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Gastkommentar Paris stellt sich selbst ins Abseits

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Protektionistische Maßnahmen galten früher als problematisch

Eine ähnliche Ratlosigkeit herrschte am 21. Mai in Frankfurt, als der Zentralbankrat zum ersten Mal nach der Mitterrand-Wahl zusammentraf. Pöhl berichtete von massiven Kapitalströmen aus Frankreich. "Die Leute gehen aus politischen Gründen aus dem französischen Franc heraus. Es könnte sein, dass die Franzosen eine Devisenbewirtschaftung einführen; das würde nicht viel helfen."

Auch am 16. Juni des Jahres, kurz vor der ersten Runde der französischen Parlamentswahlen, die am 21. Juni stattfinden sollten -, hatte sich die Situation ebenfalls nur scheinbar entspannt. Pöhl stufte die inzwischen eingeleiteten protektionistischen Aktionen der italienischen Regierung als eher "problematisch" ein und die französischen Maßnahmen zur Devisenbewirtschaftung als "nicht erfreulich".

Im Protokoll der Sitzung der Banker ist festgehalten: "Die Wirksamkeit dieser französischen und italienischen Maßnahmen ist nur temporär. Die hohen Zinsen in Frankreich kann man sich nicht als dauerhaft vorstellen. Sie wollen einen expansiven Kurs verfolgen, dann bekommen sie höhere Inflationsraten, aber dann passen die Zinsen nicht mehr. Wir haben im EWS die Ruhe vor dem Sturm. Hier muss etwas passieren. Wir haben uns bisher stillgehalten wegen der Wahlen in Frankreich, wir streben aber möglichst bald eine Änderung der Wechselkurse gegenüber dem französischen Franc und der italienischen Lira an. Die Belgier werden sich anschließen. Die Frage ist nur: wann und wie?"

Pöhl berichtete seinen Kollegen von einem Gespräch mit dem französischen Notenbankchef Renaud de La Genière. "Er fragte mich, was besser wäre: die Freigabe des Wechselkurses oder ein Realignment. Ich habe ihm gesagt, dass aus ökonomischer Sicht von unserem Interesse her eine Suspendierung die richtige Maßnahme wäre."

Er führte dann weiter aus: "Ich würde sagen, die Suspendierung wäre das Ende des EWS. Ich bin darüber nicht extrem traurig. Ich muss sagen, dass dieses eine Entscheidung ist, die in erster Linie die Regierung zu treffen hat. Die Dollar-Entwicklung ist von größter Relevanz. Wenn man keine Freigabe der Kurse ins Auge fasst, dann sollte man für den Frühherbst ein Realignment ins Auge fassen."

Nach einigen Monaten des Pokerspiels mit der Bundesregierung entschied sich Frankreichs Regierung unter François Mitterrand tatsächlich für eine Änderung des Franc-Kurses im Oktober 1981. Zwei weitere Abwertungen folgten, im Juni 1982 sowie im März 1983. Um die Stellung des Franc zu retten, setzte Mitterrand nach langem Ringen mit seinem Gewissen und der Sozialistischen Partei auf die wirtschaftspolitische Orthodoxie. Damit beginnt der lange französische Vormarsch hin zur Währungsunion - auch zum Mai 2012, zur neuen Begegnung mit der Realität.

Der Autor ist erreichbar unter: [email protected]

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2 Kommentare zu "Gastkommentar: Paris stellt sich selbst ins Abseits"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Merkwürdig wie die Sachen anderes aussehen ob sie von einem deutsch-nationalen oder von einem normalen Deutsche beobachtet werden!
    Richtig wäre: Berlin stellt sich selbst ins Abseits!

  • Das Wichtigste in diesem Artikel ist der Hinweis auf den Euro-Brandstifter Helmut Schmidt, der schon Anfang der Achtziger seinen Krieg gegen die damalige Bundesbank begann, indem er mit Frankreich zusammen Bond haben wollte. Damit hätte er die Bundesbank in ihrer Unabhängigkeit ausgehebelt - ein immerwährendes Ziel dieses willensfanatischen und überforderten Keynesianer. Heute bezichtigt der die Bundesbank als "reaktionäre Nationalisten". Entweder ist dieser Mann aus der Altherrenriege mittlerweile völlig vertrottelt, leidet an Altersstarrsinn, oder die ihm bisweilen noch entgegengebrachte Hochachtung ist eine Medienhype geschuldet - gute Rhetoriker haben es schließlich leicht in Deutschland - auch in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts!

    Wenn die Verantwortlichen für das Euro-Desaster festgemacht werden, dann gehört Helmut Schmidt mit auf die Anklagebank!

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