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Gastkommentar Merz hat eine wichtige Diskussion um die Altersvorsorge angestoßen

Der Präsident des Ifo-Instituts plädiert für einen deutschen Bürgerfonds zur Alterssicherung und einen Anstieg der staatlichen Förderung.
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Der Ifo-Präsident äußert sich zu Friedrich Merz' Vorschlag zur Altersvorsorge. Quelle: dpa
Clemens Fuest

Der Ifo-Präsident äußert sich zu Friedrich Merz' Vorschlag zur Altersvorsorge.

(Foto: dpa)

Mit seinem Vorschlag, das Aktiensparen zu fördern, hat Friedrich Merz ein wichtiges Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Die Deutschen sparen fleißig, aber ein großer Teil davon landet auf dem Sparbuch.

In Zeiten von Nullzinsen ist das keine gute Anlage. Wegen der Alterung der Bevölkerung sinken die umlagefinanzierten Renten. Die entstehende Lücke kann man mit Sparen zu Nullzinsen kaum ausgleichen. Aktien bieten mittelfristig eine höhere Rendite.

Friedrich Merz will die Aktienanlage deshalb steuerlich entlasten. Ist das sinnvoll? In einer Gesellschaft mit mündigen Bürgern kann es durchaus zu den Staatsaufgaben gehören, alle Bürger zu verpflichten, in gewissem Umfang für die Rente vorzusorgen. Mit welchem Anlageportfolio die Bürger das erreichen, ist allerdings ihre Sache.

Die Einkommensteuer sollte Aktien weder diskriminieren noch fördern. Tatsächlich werden Aktien im bestehenden Steuersystem diskriminiert. Die Fremdkapitalfinanzierung ist steuerlich attraktiver als die Eigenkapitalfinanzierung, weil Schuldzinsen bei den Unternehmen steuerlich abzugsfähig sind, Dividenden hingegen nicht. Bei den Empfängern werden Zinsen und Dividenden aber gleichbehandelt. Diese Diskriminierung zu beseitigen wäre sinnvoll.

Allerdings würde eine solche Reform an der Altersvorsorge großer Teile der Bevölkerung vermutlich wenig ändern – die steuerliche Entlastung der Aktionäre käme größtenteils den oberen Einkommensschichten zu, die heute Aktien halten. Mangelnde Altersvorsorge ist aber vorrangig ein Problem der mittleren und niedrigen Einkommen.

Statt zu versuchen, das Vermögen der Bürger zu steuern, sollte der Staat erst einmal bei sich selbst beginnen. Der öffentliche Sektor hat erhebliches Potenzial, sein Vermögensportfolio im Interesse der Bürger ertragreicher zu gestalten.

Smarte private Investoren nutzen derzeit die Niedrigzinsphase, um sich günstig zu verschulden und in Immobilien oder Aktien zu investieren. Der Unternehmer Lutz Helmig hat kürzlich vorgeschlagen, der deutsche Staat sollte das Gleiche tun, indem er einen „deutschen Bürgerfonds“ errichtet.

Deutschland hat den Vorteil, wegen seiner soliden Finanzen eine hohe Bonität zu genießen. Bundesanleihen werden als das sicherste Wertpapier in der Euro-Zone angesehen, der deutsche Staat kann sich Geld fast zu Nullzinsen leihen. Deutschland hat keine Ölvorkommen, aber seine hohe Bonität ist ähnlich wertvoll. Man kann sie als so etwas wie den Schatz der Deutschen betrachten.

Im Jahr 2019 wird die deutsche Staatsschuldenquote unter die 60-Prozent-Grenze sinken. Statt danach weiter Schulden zu tilgen, könnte man eine gewisse Neuverschuldung und Haushaltsüberschüsse einsetzen, um einen deutschen Bürgerfonds zu schaffen. Dieser Fonds würde seine Mittel weltweit diversifiziert in Aktien und andere attraktive Anlagen investieren.

Welche Erträge könnte der Fonds erwirtschaften? Der norwegische Staatsfonds, der die Öleinnahmen des Landes weltweit anlegt, hat seit 1998 einen durchschnittlichen Ertrag von sechs Prozent erwirtschaftet. Man nehme an, dass der deutsche Staatsfonds künftig fünf Prozent erwirtschaftet und sich für ein Prozent verschuldet.

Wenn der Fonds jedes Jahr Schulden in Höhe von ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufnimmt und aus Steuermitteln 0,5 Prozent – derzeit etwa 17 Milliarden Euro – zugeschossen werden, würde der Bürgerfonds bis zum Jahr 2050 ein Nettovermögen von rund 43 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen.

Jeder Bürger würde ab einem Alter von 20 Jahren Mitglied im Bürgerfonds, bekäme regelmäßige Auszüge über den Wert des eigenen Anteils und würde ihn im Alter von 67 Jahren ausgezahlt bekommen. Wer heute 35 Jahre alt ist, bekäme im Jahr 2050 rund 41.200 Euro. Wenn man die jährliche Schuldenaufnahme auf ein Prozent des BIP ausdehnen könnte – vorausgesetzt, das ist mit der Schuldenbremse im Grundgesetz vereinbar –, wären es 53.700 Euro.

Viele Menschen sehen die Idee, der Politik zu erlauben, Schulden aufzunehmen, um für die Bürger Vermögen zu bilden, skeptisch. Es ist jedoch möglich, den Fonds durch rechtliche Vorkehrungen dem Zugriff der Tagespolitik zu entziehen. Er könnte von der Bundesbank verwaltet werden. Der Bürgerfonds bietet vor allem für Menschen mit niedrigen Einkommen die Chance, die oft spärliche gesetzliche Rente ohne eigene Sparbeiträge erheblich aufzubessern. Diese Chance sollten wir nutzen.

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1 Kommentar zu "Gastkommentar: Merz hat eine wichtige Diskussion um die Altersvorsorge angestoßen"

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  • ich habe langjährig in Ländern gelebt in denen die Vermögensbildung durch voll steuerabzugsfähige jährliche Beiträge in sehr grosszügig vorgegebenen Rahmen gefördert wurde (Registered Retirement Savings Plan in Canada, Rate- und Kapitalpension in Dänemark) Beide Systeme erlauben einen langjährigen Kapitalaufbau, der erst mit den geregelten Auszahlungen nach der Pension zu versteuern ist, also zu erwartet erheblich geringeren Sätzen. Die Wahl der Investitionen, also beliebige Anlagen in Aktien, Fonds, Anleihen, und deren Disposition stand mir als Anleger völlig frei. Durch Kursschwankungen, Flops, etc. konnten natürlich auch Verluste entstehen; man traute dem Anleger in diesen Systemen also einigen Finanzverstand zu.

    Mir ist die endlose Debatte und die systematische Gängelung, die dem Anleger in Deutschland aufgezwungen wurde völlig fremd und unverständlich. Offenbar wird dem Nutzer dieser Instrumente nicht der geringste Sachverstand zugetraut, oder die Finanzlobby hat den Zweck dieser Anlagen mit Billigung des Gesetzgebers für ihre Zwecke zu Lasten des Anlegers katastrophal missbraucht und die verschiedenen Anläufe praktisch nutzlos gemacht. Vielleicht ist es ja wirklich so, daß die Deutschen keinen Finanzverstand haben und in der Regel einfach zu dumm sind ergo vor sich selbst geschützt werden müssen. Die geschaffenen Instrumente sorgen im Gegensatz zu den Ländern in denen ich meine Erfahrungen (und mein Alterskapital) gemacht habe, dass es dabei aber auch dauerhaft so bleibt.

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