Gastkommentar Notheis lässt jeden Anstand vermissen

Ludwig Poullain vermisst beim Investmentbanker Dirk Notheis jegliches Taktgefühl. Notheis' E-Mails seien dreist, ungehobelt und schamlos in Diktion und Wortgebrauch. Mappus wirft er verantwortungsloses Verhalten vor.
  • Ludwig Poullain
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Ludwig Poullain war von 1969 bis 1977 Chef der Westdeutschen Landesbank. Quelle: Dominik Asbach

Ludwig Poullain war von 1969 bis 1977 Chef der Westdeutschen Landesbank.

(Foto: Dominik Asbach)

Mich haben die Erfahrungen meines langen Lebens gelehrt, nichts offenbart das Motiv des Handelns eines Menschen und sein Wesen so sehr wie die Art, sich im gesprochenen oder geschriebenen Wort mitzuteilen. Diktion und Wortschatz geben ihn preis.

Den mannigfaltigen Verletzungen guter Sitten und der Gesetze redlichen Handelns, die die heutige Generation der Bankerzunft während der letzten Dutzend Jahre zugefügt haben, hat nun einer von ihnen, der Deutschland-Chef der US-Investmentbank Morgan Stanley, Dirk Notheis, einen schweren Tort hinzufügt. Die veröffentlichten Schriftsätze, die er per E-Mail an den damaligen Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Stefan Mappus, im Zusammenhang mit dem Kauf von EnBW-Aktien geschickt hat, zeigen die Wesensmerkmale eines Menschen auf: dreist, ungehobelt, schamlos, in Diktion und Wortgebrauch.

Einem Ministerpräsidenten Texte zuzuleiten, die die deutsche Kanzlerin als „Mutti“ titulieren, lässt jegliches Gefühl für Takt und Anstand vermissen.

Nicht nur aus dem Bedrängen des Empfängers, nur ja nicht eine andere Bank als Begutachterin der Kaufpreisforderung heranzuziehen, spricht die bange Sorge, der Plan des Erwerbs könne scheitern und damit seine Honorarforderung relativieren, und die Ungeduld auf einen baldigen Abschluss des Kaufvertrags.

Und da seine Oberen in London und New York Notheis frei gewähren ließen, darf ich schließen, dass sie ebenso wie er an dem schnellen Abschluss und dem üppigen Honorar von zwölf Millionen Euro interessiert waren. Von einer sorgfältigen Beratung, gar von der Fürsorge, dass sein Klient den richtigen Kaufpreis zahlt, spüre ich in den E-Mails keinen Hauch.

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Mappus handelte verantwortungslos
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10 Kommentare zu "Gastkommentar: Notheis lässt jeden Anstand vermissen"

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  • die Sprache dieser Herren ist nur einfach apätpubertär.

  • Wie auch immer: Diese Spezies "Banker" verunglimpft einen ganzen Berufsstand! Viele tausend Berater arbeiten ordentlich, redlich und sind Dienstleister ihrer Kunden - nicht käuflich, nicht machtbesessen!

  • Herr Poullain muss schon sehr an Gedächtnisschwund leiden, wenn er sich erdreistet oberlehrerhaft aufzutreten; er der die West-LB verantwortlich in den Dreck gefahren hat!! Wohlgemerkt: ich verteidige nicht Notheis aber einer der selbst "Dreck am Stecken" hat sollte tunlichst schweigen.

  • Ich finde, wer als Banker selbst im Mittelpunkt eines Skandals stand, weil er mit Rat und Geld zu leichtfertig war, sollte es sich versagen, anderen Bankern fehlenden Anstand vorzuwerfen - auch dann, wenn er in der Sache recht haben mag.

  • Herr Poullain hat völlig recht. Aber bei Herrn Nothais Anstand zu vermissen, geht allerdings zu weit. Mit Anstand hätte dieser Banker niemals Deutschlandchef einer der führenden Produzenten von finanziellen Massenvernichtungswaffen werden können.

  • Herr Poullain bringt es auf den Punkt. Der Reflex den Kommentator auf seine eigenen Verfehlungen zu reduzieren und somit das Geschriebene schlicht zu ignorieren, schützt vor der Ohnmacht mit der man selbst täglich konfrontiert, seine eigenen kleinen "Spielchen" treibt.
    Mich wundert, dass noch keiner hier den "werohneschuldistwerfedenerstensteinspruch" zitiert - nun ich habs jetzt gemacht - ist es nicht wunderbar wie tolerant wir mit all diesen ruchlosen Gesellen und mit uns selbst sind!

  • Diese Leute haben sich durch einen "internen Selektionsprozess" in der Wirtschaft für ihre Aufgaben qualifiziert. Und verkörpern somit die Unternehmenskulturen in Europa.
    Allerdings sind die Selektionskriterien nicht das, was man so in der Uni lernt. Es sind viel mehr die Fächer des Lebens: Intrigen, Seilschaften u.s.w.
    So ist es halt!!!
    PS: Wenn man sich über Moral unterhalten möchte, kann man in die Kirche oder in einer Kneipe gehen.

  • Ich bin etwas verwundert, daß sich ausgerechnet Ludwig Poullain zu Fragen des Anstands bei Bankern äußert; bei Wikipedia kann man nachlesen, daß er in dieser Beziehung offenbar selber Dreck am Stecken hat ("objektiv unerlaubte Vorteilsannahme").

  • Bmehrens, versuchen Sie mal zu differenzieren... Eine solch klare Stellungnahme ist anzuerkennen.

  • Ausgerechnet Herr Poullain - Wenn ich mich richtig erinnere, war die WestLB bereits ab seiner Führung die führende Skandalbank

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