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Gastkommentar Heike Marita Hölzner: Deutschland sollte sein Mindset ändern – möglichst bald

Die Bundesrepublik muss bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit aufholen. Was das mit dem Bildungssystem und dem Unternehmergeist zu tun hat.
18.11.2020 - 03:34 Uhr Kommentieren
Die Autorin ist Professorin für Entrepreneurship an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und Leiterin des Forschungsinstituts Sirius Minds. Quelle: HTW Berlin
Heike Marita Hölzner

Die Autorin ist Professorin für Entrepreneurship an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und Leiterin des Forschungsinstituts Sirius Minds.

(Foto: HTW Berlin)

Deutschland verliert zusehends an digitaler Wettbewerbsfähigkeit. Zu diesem Ergebnis kam der „Digital Riser Report“ des European Center for Digital Competitiveness. Untersucht wurde der Fortschritt in der Digitalisierung von 140 Volkswirtschaften über drei Jahre. Im Ländervergleich der G20 landet Deutschland auf Platz 16, hinter Südafrika und Brasilien. Auch wenn wir schlechte Nachrichten wie diese nicht zum ersten Mal lesen, so ist doch interessant, worin die Autoren dieser Studie die Ursache des Dilemmas sehen. Das Problem sei unser „Mindset“.

Tatsächlich zeigt die jüngere psychologische Forschung eindrücklich, dass der weiche Faktor Mindset sehr harte Konsequenzen haben kann. Man kann sich das Mindset als die Summe aller im Laufe eines Lebens angesammelten Überzeugungen über die Welt und sich selbst vorstellen. Es beschreibt die innere Haltung einer Person. Unseren Fähigkeiten und Kompetenzen ist das Mindset damit vorgelagert und wirkt auf sie wie ein Filter. Nehmen wir Kreativität. Diese Schlüsselkompetenz führt nur dann auch zu Innovationen, wenn Menschen, die sie besitzen, eine positive Grundeinstellung zu Veränderung haben.

Dass Mindset nie wichtiger war als heute, zeigt das Beispiel des Tourismus-Start-ups Getyourguide. Es gehört zu den wenigen milliarden-bewerteten Digitalunternehmen hierzulande. Als die Pandemie das Geschäft im Frühjahr dramatisch trifft, fordern die Investoren zunächst einen massiven Stellenabbau. Johannes Reck, einer der Mitgründer, entwickelt einen Gegenvorschlag.

Er kürzt Vorstandsgehälter, führt Mitarbeiterbeteiligungen ein und schafft es so, einen Großteil des Teams zu halten. Seine Vision, aus der Krise nicht „herauszukrabbeln“, sondern „herauszusprinten“, überzeugt schließlich die Geldgeber. Ende Oktober verkündet Getyourguide den Abschluss einer neuen Finanzierungsrunde. Noch davor, und mitten in der eigenen Krise, stellt sich Reck zudem gegen die Übermacht des Werbepartners Google.

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    In der Forschung bezeichnet man diese Überzeugung, durch das eigene Handeln auch in schwierigen Situationen etwas verändern zu können, als Selbstwirksamkeitserwartung. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des „Entrepreneurial Mindsets“. Ein weiterer Eckpfeiler ist die Überzeugung, mit genügend Einsatz alles lernen zu können.

    So wie Diana Rees. Die studierte Betriebswirtin, Seriengründerin und derzeitige Chefin des Software-Start-ups Zk-Systems, hat sich das Programmieren – und zahlreiche Sprachen – selbst beigebracht. Verhaltenswissenschaftlerinnen wie Carol Dweck nennen das ein dynamisches Selbstbild. Es ist empirisch nachgewiesen, dass uns diese Sicht auf uns selbst auch kooperativer und veränderungsbereiter macht. Im Gegensatz zu Menschen mit einem statischen Selbstbild, die Wettbewerb und Wandel als persönliche Bedrohung empfinden und daher oft an Gewohntem festhalten.

    Neue didaktische Ansätze

    Die gute Nachricht ist, ein Mindset lässt sich ändern. Um den notwendigen Wandel in der Gesellschaft in Gang zu setzen, müssen wir vor allem mit der Umgestaltung unseres Bildungssystems voranschreiten. Bislang fokussieren wir uns noch zu sehr auf die Erneuerung des Fächerkanons, die Ausbildung von Schlüsselkompetenzen und auf die technische Ausstattung von Schulen und Hochschulen.

    Das ist wichtig, reicht aber nicht aus. Wir brauchen auch neue didaktische Ansätze. Ein Beispiel ist das auf Herausforderungen basierende Lernen, das Ähnlichkeit zum Vorgehen von Entrepreneuren, von Unternehmern, in der Praxis hat – und durch das sich gezielt die Selbstwirksamkeitserwartung bei Lernenden steigern lässt. Aber auch unsere Test- und Benotungssysteme müssen auf den Prüfstand gestellt werden. In ihrer althergebrachten Form fördern sie häufig noch die Entstehung eines statischen Selbstbildes.

    In Unternehmen tragen Führungskräfte die Verantwortung für den Mindset-Shift. Das beginnt damit, die eigenen Herausforderungen einzugestehen. Denn nur wer deutlich macht, dass ohne Rückschläge keine Veränderung möglich ist, inspiriert auch andere zu einer dynamischen Denkweise.

    Die Spitzenreiter des Digital Riser Reports haben zwei Dinge gemeinsam: Sie gestalten Bildung mutig neu und verfolgen als Gesellschaft einen unternehmerischen Traum. Nun hat sich, durch die Coronakrise, auch in Deutschland etwas in den Köpfen verändert. Bildungsbürokraten empfangen Lernhilfe-Start-ups wie Bettermarks plötzlich mit offenen Armen. Mittelständische Maschinenbauer, wie Optima aus Schwäbisch Hall, bieten für die Abnahme ihrer Maschinen digitale Dienste aus der Distanz an.

    Und im niedersächsischen Bad Zwischenahn, beim Traditionsunternehmen Rügenwalder Mühle, baut man die Produktionskapazitäten aus, um die im Lockdown weiter angestiegene Nachfrage nach fleischfreien Wurstalternativen bedienen zu können.

    Wir haben jetzt ein Momentum. Und das sollten wir nutzen.

    Mehr: Wirtschaftsfaktor Frauen: Warum Gleichberechtigung der Schlüssel zum Wohlstand ist

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