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Fliegen

Internationale Reisen sind nicht nur (wie oft suggeriert) überflüssiger Konsum.

(Foto: dpa)

Gastkommentar Lasst uns weiterhin fliegen – aber CO2-neutral

Fliegen hat kein gutes Image. Dabei haben internationale Reisen viele Vorteile. Eine Lösung für klimaverträgliches Fliegen stünde schon bereit.
  • Thomas Unnerstall
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In der erfreulicherweise zunehmenden Diskussion um Klimaschutz, CO2-Steuer und Energiepolitik mehren sich Stimmen, die im weltweiten Flugverkehr ein Grundübel sehen und daher staatliche Einschränkungen fordern, oder den Einzelnen zum Verzicht aufrufen.

Zwar trägt der Flugverkehr weltweit zu den gesamten klimarelevanten Emissionen nur zwei bis drei Prozent bei, aber in der persönlichen CO2-Bilanz vieler Deutscher machen die Flugreisen einen erheblichen Anteil aus. Sollten wir also zunehmend auf das Fliegen verzichten, um die Pariser Klimaziele einzuhalten?

Für den innerdeutschen Flugverkehr wird man diese Frage in vielen Fällen durchaus bejahen, denn es gibt mit der Bahn eine gute und deutlich CO2-ärmere Alternative, die zudem oft nur wenig mehr Zeit erfordert. Für die Mittel- und Langstreckenflüge und damit das Gros des Flugverkehrs wäre das aber im Kern der falsche Weg. Da es hier keine vernünftige Alternative zum Flugzeug gibt, heißt Verzicht auf Fliegen automatisch Verzicht auf Reisen.

Das ist bei den etwa 40 Prozent großen Anteil Geschäftsreisen ohnehin nicht sinnvoll – die weltweiten Verflechtungen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik inklusiver entsprechender persönlicher Begegnungen sind unverzichtbar für die Stabilität der Weltordnung und letztlich des Friedens.

Aber auch Urlaubsreisen in europäische oder ferne Länder sind jedenfalls nicht nur (wie oft suggeriert) überflüssiger Konsum – subtil, aber nachhaltig fördern auch sie nicht selten das Verständnis für andere Kulturen und das für die Zukunft der Menschheit ganz wesentliche Gefühl, Teil dieser einen Welt zu sein.

Thomas Unnerstall hat viele Jahre in leitenden Funktionen in der Energiebranche gearbeitet. Er ist Verfasser von zwei Büchern über die Energiewende. Quelle: Thomas Unnerstall
Thomas Unnerstall

Thomas Unnerstall hat viele Jahre in leitenden Funktionen in der Energiebranche gearbeitet. Er ist Verfasser von zwei Büchern über die Energiewende.

(Foto: Thomas Unnerstall)

Es gibt einen konzeptionell einfachen Weg, beides miteinander zu verbinden: die Vorteile des internationalen Reisens und den Klimaschutz. Die internationalen Flugregeln bräuchten nur einen weiteren Paragraphen: „Ab 2025 müssen 15 Prozent, ab 2030 50 Prozent und ab 2035 100 Prozent des Flugbenzins CO2-neutral hergestellt werden“.

Die Technologie dafür (Power-to-Liquid) steht bereit. Deutsche Unternehmen wie Siemens sind hier mit führend und könnten einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, und eine solche Umstellung ist finanzierbar.

Heute kostet der Liter herkömmliches Flugbenzin circa 40 Cent, der Liter CO2-neutrales Kerosin wird nach heutigen Prognosen im Jahr 2030 circa ein Euro kosten. Damit wäre in 2030 zum Beispiel das Rückflugticket nach New York City (Benzinverbrauch pro Passagier rund 400 Liter) gut 100 Euro teurer: für Geschäftsreisende kein Problem, für Urlaubsreisende verkraftbar.

Das ist der viel bessere Weg als eine mühsame Verzichtsdiskussion, die erstens rückwärtsgerichtet ist und zweitens (auch daher) weltweit ohnehin kaum zu gewinnen ist. Man muss ihn nur politisch wollen und umsetzen.

Mehr: Die Klimakrise wird für die Politik zum Stolperstein. Der Expertenrat.

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