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Gastkommentar Im 21. Jahrhundert brauchen wir soziale Innovationen und neue Unternehmensmodelle

Die Rechtsform Verantwortungseigentum ist eine Chance, den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf wirtschaftlicher Ebene zu stärken. Das ist dringend nötig.
06.10.2020 - 18:29 Uhr 1 Kommentar
Lars Klingbeil (r.) ist SPD-Generalsekretär und Denis Bartelt Co-Gründer von Startnext, einer Crowdfunding-Plattform für Künstler, Kreative und Erfinder. Quelle: dpa, Montage
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Lars Klingbeil (r.) ist SPD-Generalsekretär und Denis Bartelt Co-Gründer von Startnext, einer Crowdfunding-Plattform für Künstler, Kreative und Erfinder.

(Foto: dpa, Montage)

Höher, schneller, globaler: Jahrelang war dies das Mantra vieler Unternehmen in einer sich rasant globalisierenden Welt. Neue Märkte erschließen, die Lohn- und Personalkosten drücken, wo es nur geht, Gewinne maximieren und saftige Dividenden an Aktionäre ausschütten.

Wenn das Geschäft dann richtig gut läuft, teuer verkaufen und mit dem Gewinn in den Taschen andernorts neue Geldquellen erschließen. Der schnelle Profit als Maxime. Viel zu oft auf Kosten der Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen überall auf der Welt – und auf Kosten der Umwelt.

„Da stimmt was nicht.“ Diese Erkenntnis setzt sich zunehmend in unserer Gesellschaft durch. Während der Turbokapitalismus immer schneller Gewinne generiert und über Grenzen verschiebt, nimmt die Bindung wirtschaftlichen Wirkens an gesellschaftliche und soziale Strukturen vor Ort ab. Die Coronakrise bremst diese Entwicklung zurzeit aus.

Mehr denn je stellt sich die Frage, ob höher, schneller, globaler wirklich sein muss, ob sich gesundes Wachstum nicht besser zum Wohle aller einsetzen ließe. Denn die wachsende Ungleichheit bedeutet auch eine wachsende gesellschaftliche Spaltung. Das spüren wir aktuell wie selten zuvor. Diese Erkenntnis ist kein politisches Luftschloss.

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    Sie ist ein konkretes Bedürfnis von Unternehmerinnen und Gründern, die mit ihrem Unternehmen eine Aufgabe oder, wie es auf Neudeutsch heißt, einen „Purpose“ verfolgen. Inzwischen gibt es eine ganze Generation von – oft jungen – Gründerinnen, die nicht gründen, um einen schnellen Exit anzustreben, für die Profitmaximierung kein Selbstzweck ist. Sie haben den Anspruch, die Welt zu verändern.

    Sie sehen die Firma nicht als Vermögenseigentum, nicht als verkäufliche Ware, sondern als Verantwortungseigentum derer, die dort zusammenarbeiten. Die Gründungsplattform Startnext ist ein gutes Beispiel für dieses Unternehmensverständnis – und will sich auch selbst in Verantwortungseigentum aufstellen. Statt Profite für einzelne Personen aus dem Unternehmen abzuschöpfen, soll das Unternehmenskapital vorrangig dem Unternehmenszweck dienen. Kurz: Das Unternehmen in Verantwortungseigentum gehört sich selbst. So zumindest der Wunsch vieler Gründer.

    „GmbH in Verantwortungseigentum“

    Ganz so einfach ist es nicht. Denn für die benötigte treuhänderische Eigentumsstruktur, damit Unternehmen quasi sich selbst gehören, fehlen die Rechtsform und klare Gesetze. Zwar gibt es in Deutschland bereits gemeinnützige Rechtsformen, die von zahlreichen Unternehmen auch in Anspruch genommen werden, etwa die gGmbH, Stiftungskonstruktionen oder Genossenschaftsmodelle.

    Doch sind diese entweder bürokratisch und kostspielig oder nicht kompatibel mit dem Ziel der Gewinnerzielung oder der Organisationsstruktur der Firma. Insbesondere für Start-ups sind daher die bestehenden Möglichkeiten nicht attraktiv oder schlichtweg nicht umsetzbar.

    Hunderte Unternehmer fordern mittlerweile, diese Leerstelle zu schließen. Durch eine Ergänzung des Gesellschaftsrechts ließe sich eine Variante der GmbH, eine „GmbH in Verantwortungseigentum“, erschaffen, die es Menschen erlaubt, Treuhänderin eines Unternehmens zu werden: Verantwortungseigentümerin, nicht aber Vermögenseigentümer.

    Das soll rechtlich sicherstellen, dass erstens das Unternehmenskapital vorrangig dem Unternehmenszweck dient und nicht unbegrenzt personalisiert werden kann (also ein Asset-Lock besteht) und zweitens die Unternehmensverantwortung unabhängig von Familie und Vermögen an „Werte- und Fähigkeitenverwandte“ übergeben wird.

    Das Unternehmen würde nicht an die Kinder der Gründerinnen vererbt, nicht an die höchstbietenden Investoren verkauft, sondern in die Hände der fähigsten Mitarbeiter oder Stakeholder übergeben. Ähnlich wie ein Familienunternehmen würde es von einer Familie geführt, nur dass diese Familie nicht auf genetische Mitglieder beschränkt ist.

    Das ist nichts anderes als eine Demokratisierung der Eigentümerschaft zum Wohle des Unternehmens und der Gesellschaft. Dass das möglich ist, zeigt ein Blick nach Dänemark, wo Unternehmen seit mehr als 100 Jahren praktisch sich selbst gehören können und wo inzwischen 50 Prozent aller Investitionen in Forschung von solchen Unternehmen kommen.

    Koalitionsvertrag: Bisher zu wenig passiert

    Aktiengesellschaften und GmbHs kommen noch aus dem Kaiserreich. Für eine Shareholder-Value-getriebene Wirtschaft, für Unternehmen, die kaufen, filetieren und weiterverkaufen, stellen sie alles bereit. Für Unternehmerinnen, die anders ticken, sind sie aber nicht das Richtige. Wir brauchen soziale Innovationen wie neue Unternehmensmodelle, um die Soziale Marktwirtschaft fit für die gesellschaftlichen Anforderungen des 21. Jahrhunderts zu machen.

    Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, soziale Innovationen zum Wohle des gesellschaftlichen Miteinanders zu fördern. Dazu gehört auch die Schaffung von Rahmenbedingungen für wirkungsorientiertes Investieren, bei dem neben einer finanziellen Rendite auch direkte ökologische und soziale Wirkungen mitgedacht werden. Das ist auch ein Beitrag, um den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen näher zu kommen. Bisher ist da aber zu wenig passiert.

    Die Rechtsform Verantwortungseigentum ist eine Chance, den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf wirtschaftlicher Ebene zu institutionalisieren und die Soziale Marktwirtschaft wieder stärker am Gemeinwohl auszurichten. Unternehmen in Verantwortungseigentum sind keine Ware. Sie sind ein Gegengewicht zum globalen Turbokapitalismus und können in Krisenzeiten ein Anker der Stabilität für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sein.

    Mehr: Debatte über neue GmbH-Variante erreicht die Bundesregierung

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Im 21. Jahrhundert brauchen wir soziale Innovationen und neue Unternehmensmodelle"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Leute, könnt ihr einmal bitte die weibliche Form auslassen und normales Deutsch schreiben? Danke! Man hat keine ansonsten keine Lust mehr euren Artikel zu Ende zu lesen. Ich habe die Schnauze voll von dieser Feminisierung aller Lebensbereiche unserer Gesellschaft, während die wirklich wichtigen Probleme ignoriert werden. Demographischer Niedergang, zum Beispiel...weil Frauen lieber Unternehmerinnen werden sollen anstatt sich um das Kinder gebären zu kümmern und um die Familieninternen zu bemühen. Falsche Werte unterstütze ich nicht. Dekandenz unterstütze ich nicht. Unsere Gesellschaft ist durch und durch korrumpiert mit falschen Werten und Idealen. Sogar unsere Alltagssprache...

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