Gastkommentar Die richtige Dosis macht's

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Kredite werden knapper und teurer

Auf diese sich verschlechternden Bedingungen müssen die Banken reagieren. Diese Reaktion wird in der übrigen Wirtschaft spürbar sein und verursacht dort Kosten - die sekundären Kosten der Regulierung.

Die Frage, die sich jede Bank gegenwärtig stellt: Welche Geschäfte sind unter den neuen Anforderungen an Liquidität, Eigenkapital und Refinanzierung überhaupt noch wirtschaftlich? Auf Basis der Antwort werden die Geschäftsmodelle neu justiert. Risiken werden abgebaut. Geschäfte, die nicht zum Kerngeschäft der Bank gehören, werden nicht mehr gemacht. Besonders betroffen: Kredite in Länder, die nicht zum Kerngeschäftsgebiet gehören. Und Kredite in Geschäftsbereichen, in denen das Verhältnis zwischen Erträgen und Kapitalbindung ungünstig ist oder in denen das Cross-Selling-Potenzial als zu gering angesehen wird.

Das Ergebnis: Kredite werden tendenziell knapper und teurer, besonders solche mit höherem Risiko. Entsprechende Auswirkungen auf die Innovationskraft der Volkswirtschaft sind zu erwarten. Dies gilt gerade für Deutschland, wo die Unternehmensfinanzierung - mehr als in anderen Ländern - über Bankkredite gewährleistet wird.

Fazit: Wir brauchen eine stärkere und vor allem sinnvolle Regulierung der Finanzwirtschaft. Aber diese gibt es nicht zum Nulltarif. Sie kostet sowohl die Banken als auch die gesamte Volkswirtschaft einiges. Es ist ein schmaler Grat zwischen einer zu schwachen Regulierung, die offensichtlich Krisen begünstigt, und einer Überregulierung, die die Wirtschaft ebenfalls massiv schädigt. Angesichts der kumulativen Wirkung der diversen Regulierungsmaßnahmen drängt sich der Eindruck auf, dass schon zu viel des Guten getan wurde. Denn die Banken sind dabei, das zu verlieren, was von ihnen vehement eingefordert wird: die Fähigkeit, der Realwirtschaft kostengünstig zu dienen.

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3 Kommentare zu "Gastkommentar: Die richtige Dosis macht's"

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  • In einer echten Marktwirtschaft mit Eigentümerhaftung statt ständigen Bail-Outs könnten wir uns einen grossen Teil der Regulierung sparen.

    Das Problem ist nicht die Regulierung sondern die engen Bande zwischen Politik und Hochfinanz, zum Nachteil des Bürgers. Das Problem ist auch die zentrale Planwirtschaft der Notenbanken, die eine Blase nach der anderen produzieren.

    Wie sagte letztens jemand, die 70 Billionen Dollar an weltweiten Staatsschulden sind nur die Sicherheiten für die 700 Billionen Dollar im Derivate Geschäft.
    Viel Spass beim Bail-Out dieser 700 Billionen.

  • Die Bankenaufsicht entpuppt sich als Papiertiger. Die Finanzkrisen sind zum großen Teil der Verantwortungslosigkeit, der Inkompetenz geschuldet.

    Die politische Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer zur Begrenzung des Transaktionsvolumens ist Ausdruck einer hirnlosen alternativlosen Entscheidung von verantwortungslosen Leuten, die die Materie ohnehin nicht verstehen.

    Das ist alles reinem Populismus geschuldet und Zeichen geistiger Windstille.

  • "Entscheidend sind die hohen primären und sekundären Kosten, die durch die neue Regulierung verursacht werden. Also Kosten, die die Banken direkt belasten, und Kosten, die von der gesamten Volkswirtschaft bezahlt werden müssen."

    Das ist eine Sicht, aber nur die halbe Wahrheit. Man muss den Ertrag den Kosten gegenüber stellen. Die hier angesprochenen "regulatorischen Kosten" sind weitgehendst dem Schlagwort BASEL geschuldet. Was hat BASEL den Banken außer Kosten gebracht?

    Betrachten wir den Zeitraum, für den BASEL steht. BASEL lebt seit ca. 20 Jahren. Wie viele Finanzkrisen hatten wir in den letzten 20 Jahren und wie viele in den 20 Jahren davor? Sie brauchen nicht lange nachzudenken. Der Statistiker kommt sofort auf den Zusammenhang und stellt fest, dass BASEL einen signifikanten Anteil an den Finanzkrisen hat.

    Der Unbedarfte kommt schnell zu der Aussage, dass die "scharfen Regelungen" von BASEL, die höhere Eigenkapitaldeckung doch nichts mit den Finanzkrisen zu tun haben können.

    Der Fachmann kann sehr wohl einen Zusammenhang erkennen. Vor BASEL hatte der Vorstand der Bank eine höhere Verantwortung für die Steuerung der Bank. Die Geschäfte wurden anhand von "Linien" gesteuert. Ein sehr grobes Verfahren. Deshalb wurden die Linien sehr restriktiv gehandhabt.

    BASEL hat die Berater reich gemacht. Die Steuerung ist sehr abstrakt geworden und die Zahlen werden in den neu geschaffenen Controlling-Abteilungen täglich ermittelt. Täglich schon, nur nicht konsistent. Große Banken - und um die geht es - kaufen in Tokio und verkaufen in New York. Nachts schlafen die Controller. Kann mir jetzt einer sagen, welche Zahlen der Controller in Frankfurt dem Vorstand am Abend vorlegt? Entweder legt er eine alte Zahl vor, die niemanden mehr interessiert oder eine falsche, weil die Zahlen von verschieden Arbeitstagen stammen.

    Betrachtet man die vielen manuellen Zu-Meldungen ergänzend, erkennt man leicht, dass der Erkenntniswert des Reports gegen Null tendieren muss.

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