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Gastkommentar Kosten der Energiewende müssen stärker berücksichtigt werden als bisher

Mehr Tempo bei der Energiewende bedeutet mehr Kosten. Deshalb sollten Industrie und Verbraucherschützer der Kohlekommission angehören und mitreden.
  • Utz Tillmann
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Die CO2-Emissionen sind in Deutschland seit 2009 nicht mehr gesunken. Quelle: dpa
Tagebau in NRW

Die CO2-Emissionen sind in Deutschland seit 2009 nicht mehr gesunken.

(Foto: dpa)

Wie kann Deutschland seine Klimaziele auf ökonomisch möglichst effiziente Weise und mit den geringsten sozialen Folgeschäden erreichen? Diese Frage sollte Leitmotiv der geplanten Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ sein, in der die Bundesregierung über den deutschen Klimafahrplan beraten möchte. Angesichts des Titels besteht die Hoffnung, dass dabei Ökonomie, Ökologie und Soziales gleichwertig behandelt werden.

Denn die Kosten der Energiewende müssten stärker berücksichtigt werden als bisher. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag beschlossen, den Ausbau erneuerbarer Energien noch zu beschleunigen. 2030 soll die Messlatte bei 65 Prozent der Stromproduktion liegen. Bisher galten 50 Prozent als Ziel.

Es ist Zeit, der Realität in die Augen sehen. Mehr Tempo bedeutet mehr Kosten: Mindestens 760 Millionen Euro mehr an EEG-Umlage werden die Stromverbraucher Mitte des nächsten Jahrzehnts allein durch die geplanten Sonderausschreibungen für 2019/2020 schultern müssen.

Utz Tillmann ist Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie.
Der Autor

Utz Tillmann ist Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie.

Dabei hat der Ausbau der Erneuerbaren für den Klimaschutz bisher kaum etwas gebracht. Die CO2-Emissionen sind hierzulande seit 2009 nicht mehr gesunken – obwohl Ökostrom dank Fördermitteln von mehr als 200 Milliarden Euro mittlerweile über ein Drittel der Stromproduktion ausmacht. Dieses Missverhältnis stellt die bisherige Vorgehensweise in der Energiewende infrage.

Wie viele Ausstiege aus bestimmten Energieträgern kann Deutschland in kurzer Zeit verkraften, ohne seiner bewährten Wirtschafts- und Arbeitsmarktstruktur zu schaden? Ein zu schneller Verzicht auf die Kohle kann die Versorgungssicherheit gefährden und wird die Strompreise zusätzlich verteuern.

Beides stünde im Widerspruch zum Koalitionsvertrag. Dieser besagt, dass die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrien, zu denen auch die chemische Industrie zählt, zu wahren sei. Dabei geht es um mehr als die Zukunft dieser Branchen: Die energieintensiven Industrien benötigen ein Zehntel der Stromproduktion.

Fehlentwicklungen vermeiden

Damit erzeugen sie unentbehrliche Basisprodukte, die Ausgangspunkt für viele erfolgreiche Wertschöpfungsketten der deutschen Wirtschaft sind. Sinkt die Wettbewerbsfähigkeit der Basisprodukte, hat das Auswirkungen auf die gesamte hiesige Wirtschaft.

Daher sollten wir Fehlentwicklungen, die die Kosten der Energiewende weiter in die Höhe treiben, unbedingt vermeiden. Für einen Kostencheck sollten deshalb in der Strukturwandel-Kommission auch Stimmen von Verbraucherschützern und den energieintensiven Industriebranchen vertreten sein. Sie setzen sich seit Langem dafür ein, dass die Energiewende zugleich kostenbewusster und sozial verträglich gestaltet wird.

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