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Gastkommentar In der Coronakrise braucht die Wirtschaft Visionen

Jetzt ist es entscheidend, die Wiederaufnahme der Wirtschaftstätigkeit mit dem Eindämmen der Corona-Pandemie zu vereinbaren. Vier Thesen für die Wirtschaft der Zukunft.
  • Michael Wedell
14.04.2020 - 21:48 Uhr 2 Kommentare
Der Autor ist Sprecher des Sachbereichs „Wirtschaft und Soziales“ des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) und Partner der Unternehmensberatung Brunswick. Quelle: Brunswick Group [M]
Michael Wedell

Der Autor ist Sprecher des Sachbereichs „Wirtschaft und Soziales“ des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) und Partner der Unternehmensberatung Brunswick.

(Foto: Brunswick Group [M])

Das neue Coronavirus bringt Schmerz und Leid in die Welt. Die Regierungen in Bund und Ländern haben beispiellose Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. All das hat große Teile des Wirtschaftslebens zum Erliegen gebracht.

Obwohl die anfänglichen wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise denen einer Depression gleichen, besteht die Chance einer konjunkturellen Erholung in nicht allzu ferner Zeit. Die Politik hat bislang mehr oder weniger mit Nüchternheit reagiert. Der weitgehende Pragmatismus war für den ersten Moment wohltuend. Aber Pragmatismus allein kann nach vorn gerichtetes Denken nicht ersetzen. Im nächsten Schritt müssen Visionen und Aufbrüche kommen.

Die heutige Krise stellt zentrale Fragen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, manche erinnern an die globale Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008. Damals standen mangelnde Regulierung, Gier und unsolidarisches Verhalten am Anfang. Sinnbild sind gefeuerte Investmentbanker mit ihren Pappkartons, aber auch Menschen, die ihr Erspartes verloren.

Der Krise der Finanzwirtschaft folgte die Krise der Realwirtschaft und dann in Europa die Schuldenkrise. Um unser Wirtschaftssystem vor dem Kollaps zu bewahren, legte die Politik Rettungsprogramme auf – für Banken, Industrie und Staaten.

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    In der heutigen Krise ist die Lage noch komplexer. Wir hatten dieses Mal eine viel längere Vorphase der Hochkonjunktur, die aber auch zu einer gefährlichen Selbstzufriedenheit geführt hat. Umso mehr gilt es nun, unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem für die Zukunft zu rüsten. Deshalb ist es jetzt entscheidend, Strategien zu entwickeln, wie die vollständige Wiederaufnahme der Wirtschaftstätigkeit mit dem Eindämmen der Corona-Pandemie vereinbart werden kann.

    Die Frage lautet also: Welche Wirtschaft wollen wir? Und wie können wir sie schaffen und erhalten? Dazu vier Thesen:

    • Unsere Wirtschaft kann nachhaltiger werden: Die Unterbrechung von globalen Produktions- und Lieferketten durch die Pandemie gibt Unternehmen die Chance, ihre technologischen Plattformen vollkommen neu auszurichten. Langsamer Wandel kann dem raschen weichen, Entwicklungsstufen können übersprungen werden.
      Ein Beispiel für diesen Strukturwandel ist die Umstellung der deutschen Stahlindustrie auf grünen Wasserstoff, der zu hundert Prozent aus regenerativen Energiequellen gewonnen wird. Und wir müssen Antworten darauf finden, wie wir die Ernährung der Welt sicherstellen und uns dabei nachhaltig verhalten. Dafür brauchen wir mehr Vertrauen in die Wissenschaft und mehr Mut zu Neuem.
    • Digital wird normal: Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erleben derzeit ein digitales Erwachen: Homeoffice, Videokonferenzen und arbeiten in der Cloud. Sie entwickeln ein Gespür dafür, wann und wie digitale Tools helfen – und wann das persönliche Gespräch die bessere Option ist. Diese Normalisierung im Umgang mit der neuen Arbeitswelt wird unserer Wirtschaft guttun.
      Bleibt noch das Problem mit der unzureichenden Infrastruktur: Löcher im Mobilfunknetz, fehlende Glasfaser-Anbindungen, mangelnde IT-Kapazitäten in den Unternehmen. Wenn die Bundesregierung nun ein Konjunkturprogramm im dreistelligen Milliardenbereich auf die Beine stellt, sollte klar sein, wohin ein großer Teil der Mittel fließen soll.
    • Lokale Bindungen werden die Wirtschaft stärken: Nicht zuletzt der Lebensmittelhandel zeigt uns in diesen Wochen, wie flexibel er ist und den Menschen hilft, dass sie sich keine Sorgen um ihre Versorgung machen müssen. Der Handel und auch viele Gastronomen beliefern Menschen, die ihre Wohnungen nicht verlassen können, und leisten damit einen wichtigen Beitrag in der Pandemie-Bekämpfung. Gleichzeitig verstehen die Menschen durch die Krise mehr denn je, wie eng sie mit ihren lokalen Unternehmen verbunden sind – mit dem Bäcker, dem Café, dem Fitnessstudio.
      Das Gleiche gilt – auf anderer Ebene – für viele Unternehmen: Sie merken, wie sehr sie auch mit ihren lokalen Geschäftspartnern verbunden sind, wie sehr sie Transparenz in den globalen Lieferketten benötigen und durch Outsourcing nicht alle Probleme lösen können.
    • Es braucht europäische und globale Verantwortung: Die Bewältigung der Krise kann nicht ausschließlich nationalstaatlich gelingen. Angesichts der engen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verknüpfungen ist die transnationale Zusammenarbeit weiterhin der richtige Weg, unsere gemeinsamen Probleme auch gemeinsam zu lösen. Daher geht es nun darum, die Wirtschaft in ganz Europa auf faire und nachhaltige Weise neu zu justieren, was auch bedeutet, die Bedürfnisse der kleineren und mittleren Volkswirtschaften zu berücksichtigen.
      Darüber hinaus wird es einer stärkeren Orientierung am Weltgemeinwohl bedürfen. Dies erfordert die Stärkung multilateraler Institutionen wie die Welthandelsorganisation WTO. So kann bereits in der Krise die Hoffnung auf wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel entstehen.

    Mehr: Alle Entwicklungen der Coronakrise in unserem Newsblog.

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    2 Kommentare zu "Gastkommentar: In der Coronakrise braucht die Wirtschaft Visionen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Schade - aber Wunder gibt es nicht! Natürlich kann eine Wirtschaft nachhaltiger werden. Aber es wird viel Geld kosten, die "... technologische Plattform vollkommen neu auszurichten", wie Sie schreiben. Wer soll das in einem globalen Abschwung bezahlen? Der Statt etwa, der derzeit ohnehin die Vollkasko-Versicherung unserer Volkswirtschaft übernehmen soll? Das "... digitale Erwachen" wird zu einen erheblichen Nachfrageausfall in den Reise-, Auto- und Verkehrs-Segmenten führen - bis hin in den ÖPNV? Wie wollen wir diese Nachfrage ersetzen? Auch die von Ihnen gepriesenen " ... lokalen Bindungen" im Lebensmittelhandel sind ausschließlich auf Kostenfaktoren des Standorts zurückzuführen. Wenn wir lokale Lieferketten in Schlüsselbranchen wie z.B. der Automobilindustrie fordern und fördern, werden in 2021 in Deutschland vermutlich weniger als 3 Millionen PKW verkauft, weil man sich mehr nicht leisten kann.
      Kommen Sie bitte auf den Boden der Tatsachen zurück! Es hilft nicht, in einer Krise Optimismus mit einem verklärten Bild der Zukunft zu verwechseln. Auch der Ruf nach der vereinten Weltgemeinschaft hilft nur begrenzt. Wenn es um das blanke Überleben geht, zählt der Notwehr-Paragraph auch in Deutschland - Gott sei Dank!
      Was wir stattdessen brauchen, sind echt Unternehmer, die auch persönliches Risiko nicht scheuen und ihre zukunftsweisenden Themen in die Tat umzusetzen. Solche Menschen werden in Krisen Chancen erkennen und sie konsequent nutzen - und zwar auch, wenn sie mit ihrer Vision vollkommen auf sich alleine gestellt sind!

    • Der letzte und vierte Punkt ist besonders wichtig, Die Lehre, die wir aus COVID-19 ziehen sollten, ist die Erkenntnis, dass ein koordiniertes und solidarisches Vorgehen jede Krise schneller meistern lässt, als das übliche "me myself and I" Syndrom, das besonders der amerikanische Präsident in eindrucksvoller Weise während der Corona Krise demonstriert. Die soeben erklärte Entziehung der WHO Zahlungen durch die USA ist ein Zeugnis dieser Kurzsichtigkeit. Die globale Verantwortung sollten vor allem Europa und die USA nun demonstrieren, in einer Phase, in der die Machtverhältnisse sich in vielen zentralen Bereichen, von West nach Ost verlagern. Eine solidarische Grundhaltung wird auch die politischen Risiken im Nachklang der Corona-Krise reduzieren, Insbesonders, wenn es nun darum geht Indien, Afrika und andere Entwicklungsländer bei der Bewältigung der COVID 10 Krise zu unterstützen. Diese globale Krise trifft die armen und unterentwicklten Länder und Gesellschaftsschichten am härtesten.

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