Gastkommentar Niedrigere Unternehmensteuern schaffen mehr Wohlstand für alle

Die Steuerlast ist für Unternehmen kaum noch tragbar, dabei finanzieren gerade sie die Gaben des Staates. Die Besteuerung muss nachhaltiger werden.
  • Eberhard Sasse
Kommentieren
Eberhard Sasse ist Familienunternehmer (Dr. Sasse AG, Facility-Management) und promovierter Politikwissenschaftler. (Foto: Rudolf Wichert [M])
Der Autor

Eberhard Sasse ist Familienunternehmer (Dr. Sasse AG, Facility-Management) und promovierter Politikwissenschaftler. (Foto: Rudolf Wichert [M])

Steuern sind zum Steuern da – ein beliebtes Argument, wenn es darum geht, unter der Fahne ethischen Fortschritts weitere Fiskalquellen aufzutun: Machen wir die Sünden teurer, dann leisten sich die Leute mehr Moral. Tabak, Sprit, Luftverkehr – das Muster ist bekannt.

Gern wird darüber hinweggesehen, dass das gleiche Argument auch gilt, wenn ein Gemeinwesen Steuern senkt, damit denen mehr Luft zum Atmen und mehr Kraft zum Handeln bleibt, die diese Mittel erst einmal erarbeiten müssten. Wenn es die Substanz derer schützt, die morgen für die Kredite von heute haften.

Steuern wirken eben nicht nur in eine Richtung – jene des solventen, finanzstarken Staates –, sondern auch in mindestens eine andere: dorthin, wo es Unternehmen gibt, die bereitwillig ihren Anteil zum Wohl und zum Gedeihen der „Community“ beisteuern (!), die aber auch fein differenzieren können zwischen Last und Belastung.

Es ist an der Zeit, dass wir uns wieder bewusst machen: Steuern fallen nicht von selbst in die öffentliche Hand. Sie muss sich diesen Lebensunterhalt in einem Wettbewerb verdienen. Da treten als Herausforderer andere Volkswirtschaften und Staaten an, die die Latte bei Zöllen höher und bei Steuern niedriger legen, um ihren Standort zu stärken – wie die USA.

Da ist die eine Hürde „Digitalisierung“ noch nicht genommen – da kommt die nächste namens „Brexit“. Und darüber hinaus kommt innerhalb des vermeintlichen Selbstläufers EU zusätzlicher Gegenwind auf – etwa aus Italien und Osteuropa – und wirbelt Planungen und Bilanzen durcheinander.

Die Vernunft gebietet die Frage: Ist die aktuelle Steuerlast für Unternehmen noch tragbar? Damit ein „Nein“ nicht einer Ignoranz gesellschaftlicher Verantwortung zugeschrieben wird, sei darauf verwiesen, dass agile Unternehmen dazu beitragen, dass ALLE mehr haben. Nicht nur Anteilseigner und Fiskus, weil sich Gewinne besteuern lassen, Verluste nicht. Sondern auch die Beschäftigten, denen über Löhne und Gehälter und gesicherte Steuereinnahmen ein gutes Auskommen erhalten und die versprochenen Gaben des Staates bezahlbar bleiben.

Was zudem für eine Senkung der Unternehmensteuern spricht: In wachsendem Umfang sind Unternehmen gefordert, ihren eigenen Beitrag zu leisten, um Defizite der Energiewende, der Infrastruktur, des Bildungs- oder Gesundheitswesens auszugleichen – Mittel, die schon jetzt nicht mehr für Investitionen verfügbar sind.

Wenn Wirtschaftswissenschaftler ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum dramatisch revidieren, ist das keine Korrektur eines Rechenfehlers. Sondern es ist ein ernster Hinweis darauf, wie empfindlich das Ökosystem „Volkswirtschaft“ ist.

Das systematische Abschöpfen von Mitteln bei den Unternehmen schädigt dieses Ökosystem. Dieses Überfischen im Geldteich mag steuerpolitisch als einfachster Weg erscheinen. Wohlstand aber ist nicht mit fiskalischem Raubbau, sondern nur mit nachhaltiger Steuerpolitik zu erzielen.

Mindestvoraussetzung dafür ist ein Staat, der dauerhaft Unternehmen die Freiheit gibt, jene Erträge zu erwirtschaften, deren Besteuerung die Zusagen finanziert, auf die seine Bürger vertrauen. Dessen Finanzierung ist schon alles andere als trivial. Doch wir haben ja noch mehr vor: Schätzungsweise fünf Billionen Euro stehen auf dem Preisschild der GroKo-Beschlüsse. Ein Betrag, der nicht bar in der Kasse liegt, sondern geborgt werden muss. Bei den Steuerzahlern.

Im Gegensatz zu Unternehmen, die sich mit Rücklagen auf Risiken und Veränderungen vorbereiten, vertraut unser Gemeinwesen auf Umlagen – und damit eine unterstellte Leistungsfähigkeit der Beschäftigten und Unternehmer. Schon deshalb ist es notabene verfehlt, von „Wahlgeschenken“ zu sprechen: Echte Geschenke brauchen keine Gegenfinanzierung. Nennen wir es ehrlicherweise doch „Wohlstandsteilhabe“. Damit ist wenigstens klargestellt, dass es ohne Wohlstand auch keine Teilhabe gibt.

Dies alles zusammengenommen führt zu der Erkenntnis, dass der ehrbare Kaufmann zum Vorbild für den ehrbaren Staat werden muss. Sollen seine Finanzierungsquellen nicht versiegen, muss ein Prinzip greifen, das Politik und Gesetzgebung in unserer Gesellschaft verankert haben: der verantwortungsvolle und schonende Umgang mit Ressourcen. Daraus folgert, dass der – absehbar: spärlich – nachwachsende Rohstoff Steuereinkommen Hege und Pflege braucht.

Kurzum: Es ist an der Zeit, die Steuerlast für Unternehmen zu senken. Damit sie die Kraft bewahren, auch morgen noch unseren Staat ausreichend zu finanzieren.

Startseite

Mehr zu: Gastkommentar - Niedrigere Unternehmensteuern schaffen mehr Wohlstand für alle

0 Kommentare zu "Gastkommentar: Niedrigere Unternehmensteuern schaffen mehr Wohlstand für alle"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%