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Gastkommentar Handwerker brauchen bessere Arbeitsbedingungen

Die Rückkehr zur Meisterpflicht ist ein guter Anfang, um das Handwerk attraktiver zu machen. Aber die Innungen müssen auch Tarifverträge abschließen.
  • Stefan Körzell
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Um ganze 305 Prozent ist die Zahl der Solo-Selbstständigen im Handwerk innerhalb von 23 Jahren gestiegen. Quelle: dpa
Elektriker

Um ganze 305 Prozent ist die Zahl der Solo-Selbstständigen im Handwerk innerhalb von 23 Jahren gestiegen.

(Foto: dpa)

Bei Elektrikern würde kein Mensch auf die Idee kommen, die Meisterpflicht abzuschaffen – schließlich wollen wir alle in unseren Wohnungen, am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit sicher und ohne Stromschlag unterwegs sein. Aber auch bei einer unsachgemäß befestigten Leuchtreklame kann es gefährlich werden. Trotzdem brauchte man bisher zur Gründung eines Unternehmens als Schilder- und Lichtreklamehersteller keinen Meisterbrief.

Jetzt soll dieses Gewerk als eines von insgesamt zwölf wieder meisterpflichtig werden. Das ist ein guter Anfang. Die Gefahrengeneigtheit ist bei der Novelle der Handwerksordnung vollkommen zurecht ein entscheidendes Kriterium für die Meisterpflicht. Aber auch die Anstrengungen der entsprechenden Koalitionsarbeitsgruppe sind offenbar gefahrengeneigt: Sie drohen, im Zwang zum Kompromiss viel zu kurz zu greifen, statt die Probleme im Handwerk nachhaltig zu lösen.

Ziel der Novelle ist es, die Meisterpflicht im Handwerk wieder einzuführen. Sie war abgeschafft worden, um Hürden bei Unternehmensgründungen abzusenken. Das hat auch gewirkt, es wurden mehr Unternehmen gegründet, es hatte aber auch unerwünschte Nebeneffekte: in den hauptsächlich entstandenen Klein- und Kleinstunternehmen arbeiten oft Soloselbstständige ohne das nötige Know-how und ohne soziale Absicherung zu prekären Bedingungen.

Um ganze 305 Prozent ist die Zahl der Solo-Selbstständigen im Handwerk innerhalb von 23 Jahren gestiegen. Das führt nicht nur zu schlechterer Qualität, sondern auch zu Preisdumping und Billigkonkurrenz. Darunter leiden die Betriebe, die hochwertig arbeiten, ausbilden und ihre Gesellinnen und Gesellen nach Tarif bezahlen.

Zwar wurden von der Arbeitsgruppe Kriterien für die Rückkehr zur Meisterpflicht festgelegt, aber nicht konsequent und transparent angewendet – nur zwölf Gewerke sollen in die Meisterpflicht zurückkehren. Die Gründung eines Unternehmens in der Gebäudereinigung soll beispielsweise weiterhin ohne Qualifikationsvoraussetzungen bleiben. Gebäudereiniger gehen aber mit gefährlichen Chemikalien um, in Krankenhäusern reinigen sie unter anderem OP-Säle. Hier ist mangelnde Fachkenntnis nicht nur gefährlich für die Beschäftigten, sondern auch für alle anderen.

Stefan Körzell ist seit 2014 Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstands des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Quelle: DGB
Stefan Körzell

Stefan Körzell ist seit 2014 Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstands des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

(Foto: DGB)

Die Frage der Tarifbindung hat die Arbeitsgruppe gleich ganz ausgeklammert. Dabei hat das Handwerk ein riesiges Nachwuchsproblem – zwei Drittel aller im Handwerk Ausgebildeten gehen im Laufe ihres Arbeitslebens in andere Bereiche der Wirtschaft.

Dieser Brain Drain lässt sich nur durch gute Verdienste und Arbeitsbedingungen, die in Tarifverträgen festgelegt sind, verhindern. Deshalb muss es in der Handwerksordnung für die Innungen zur Pflicht werden, Tarifverträge mit den Gewerkschaften abzuschließen.

Tun sie dies nicht, muss ihnen der Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts aberkannt werden, sodass sie keine Prüfungen mehr abnehmen können. Diese Aufgabe würde dann an die Handwerkskammern zurückfallen. Nur wenn der politische Druck auf die Innungen steigt, werden diese ihre Verantwortung als Sozialpartner wahrnehmen.

Mehr: Wie Politik und Wirtschaft Abiturienten in die Ausbildung locken wollen, lesen Sie hier.

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