Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastkommentar Riesige Investitionen in Energieeffizienz wie in erneuerbare Energieträger sind für Polen unverzichtbar

Polen steht vor großen Herausforderungen. Die Regierungspartei PiS muss dafür sorgen, dass die Wirtschaft die nächste Entwicklungsstufe erreicht.
  • Beata Javorcik
Kommentieren
Die Autorin ist Chefvolkswirtin der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Quelle: EBRD [M]
Beata Javorcik

Die Autorin ist Chefvolkswirtin der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD).

Polen wird oft als Vorbild des Übergangs zur Marktwirtschaft gepriesen. Hier nahm der Untergang des Kommunismus in Zentraleuropa 1989 seinen Ausgang, und Polen hat seine Führungsposition stets beibehalten. Fortschritte und Erfolge sind unbestritten. Aber zu Selbstzufriedenheit gibt es weder Anlass noch Zeit. Nach der Wahl von Sonntag steht die Regierung vor dringenden Herausforderungen.

Das anhaltende Wirtschaftswachstum hat Polen seinem dynamischen Privatsektor und dem engmaschigen Netzwerk von Kleinbetrieben zu verdanken. Wo vor 30 Jahren staatliche Industriemonster ein wirtschaftliches Brachland geschaffen hatten, gibt es heute mehr als 1,5 Millionen registrierte Betriebe. Im Gegensatz zu anderen Wendeländern hat Polen eine einseitige Abhängigkeit von nur einer Branche, etwa der Autoindustrie, vermieden.

Diese Fragmentierung weist aber auch auf eine Schwäche der polnischen Wirtschaft hin: Die meisten Firmen arbeiten auf niedrigem technologischem Niveau. Rund 95 Prozent der Privatbetriebe haben weniger als neun Beschäftigte. Ihre Fähigkeiten zu Innovation, Zugang zu Risikokapital und Wachstum sind naturgemäß eingeschränkt. Der Zuwachs an Produktivität hat sich in den letzten Jahren deutlich verlangsamt.

Hier muss Polen Schritte unternehmen, seine Wirtschaft auf die nächste Entwicklungsstufe zu heben: Die Integration in weltweite Liefer- und Handelsströme ist gelungen. Nun muss sich das Land bei Produktivität, Innovation und hochwertigen Gütern vorarbeiten.

Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben betragen nur 50 Prozent des EU-Durchschnitts, bei Innovation und wissensintensiven Aktivitäten liegt die Wirtschaft auf Platz 23 von 28 EU-Staaten, und das Geschäftsklima bleibt durch staatliche Großbetriebe ohne Aussicht auf Privatisierung verzerrt.

Damit Innovation erfolgreich sein kann, müssen mehrere Bedingungen erfüllt werden: Klare und unterstützende Bestimmungen sind ebenso wichtig wie ein lokaler Kapitalmarkt mit ausreichender Liquidität und Risikobereitschaft. EBRD-Untersuchungen zeigen, dass die Abstimmung zwischen Staat und Privatwirtschaft weit hinter Vorbildern wie Finnland oder Israel zurückbleibt.

Erfolge im Export

Polen ist ein erfolgreicher Exporteur geworden. Lange aber war vielleicht die erfolgreichste Ausfuhr die Bereitstellung von Humankapital in Form von Arbeitskräften. Während polnische Arbeitskräfte die Wirtschaft in anderen Ländern ankurbelten, flossen Milliarden an Überweisungen zurück nach Polen, das aus einem Land mit zweistelliger Arbeitslosenrate zu einem Land mit Arbeitskräftemangel wurde.

Nach Berechnungen der EU-Kommission wird die polnische Bevölkerung in den kommenden 50 Jahren um 19 Prozent schrumpfen. Parallel dazu wird der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung um mehr als 15 Prozent zurückgehen. Das bedeutet massiven Druck auf den Arbeitsmarkt und das Pensionssystem.

Polen ist darauf nicht vorbereitet. Der Arbeitsmarkt ist weiter straff segmentiert zwischen Voll- und Teilzeitbeschäftigten. Die Erwerbsquote unter Frauen, Jungen und Älteren ist unterdurchschnittlich. Die Herabsetzung des Rentenalters mag populär sein. Sie zeigt aber, dass sich die Politik der Tragweite der Herausforderung erst bewusst werden muss. Was das Land braucht, ist eine Strategie, die Sozial- und Pensionszahlungen mit fiskalischer Disziplin verbindet, um die starke budgetäre Position des Landes zu sichern.

Nur so kann auch der Spielraum geschaffen werden, um sich der dritten Herausforderung zu stellen: 80 Prozent der Elektrizität, die das Land verbraucht, stammt aus Kohlekraftwerken. Polen ist eine der zehn größten Kohleabbaunationen der Welt. Die Verringerung der CO2-Emissionen ist nicht nur eine Frage der Einhaltung internationaler Verpflichtungen wie etwa der EU-Klimaschutzziele.

Sie ist – zunehmend – auch eine Frage der Volksgesundheit: Polen gehört zu den Ländern mit der höchsten Luftverschmutzung in Europa, und nach Berechnungen der European Environment Agency gehen statistisch 1.500 Lebensjahre unter 100.000 Bewohner durch tödliche Atemwegserkrankungen verloren.

Polen muss das Problem umfassend und umgehend angehen. Riesige Investitionen in Energieeffizienz ebenso wie in erneuerbare Energieträger sind unverzichtbar. Nie waren die Chancen besser: Grüne Energie ist heute wettbewerbsfähig, dank der EU-Energiedirektive 2018 bestehen klare Rahmenbedingungen, und mit Wind und Sonne hat Polen zwei starke Energieträger. Die Wahlen in Polen haben klare Verhältnisse geschaffen. Das bedeutet auch klare Verantwortlichkeiten.

Mehr: Warum der polnische Wirtschaftsminister auf hohe EU-Fördergelder hofft.

Startseite

Mehr zu: Gastkommentar - Riesige Investitionen in Energieeffizienz wie in erneuerbare Energieträger sind für Polen unverzichtbar

0 Kommentare zu "Gastkommentar: Riesige Investitionen in Energieeffizienz wie in erneuerbare Energieträger sind für Polen unverzichtbar"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.