druck wird an die Wirtschaft weitergegeben.

Daraus ergeben sich für die Unternehmen zum Teil deutliche Konsequenzen. Sie haben die Wahl zwischen Umbau und Anpassung des Geschäftsmodells oder immensen Strafen und noch mehr Regulierung. Bereits 2018 hat die EU vorgegeben, dass Deutschland bis 2030 die Emissionen um 38 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 2005 reduzieren muss. Bis 2050 soll Europa „dekarbonisiert“ sein. Das neue EU-Klimagesetz wird diese Anforderungen des beeindruckenden Green Deal verschärfen und die Ziele mit entsprechenden Sanktionen unterlegen.

Wie hart das werden kann, spürt die Autoindustrie schon heute. Die EU wird ab diesem Jahr für jedes Gramm CO2-Ausstoß über dem Grenzwert für die Flotten der einzelnen Hersteller einen Strafzettel in Höhe von 95 Euro ausstellen. Ratingagenturen und Industrieanalysten gehen von Strafzahlungen bis zu insgesamt 14 Milliarden Euro pro Jahr aus. Das entspricht etwa einem Zehntel des operativen Gewinns der Automobilindustrie. Aber diese Härten sind vermeidbar, wenn jetzt richtig gehandelt wird.

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    Der European Green Deal kann zur Jahrhundertchance für den Kontinent und die Unternehmen in Deutschland werden. Mit einem ambitionierten Umbauprogramm würde vor allem Deutschland zum Leitmarkt für Zukunftstechnologien werden – und zwar in allen Sektoren: Automobil, Energie, Gebäude, Logistik, Chemie, Handel.

    Europa ist auf dem Weg zum Weltmarktführer für Elektromobilität

    Die Wirtschaft ist schon weiter, als die Öffentlichkeit wahrnimmt. Europa ist im Automobilbereich mit einer großen Modelloffensive auf dem Weg zum Weltmarktführer für Elektromobilität. Wesentliche Patente in diesem Bereich werden von deutschen Unternehmen gehalten. Im Bereich autonomes Fahren sind 58 Prozent aller weltweiten Patente in deutscher Hand.

    Deutsche Unternehmen haben Lösungen für den gefahrlosen Transport von hochexplosivem Wasserstoff, dem wichtigsten Speichermedium für erneuerbare Energien und Transmissionsriemen der Sektorkopplung weltweit, oder die effiziente Umwandlung von grünem Strom in Wärme für Gebäude durch den Einsatz von Infrarotmatten.

    Jetzt kommt es darauf an, die richtigen Unternehmensstrategien zu finden und die passenden Akteure zu vernetzen, um die neuen Märkte zu erobern. Damit ergeben sich insbesondere für die europäischen Unternehmen große Chancen aus dem Green Deal. In Brüssel werden derzeit diverse Richtlinien zu erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, Autos und Lkws, Gebäude, Kreislaufwirtschaft und Öko-Design von Produkten aktualisiert.

    Neben diesen regulatorischen Maßnahmen schlägt die Kommission aber auch vor, Milliarden in den kohlenstoffarmen Umbau der Wirtschaft zu investieren. Beides gehört zusammen und kann für eine Neuausrichtung in den Unternehmen genutzt werden.

    Der Green Deal ist das größte europäische Wirtschaftsprogramm seit dem Marshallplan. Die EU-Kommission unter Führung von Ursula von der Leyen hat das gesellschaftliche Großthema Klimawandel in ein Wirtschaftsprogramm verwandelt und wird die Mitgliedstaaten und die Unternehmen vor sich hertreiben. Man mag diese Kompetenzerweiterung und die damit verbundenen Finanzierungsinstrumente kritisieren.

    Aber Brüssel setzt eine klare Agenda und erzeugt damit Planungssicherheit für die Wirtschaft, während die Mitgliedstaaten mit halbherzigen Programmen eher für Verwirrung sorgen. Der Kurs steht fest: Bis 2050 muss Europa dekarbonisiert sein. Klimastrafen sind wirtschaftliche Kostenfaktoren ganz neuer Art. Immer mehr Unternehmen erkennen die neue Wachstumsformel: Strafrisiken vermeiden, bei Investitionen die Förderungen berücksichtigen, Marktanteile der Zukunft sichern.

    Mehr: Das erste große Vorhaben des Green Deals kommt: Bis 2050 muss die EU klimaneutral sein. Im Entwurf fehlen wichtige Zwischenziele – zumindest noch.

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Green Deal: Unternehmen brauchen klare Strategien zur Vermeidung von Strafzahlungen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der sog. Green Deal ist wieder einmal ein politischer Schnellschuss, mit einem hären Ziel und Aktivitäten dahingehend, wieder neue Subventionstöpfe zu kreieren. Die Heerscharen von Lobbyisten in Brüssel stehen sicher schon in den Startlöchern.
      Man sollte transparent diskutieren, ob die tatsächlichen Ziele sinnvoll sind und wie gemessen wird (und nicht durch umstrittene Berechnungs- und Schätzungsmodelle sog. Wissenschaftler).
      Das Weitere sollte man den Fachleuten überlassen. Unsere Wirtschaft ist kreativ und leistungsfähig genug, um für Herausforderungen Lösungen zu finden.
      Und wenn es dazu z.B. führt, dass es nicht mehr passt, dass Stahl oder Kupfer o.a. in Deutschland /Europa nicht mehr den Vorgaben entsprechend produziert werden kann, dann ist eben so. Die andere Seite der Politik sollte ebenso transparent dargelegt werden und sich durch Qualifizierung etc. darauf einstellen.

      Die teilweise unqualifizierten Politiker sollten sich nur aus der Umsetzung heraushalten, dann wird es schon klappen, wie auch immer.
      Im übrigen sollte die EU erst einmal sicherstellen, dass die teilweise Jahrzehnte verschleppte Umsetzung europäischer Verträge erfolgen.
      Es ist einfach, von Defiziten in der eigentlichen Aufgabe durch das Kreieren von neuen Strategien und Plänen abzulenken. So löst man keine Probleme für die Bürger sondern spielt Aufschieberitis.
      Das klappt in Unternehmen schon nicht.

      Es ist nicht nötig, Probleme mit dem Geld anderer Leute oder Staaten zuzudecken.

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