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Gastkommentar Money matters: Eine neue Vision für das deutsche Finanzsystem

Bis Ende des Jahres braucht Deutschland eine klare Strategie für den nachhaltigen Wandel des Finanzmarkts. Und den politischen Willen, diese Strategie auch umzusetzen.
  • Matthias Kopp
06.06.2019 - 06:55 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Leiter Sustainable Finance beim WWF Deutschland und Mitglied des Beirats für Sustainable Finance der Bundesregierung, der am 6. Juni zum ersten Mal zusammenkommt. Quelle: David Biene/WWF
Matthias Kopp

Der Autor ist Leiter Sustainable Finance beim WWF Deutschland und Mitglied des Beirats für Sustainable Finance der Bundesregierung, der am 6. Juni zum ersten Mal zusammenkommt.

(Foto: David Biene/WWF)

Es ist Zeit für einen großen Wurf. So viel ist in Deutschland sicherlich in vielerlei Hinsicht richtig. Aber besonders beim Thema Finanzen ist die Zeit überreif für eine neue Vision. Zu lange hat die Politik das Finanzsystem Finanzsystem sein lassen und zwar die Auswirkungen der Finanzkrise ins Blickfeld gerückt, die großen Verschränkungen zu Realwirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft aber ausgeklammert.

Damit muss nun Schluss sein – und die Zeichen stehen nicht schlecht, dass es das ist: An diesem Donnerstag nimmt der Beirat der Bundesregierung zu Sustainable Finance seine Arbeit auf. Es ist ein guter, erster Schritt, um dem Thema seitens der Politik mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Aber es ist auch nur dann ein erfolgreicher Schritt, wenn das Mandat klar formuliert wird: Bis Ende des Jahres braucht Deutschland eine klare Strategie für den nachhaltigen Wandel des Finanzmarkts. Und den politischen Willen, diese Strategie auch umzusetzen.

Strategie und Wandel sind zum einen aus wissenschaftlicher Sicht dringend nötig. Denn die Wissenschaft zeigt uns deutlich, dass die Übernutzung unserer Erde und die Erhitzung unseres Klimas schwere Folgen hat und noch haben wird, wenn wir dem nicht Einhalt gebieten – besonders für uns selbst.

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    Doch noch zu selten lenkt die Politik den Blick darauf, welche Finanzrisiken daraus erwachsen, wenn Investitionen etwa in bestimmte Rohstoffe oder in bestimmten Regionen wegen des massiven Raubbaus oder der anhaltenden Klimakrise an Wert verlieren. Oder wenn die erforderlichen Veränderungen politisch schlecht gemanagt werden. Wenn daran dann etwa noch Altersvorsorgen von Millionen Menschen hängen, öffnet sich gleich die gesellschaftliche Dimension.

    Aber apropos Einhalt gebieten: Genau aus diesem Grund ist die Strategie und der Wandel aus realwirtschaftlicher Sicht die andere Seite der Medaille. Denn unsere derzeitige Wirtschaftsweise ist nicht zukunftsfähig. Sie sprengt die Grenzen des Planeten, was unseren eigenen Wohlstand aufs Spiel setzt. Ein Weiter-so ist daher sehr endlich.

    Das Finanzsystem ist einer der effektivsten Hebel

    Um künftig innerhalb der planetaren Grenzen wirtschaften zu können, müssen Kapitalflüsse umgelenkt werden. Das Finanzsystem kann die Realwirtschaft befähigen, den nötigen Wandel zu vollziehen. Er ist einer der effektivsten Hebel – aber bislang leider auch einer, der viel zu oft übersehen, geschweige denn gestaltet wird.

    Das Systemtische statt die Nische zu betrachten, muss daher Anspruch des Beirats sein und auch jeder Strategie der Bundesregierung. Deutschland hinkt hier im europäischen Vergleich noch hinterher.

    Andere Länder sind beim Thema Sustainable Finance viel weiter, darunter Frankreich, das schon vor einigen Jahren institutionelle Investoren dazu verpflichtet hat, über ihre Nachhaltigkeits- und Klimastrategien zu berichten. Auch Holland, Schweden, Luxemburg und Großbritannien haben zum Thema ernsthafte Dialoge etabliert – eines der wichtigsten Mittel, Akteure auf die Reise mitzunehmen.

    Und auch auf Ebene der EU passiert viel, wozu sich die Bundesregierung zu verhalten und gestaltend einzubringen haben wird. Dazu zählt der Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums. Brüssel arbeitet unter anderem an einer sogenannten Taxonomie für nachhaltige Finanzen. Mit dieser Klassifizierung soll ein gemeinsames Verständnis dafür entwickelt werden, was als nachhaltig gilt.

    Diese Vorarbeit ist ungemein wichtig, um ein einheitliches Verständnis zu etablieren, das heute noch fehlt. Wenn es etwa um die Verpflichtung zur Offenlegung und Transparenz von Umwelt- und Klimakriterien geht, braucht es einen gemeinsamen Rahmen.

    So könnten Verbraucher in Zukunft vor Vertragsabschluss von Finanzprodukten aller Art systematisch darüber informiert werden, welche Umweltrisiken vorliegen, bzw. wie das Produkt zum Umbau unserer Wirtschaft beiträgt und Chancen nutzt oder gar erst eröffnet, die die Transformation bereithält.

    Deutschland könnte Führungsrolle übernehmen

    Die Bundesregierung kann und sollte die verbleibenden Monate dieses Jahres also dazu nutzen, sich für die europäischen Prozesse – sowie die aufgezeigten externen Notwendigkeiten – aufzustellen, und sich aktiv in Brüssel und in Abstimmung mit europäischen Nachbarn einbringen.

    Bisher hat sie hier keine sichtbare Rolle eingenommen. Wird der Prozess nun aber auch auf nationaler Ebene vorangetrieben, kann Deutschland womöglich wirklich zu einem führenden Standort für Sustainable Finance werden, was der Staatssekretärsausschuss noch im Februar als Anspruchsniveau angekündigt hat.

    Dafür gilt es, neben einer Klassifizierung und Regeln zu Transparenz und Offenlegung auch viel stärker als bisher Szenarien zu entwickeln und grundsätzlich für Entscheidungen hinzuzuziehen, die künftige Entwicklungen abzeichnen: Diese Szenarien müssen sich am Wandel hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaftsweise genauso ausrichten wie an einer stärker werdenden Klimakrise.

    Denn so wird offenkundig und steuerbar, wie etwa Investitionen in fossile Energien an Wert verlieren können, beziehungsweise welche Klimarisiken im Falle mangelnden Klimaschutzes drohen.

    Die heutigen Bewertungsgrundlagen, Risikomanagement- und Entscheidungsmechanismen vernachlässigen beides und sind eine schlechte Grundlage etwa zur Sicherung der Altersversorgung. Anhand dieser Themen wird sich messen lassen, ob der Bundesregierung ernst damit ist, Deutschland in Sachen nachhaltig wirkendes Finanzsystem als Vorreiter aufzustellen – und ob ihr der große Wurf gelingt.

    Mehr: Sollte man als umweltbewusster Mensch überhaupt in den Leitindex investieren? So schneiden die Dax-Konzerne bei einem Nachhaltigkeits-Check ab.

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