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Gastkommentar Nach der Corona-Pandemie: Wie der Arbeitsplatz der Zukunft aussehen sollte

Die Pandemie hat Homeoffice populär gemacht. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen noch geregelt werden. Vorschläge für ein besseres mobiles Arbeiten.
06.01.2021 - 18:18 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Quelle: Stefan Boness / IPON
Reiner Hoffmann

Der Autor ist Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB).

(Foto: Stefan Boness / IPON)

Mobile Arbeit und Homeoffice galten im Diskurs um „Arbeit 4.0“ eher als Modethemen. Mit der Corona-Pandemie erleben wir nun ein Massenexperiment: Die Arbeit im Homeoffice ist für Millionen von Beschäftigten vorübergehend zum Standard geworden. Gleichzeitig hat die Debatte über die Rolle von Homeoffice für die Arbeit der Zukunft neue Bedeutung bekommen.

Dabei geht es auch um die Frage, welche Schlüsse aus der Krise gezogen werden. Entsprechend hoch sind die Anforderungen für das geplante Mobile-Arbeit-Gesetz der Bundesregierung. Denn es geht darum, das viel beobachtete Homeoffice-Paradox – die zugewonnene Freiheit auf der einen Seite und belastende Arbeitsbedingungen auf der anderen Seite – zum Wohle der Beschäftigten aufzulösen.

In der ersten Phase der Coronakrise zeigten sich insgesamt hohe Zufriedenheitswerte bei den Beschäftigten. Gleichzeitig wurde einmal mehr deutlich, dass mit der Arbeit im Homeoffice besonders hohe Belastungen für die Gesundheit verbunden sind.

Das gilt insbesondere für lange und atypische Arbeitszeiten, Erreichbarkeitserwartungen oder unerreichbare Zielvorgaben. Dazu kommt, dass der erste Homeoffice-Boom im Frühling einsetzte und neue Technologien praktisch über Nacht ermöglicht wurden.

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    Heute, in der dunklen Jahreszeit, fühlt sich Arbeit von zu Hause schon anders an. Und der Glanz des Neuen ist auch verblasst. Im Gegenteil: „Zoom fatigue“, die Video-Müdigkeit, ist inzwischen weit verbreitet. Deshalb ist es wichtig, den Rahmen für die Arbeitsbedingungen so auszurichten, dass es vor allem keine neuen psychischen Belastungen gibt – auch jenseits von Krisenzeiten.

    Gleichzeitig gilt es auch, ein politisches Paradox bei den Fragen zur Einrichtung des Homeoffice aufzulösen. Fest eingerichtete Arbeitsplätze zu Hause sind – als Telearbeit – normiert und müssen vom Arbeitgeber sowohl technisch als auch ergonomisch ausgestattet werden.

    Die große Verlagerung

    Für das Homeoffice gelten diese Regeln aber nicht. Wie ist es nun, wenn regelmäßig von zu Hause gearbeitet wird? Welche Regeln gelten dann? Schließlich ist auch ein heimischer Arbeitsplatz – anders als bei der Arbeit auf Dienstreisen – gestaltbar. Ein wichtiger Punkt.

    Denn es deutet sich schon jetzt an, dass Unternehmen versuchen, Büroflächen loszuwerden und Arbeit ins Homeoffice zu verlagern, um so Kosten zu externalisieren. Ein solches Outsourcing von Verantwortung wäre allerdings grob fahrlässig.

    Viele Beschäftigte wollen zwar auch nach der Krise gern von zu Hause arbeiten, aber eben nur zeitweilig – und ihren betrieblichen Arbeitsplatz nicht dafür aufgeben. Es geht also nicht um ein dauerhaftes Entweder-oder, sondern um mehr Flexibilität und Sicherheit für Beschäftigte.

    Das Homeoffice der Zukunft muss deshalb freiwillig bleiben. Der Betrieb als Ort der Begegnung ist elementar für das soziale Miteinander und für betriebliche Innovationen. Der Arbeitsplatz der Zukunft darf deshalb nicht zur „Reise nach Jerusalem“ werden, indem Büroflächen künstlich verknappt werden und die Unsicherheit am Arbeitsplatz Tag für Tag sinnbildlich vor Augen geführt wird.

    Prinzip Freiwilligkeit ist wichtig

    Dies hätte gravierende psychologische und gesellschaftliche Folgen. Wir brauchen deshalb dreierlei: wirksame Hebel, damit die Beschäftigten ihre Ansprüche durchsetzen können, Regeln für gute Arbeitsbedingungen und einen Mix aus Homeoffice beziehungsweise mobiler Arbeit und betrieblichem Arbeitsplatz. Es ist gut, dass das Verfahren für einen gesetzlichen Rahmen durch den Bundesarbeitsminister nun eröffnet wurde.

    Wir dürfen aber auch nie das betriebliche Miteinander vergessen. Denn die Arbeitsgestaltung wird immer anspruchsvoller. Das beginnt schon bei der Frage, wer ortsflexibler arbeiten kann und wie die Abläufe gestaltet werden, ohne dass es zu neuen Spannungen in den Belegschaften kommt. Schließlich lässt nicht jeder Arbeitsplatz Homeoffice zu. Wir brauchen also für alle Beschäftigten mehr Arbeitszeitsouveränität, das heißt Arbeitszeiten, die zum Leben passen.

    Dazu kommen die Fragen nach betrieblichen Regeln für Erreichbarkeit oder die Ausstattung – im Homeoffice und im Betrieb. Aktuell gibt es nur in einem Drittel der Betriebe, die Homeoffice anbieten, dazu auch Betriebsvereinbarungen. Es ist deshalb höchste Zeit, ein neues Mitbestimmungsrecht für die Einführung und Ausgestaltung von Homeoffice und mobiler Arbeit einzuführen.

    Auch individuelle Wünsche und Bedarfe lassen sich im betrieblichen Alltag am besten gemeinschaftlich durchsetzen und organisieren. Das fördert die Zufriedenheit der Beschäftigten und damit auch die Produktivität für die Arbeitgeber.

    Wie unter einem Brennglas hat die Pandemie die Chancen und Herausforderungen der mobilen Arbeit sichtbar gemacht. Jetzt ist es an uns, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit aus mobiler Arbeit tatsächlich gute mobile Arbeit wird.

    Mehr: Kommunen sorgen sich wegen Corona um gesellschaftlichen Zusammenhalt

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