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Gastkommentar Henkelchef van Bylen – Zukunft braucht Innovationen

Mehr Förderung von Forschung und Bildung, Steuererleichterungen und keine Vermögensteuer. Dafür spricht sich Henkelchef Hans van Bylen aus.
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Der Autor ist Vorstandschef von Henkel und Präsident des Chemieverbands VCI. Quelle: AFP
Hans Van Bylen

Der Autor ist Vorstandschef von Henkel und Präsident des Chemieverbands VCI.

(Foto: AFP)

Deutschland verfügt über eine starke industrielle Basis, die in aller Welt für ihre technologische Kompetenz, Innovationskraft und Qualität geschätzt wird. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten müssen Wirtschaft und Politik gemeinsam daran arbeiten, dass sich die deutsche Industrie auch in Zukunft im internationalen Wettbewerb behaupten kann. Denn die Herausforderungen der Zukunft lassen sich nur mit einer starken und innovativen Industrie angehen.

Der Klimaschutz wird nicht allein durch Verbote von Autos, Flugreisen oder Ölheizungen zu bewältigen sein. Wir brauchen vielmehr Innovationen und technologischen Fortschritt. Nur so werden wir den steigenden Bedarf einer wachsenden Weltbevölkerung mit unseren limitierten Ressourcen und der erforderlichen Begrenzung von klimaschädlichen Emissionen in Einklang bringen können.

Das Gleiche gilt für viele andere Themen – sei es bei der Mobilität von morgen, der Nutzung erneuerbarer Energien oder einer höheren Ressourceneffizienz in der industriellen Produktion.

Dafür gibt es schon heute viele Beispiele: den Einsatz alternativer Energien aus Wind und Sonne, Energieeinsparungen im Verkehr durch Leichtbau und leistungsfähigere Batterietechnologien für die E-Mobilität, energiesparende Häuser und Wohnungen durch neue Werkstoffe sowie effizientere Produktionsverfahren durch die Digitalisierung und Industrie 4.0.

In Deutschland verfügen wir über eng verzahnte Wertschöpfungsketten, um Lösungen für die Zukunft voranzutreiben.

Die chemische Industrie ist hierfür ein gutes Beispiel: Sie gehört zu den drei größten Industriezweigen in Deutschland, mit einem Jahresumsatz von rund 200 Milliarden Euro und mehr als 450.000 Beschäftigten. Und sie liefert für zahlreiche Branchen die Werk- und Wirkstoffe von morgen – von der Energieindustrie über den Automobil- und Maschinenbau bis hin zur Landwirtschaft und zur Pharmaindustrie.

Die Unternehmen können und wollen ihren Beitrag zur Lösung der großen Herausforderungen von morgen leisten. Um sie dabei noch besser zu unterstützen, brauchen wir eine langfristig ausgerichtete Industriepolitik in Deutschland wie in Europa.

Neben den aktuellen Diskussionen um die Klima- und Energiepolitik sind auch eine wettbewerbsfähige Steuerpolitik und die gezielte Förderung von Innovationen, digitaler Bildung und digitaler Infrastruktur wichtige Handlungsfelder.

Mit rund 30 Prozent Steuerquote sind deutsche Kapitalgesellschaften im weltweiten Vergleich klar benachteiligt. Großbritannien und die USA haben die Steuerbelastung für ihre Unternehmen deutlich gesenkt.

Eine Vermögensteuer würde die Ertragsteuerlast um rund zehn Prozentpunkte erhöhen. Das träfe insbesondere Familienunternehmen, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – und wäre genau zur falschen Zeit eine zusätzliche Belastung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Eine Vermögensteuer belastete zudem die Fähigkeiten der Unternehmen, in Forschung und Entwicklung zu investieren.

Die geplante Einführung einer steuerlichen Forschungszulage für alle Unternehmen ist hingegen ein Schritt in die richtige Richtung, um Innovationen gezielt zu fördern. Doch hier gibt es noch Handlungsbedarf. Das Volumen der geplanten Förderung fällt mit jährlich maximal 500.000 Euro je Unternehmen pro Jahr angesichts der hohen Aufwendungen gering aus. Auch im internationalen Vergleich ist die geplante Forschungsförderung niedrig.

Um die Chancen der Digitalisierung für die Unternehmen zu erschließen, sind qualifizierte Mitarbeiter und eine leistungsfähige digitale Infrastruktur nötig. Daher sollte man analog zur Forschungsförderung eine steuerliche Förderung von Investitionen in die digitale Bildung in Betracht ziehen. Denn gerade in den Unternehmen findet ein Großteil der digitalen Qualifizierung der Mitarbeiter statt.

Ebenso wichtig ist es für die deutsche Industrie, auf eine zuverlässige, sichere und moderne digitale Infrastruktur bauen zu können. Die 5G-Technologie bietet in den kommenden Jahren große Potenziale für eine höhere Effizienz in der Industrie 4.0. Nachdem die Bundesregierung in einem aufwendigen Verfahren Milliarden für die Versteigerung der 5G-Frequenzen eingenommen hat, gilt es, diese nun gezielt in den Ausbau der digitalen Infrastruktur zu investieren.

Zukunft braucht Innovationen statt mehr Regulierung und Verbote. Eine zukunftsgerichtete Industriepolitik kann die Industrie dabei unterstützen, ihre Potenziale voll auszuschöpfen und wichtige Beiträge für die Lösung der großen Herausforderungen von morgen zu liefern.

Mehr: Das Thema Vermögensteuer wird gerade kontrovers diskutiert. Unsere Expertenrätin meint: Gut so.

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