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Gastkommentar Mit Japan schafft die EU eine Allianz für den Freihandel

Die EU zeigt, dass Win-win-Situationen im Handel noch immer möglich sind. Das neue Abkommen mit Japan ist eine große Chance – vor allem für kleine Unternehmen.
  • Cecilia Malmström
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Cecilia Malmström ist Handelskommissarin der Europäischen Union. Quelle: dpa [M]
Die Autorin

Cecilia Malmström ist Handelskommissarin der Europäischen Union.

(Foto: dpa [M])

Man könnte dieser Tage den Eindruck haben: Die Welt macht ihre Türen zu. Wir erleben, dass manche Menschen neue Grenzen und Mauern fordern und eine solche Entwicklung lautstark für unvermeidlich erklären. Nachdem man jahrzehntelang bemüht war, Beziehungen zu vertiefen und Chancen zu nutzen, schlägt ihrer Meinung nach das Pendel jetzt unweigerlich zurück. Das klingt vielleicht überzeugend, ist aber nur Fiktion.

Ja, es gibt Ausnahmen. Einige setzen alles daran, Grenzen zu schließen. Doch auch in der Welt von heute wird überwiegend eine stärkere Zusammenarbeit angestrebt. Die EU ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass – insbesondere im Handel – Win-win-Situationen möglich sind. Im Verbund mit 500 Millionen Menschen hat man einfach einen besseren Stand in der Welt.

Das von der EU-Kommission ausgehandelte, von den Mitgliedstaaten und dem EU-Parlament zügig ratifizierte Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit Japan ist jetzt in Kraft getreten. Bei ihrem Besuch in Tokio kann sich die Bundeskanzlerin mit ihrer Wirtschaftsdelegation auf einen der größten Erfolge der europäischen Handelspolitik des vergangenen Jahrzehnts stützen.

Das Abkommen wird für die EU und für Deutschland wirtschaftlich enorm viel bringen. Das umfassendste je ausgehandelte bilaterale Handelsabkommen wird für ein Gebiet gelten, in dem mehr als 630 Millionen Menschen leben.
Japan ist bereits Deutschlands fünftgrößter Handelspartner außerhalb der EU. Mit dem Abkommen fallen für Unternehmen Hindernisse weg, etwa Zölle und Doppelbürokratie. Das ist gerade für kleinere Unternehmen wichtig. Größere Unternehmen können solche Kosten leichter wegstecken. 99 Prozent der Firmen in der EU sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Mit dem Abkommen fallen für Unternehmen Hindernisse weg, etwa Zölle und Doppelbürokratie. Cecilia Malmström – Handelskommissarin der Europäischen Union

Mehr als 12.000 deutsche Unternehmen – drei Viertel davon sind KMU – exportieren nach Japan. Die EU bemüht sich nicht nur um den Abbau von Handelshemmnissen. So wurden auch Kontaktstellen für kleine Firmen eingerichtet, die den Zugang zu neuen Märkten erleichtern.

Da 85 Prozent der neuen Arbeitsplätze in der EU von kleinen Betrieben geschaffen werden, sind bessere Handelsbedingungen für KMU besonders gut für die Beschäftigung. Derzeit hängen etwa 200.000 Arbeitsplätze in Deutschland vom Handel mit Japan ab. In der gesamten EU sind es etwa 740.000 Stellen. Der gesamte europäische Außenhandel sichert 36 Millionen Arbeitsplätze.

Diese Jobs sind im Schnitt auch um zwölf Prozent besser bezahlt. Der offene Handel ist ein Wachstums- und Beschäftigungsmotor. Unser Handelsabkommen mit Japan entspricht modernsten Maßstäben. Es fördert umweltfreundliche Technologien, schützt Arbeitnehmerrechte und öffnet die japanischen Dienstleistungsmärkte.

Unternehmen aus EU-Ländern erhalten die Möglichkeit, bei öffentlichen Ausschreibungen – etwa im Eisenbahnsektor – mitzubieten. Das Abkommen verpflichtet Japan auf internationale Standards für Kraftfahrzeuge und erleichtert so Autoexporte aus der EU nach Japan.

Außerdem sorgt es für den Schutz geistigen Eigentums und von über 200 kulinarischen Spezialitäten aus Europa – zum Beispiel Hopfen aus der Hallertau, Lübecker Marzipan und Nürnberger Bratwürste. Die Bedeutung des Abkommens besiegelt auch eine strategische Allianz. Gerade dann, wenn einige die Türen zumachen, müssen diejenigen zusammenfinden, die an eine Politik der Offenheit glauben.

Wir engagieren uns gemeinsam für die Institutionen, die seit Jahrzehnten Garanten der globalen Stabilität sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten die Generationen vor uns die Institutionen für mehr wirtschaftliche und politische Sicherheit auf. Die Welthandelsorganisation (WTO) bemüht sich um ein berechenbares Umfeld für den internationalen Handel.

Wir können nicht Handelskriege führen, ständig neue Zölle verhängen und auf Regeln für Dienstleistungen und den Umgang mit geistigem Eigentum verzichten. Wir kommen ohne das derzeitige System nicht aus, auch wenn es nicht perfekt ist. Europa tritt für diese Institutionen ein, und Japan wird uns dabei unterstützen.

Mehr als 90 Prozent des weltweiten Wachstums werden bald außerhalb der EU stattfinden. Unsere Konkurrenten wachsen stärker. Sowohl unsere bilateralen Handelsabkommen als auch die WTO sind für eine faire, regelbasierte Globalisierung unerlässlich.

Wenn wir unsere führende Position behaupten wollen, müssen wir Bindungen eingehen, mit denen wir sicher durch weltpolitisch bewegte Zeiten kommen. Unser Abkommen mit Japan ist eine solche Bindung.

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