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Gastkommentar In diesem Jahrzehnt entscheidet sich, ob die Klimaneutralität in der EU bis 2050 erreichbar ist

Die EU hat sich einem ambitionierten Green Deal verschrieben. Was für die Energiewende jetzt erforderlich ist, analysieren Andreas Löschel, Veronika Grimm, Barbara Lenz und Frithjof Staiß.
03.02.2021 - 08:15 Uhr Kommentieren
Die Autoren sind Mitglieder der Expertenkommission zum Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“: Vorsitzender Andreas Löschel (l.), Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Veronika Grimm (r.), Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Barbara Lenz, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Frithjof Staiß, Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg. Quelle: Statistisches Bundesamt; imago [M]
Die Autoren

Die Autoren sind Mitglieder der Expertenkommission zum Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“: Vorsitzender Andreas Löschel (l.), Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Veronika Grimm (r.), Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Barbara Lenz, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Frithjof Staiß, Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg.

(Foto: Statistisches Bundesamt; imago [M])

Der Weg zur Klimaneutralität bis 2050, den der Green Deal der EU vorgibt, wird weitreichende Folgen für Deutschland haben– mit der absehbaren Anhebung des europäischen Klimaziels auf mindestens 55 Prozent statt bisher 40 Prozent Emissionsminderung bis 2030. Höhere CO2-Preise könnten dazu führen, dass der Kohleausstieg bereits in dieser Dekade weitgehend abgeschlossen wird.

Und das bei steigender Stromnachfrage durch Wachstumstrends in der Elektromobilität, im Wärmemarkt und in der Industrie sowie durch den Markthochlauf von grünem Wasserstoff. Die regenerative Stromerzeugung muss somit weit stärker ausgebaut werden als im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2021) vorgesehen. Dies dürfte aufgrund von (politischen) Flächenrestriktionen, Akzeptanzproblemen und des mehrjährigen Vorlaufs bei großen Projekten nicht einfach werden.

Für den Sektor Verkehr verschärfen sich die ohnehin signifikanten Herausforderungen. Die Elektromobilität hat dank umfangreicher Förderung zwar einen deutlichen Schub erfahren – um sich am Markt durchzusetzen, ist aber ein flächendeckender Ausbau der Ladeinfrastruktur notwendig. Gleichzeitig werden Verhaltensbeeinflussung und damit Verkehrsvermeidung und -verlagerung deutlich wichtiger.

In der energieintensiven Grundstoffindustrie sind zeitnah Investitionen in CO2-arme beziehungsweise CO2-freie Prozesse einschließlich grünen Wasserstoffs notwendig. Und im Wärmemarkt bedarf es einer größeren Verbindlichkeit für die Umsetzung vor Ort.

Ob die Klimaneutralität bis 2050 erreichbar ist, entscheidet sich in diesem Jahrzehnt: Viele der bestehenden Politikmaßnahmen müssen daher rasch auf den Prüfstand. Im Zentrum eines klugen Instrumentenmixes sollte eine Energiepreisreform mit steigenden CO2-Preisen stehen. Die weitreichende Entlastung der Strompreise von Abgaben und Umlagen erleichtert die Kopplung der Energiesektoren und erlaubt über direkte oder indirekte Elektrifizierung das Erreichen der Emissionsziele.

Dabei zieht der Wegfall von EEG-Umlage und Stromsteuer inklusive der entgangenen Umsatzsteuer einen umfassenden Refinanzierungsbedarf nach sich, der durch die bislang geplante CO2-Bepreisung für fossile Brennstoffe nur teilweise gedeckt werden kann.

Neben einem höheren und zudem längerfristig angelegten Preispfad kann die Lücke unter anderem durch den Abbau umweltschädlicher Subventionen geschlossen werden. Bei sorgfältiger Umsetzung gehen von einer CO2-basierten Energiepreisreform durchaus positive Verteilungswirkungen aus, die den von der Covid-19-Pandemie besonders betroffenen Haushalten und Unternehmen zugutekommen können. Darüber hinaus senken höhere CO2-Preise den Förderbedarf für erneuerbare Energien deutlich.

Ein koordiniertes europäisches Vorgehen ist notwendig

In der kurzen Frist sind zudem „No-regret“-Maßnahmen anzugehen, also langfristig unabdingbare technologische Notwendigkeiten. Neben dem weitreichenden Einsatz erneuerbarer Energien gehören dazu die Schaffung von leistungsfähigen Übertragungs- und Verteilernetzen sowie der Aufbau von Infrastrukturen für Wasserstoff und darauf basierende synthetische Energieträger.

Ein ambitionierteres Klimaschutzziel erfordert dabei ein koordiniertes europäisches Vorgehen. Bei einem rascheren Kohleausstieg und gleichzeitig beschleunigtem Ausbau der erneuerbaren Energien wird ein vorausschauendes Monitoring der Versorgungssicherheit im europäischen Kontext unerlässlich, im Verkehrssektor sind besonders Maßnahmen zur Steigerung des Schienenverkehrs im Personen- und Güterverkehr und umfassendere Digitalisierung erforderlich.

Im europäischen Kontext sind beträchtliche Erzeugungspotenziale für erneuerbare Energien vorhanden. Bei der Ladeinfrastruktur und den Wasserstoff-Tankstellen ist der Ausbau europaweit erforderlich, um Elektrofahrzeuge für längere Strecken attraktiv zu machen und die Potenziale von Wasserstoff im Schwerlastverkehr zu heben.

Klimaschutz führt zu wirtschaftlicher Prosperität

Die europäische Perspektive erlaubt ein Zusammenspiel verschiedener Standortvorteile bei der Markteinführung und Skalierung neuer Technologien, woraus nach der Covid-19-Krise erhebliche Wachstumschancen entstehen können – nicht zuletzt auf den globalen Märkten. Dafür müssen in erheblichem Umfang private Investitionen mobilisiert werden. Diese werden nur dann getätigt, wenn mit Anwendungen wie der fortgesetzten Elektrifizierung oder dem Einsatz von Wasserstoff etwa in der Industrie und im Verkehr attraktive Geschäftsmodelle verbunden werden können.

Um den Akteuren auch längerfristig eine ausreichende Planungsverlässlichkeit zu geben, ist die ambitionierte Weiterentwicklung eines sektorübergreifenden EU-Emissionshandels von großer Bedeutung. Damit die Gleichung des Green Deal – Klimaschutz führt zu wirtschaftlicher Prosperität – aufgeht, sind eine einfache, möglichst marktliche Koordinierung über die Dimensionen der Energieunion, Regionen, Sektoren und Technologien und die Berücksichtigung globaler Entwicklungen erforderlich. Die nächsten Monate werden zeigen, ob dies gelingt.

Die Autoren sind Mitglieder der Expertenkommission zum Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“: Vorsitzender Andreas Löschel, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Veronika Grimm, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Barbara Lenz, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Frithjof Staiß, Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg.

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