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Gastkommentar Riskante Verschuldung: Kredite in schwierigen Zeiten

Die privaten Verschuldungsquoten sind im Euro-Raum zurückgegangen. Entscheidend ist für die Krisenfestigkeit aber nicht nur die Schuldenhöhe.
  • Monika Wohlmann und Manuel Rupprecht
24.11.2019 - 16:18 Uhr Kommentieren
Monika Wohlmann ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der FOM Hochschule in Düsseldorf. Manuel Rupprecht ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Münster.
Die Autoren

Monika Wohlmann ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der FOM Hochschule in Düsseldorf. Manuel Rupprecht ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Münster.

Die konjunkturellen Risiken haben zugenommen, in Deutschland wie im Euro-Raum. Ähnlich niedrige Wachstumsraten wie derzeit prognostiziert gab es in Deutschland zuletzt 2012/13 – auf dem Höhepunkt der Euro-Krise. Damals hatte die hohe Verschuldung des Privatsektors maßgeblich zur Verschärfung der Situation im Euro-Raum beigetragen.

Doch wie sieht es heute aus? Welche Risiken gehen von der Verschuldung privater Haushalte und Unternehmen in Zeiten eines Konjunkturabschwungs aus?

Der Rückgang privater Verschuldungsquoten im Euro-Raum seit Krisenausbruch signalisiert vordergründig Entwarnung. Zudem versprechen eine strengere (makroprudenzielle) Aufsicht und ihre Berücksichtigung im Europäischen Semester eine bessere Überwachung. Entscheidend für die Krisenfestigkeit ist aber nicht nur die Schuldenhöhe, sondern auch deren Struktur. Vor Krisenbeginn bestand ein Großteil der Verschuldung aus langfristigen Bankkrediten. Und heute?

Zunächst zu den Unternehmen: Hier lassen sich im Wesentlichen drei Veränderungen beobachten. Erstens: Der Kredit hat seit Krisenausbruch spürbar an Bedeutung verloren, Anleihen und Handelskredite haben dagegen hinzugewonnen. Anleihen machen inzwischen rund 10 Prozent der Gesamtverschuldung aus – fast doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Während dieses Instrument vor allem von großen Unternehmen verstärkt genutzt wurde, griff der Mittelstand zunehmend auf Handelskredite zurück.

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    Zweitens: Die Gläubigerstruktur hat sich verschoben. Versicherungen und Investmentfonds spielen eine größere Rolle als zuvor. Damit stieg die Bedeutung der sogenannten Schattenbanken als Geldgeber, während Banken Federn lassen mussten.

    Und drittens: Die Laufzeitstruktur hat sich zugunsten langfristiger Verträge verschoben, über alle Finanzinstrumente hinweg. Im Kreditbereich ging dies mit einer Erhöhung von Verträgen mit langfristiger Zinsbindung einher.

    Banken müssen Geschäftsmodelle anpassen

    Auch die privaten Haushalte haben versucht, sich das niedrige Zinsniveau über eine Verlängerung der Laufzeiten zu sichern. Bei Bankkrediten, die nach wie vor den weit überwiegenden Teil der Schulden ausmachen, hat eine Verschiebung weg von kurz oder variabel verzinslichen Krediten hin zu längeren und festverzinslichen stattgefunden: Der Anteil variabel verzinslicher Kredite im Neugeschäft lag 2008 noch bei 40 Prozent, 2018 betrug er nur noch 20 Prozent.

    Mit dem Wechsel in längere Laufzeiten hat sich – anders als bei den Unternehmen – die Abhängigkeit der Haushalte vom Bankensektor im langfristigen Bereich sogar noch weiter verstärkt. Bei der kurzfristigen Verschuldung hat hingegen die Bedeutung des nichtfinanziellen Privatsektors als Gläubiger stark zugenommen, zulasten der Banken. Insgesamt macht die kurzfristige Verschuldung allerdings nur einen kleinen Anteil an der Gesamtverschuldung der Haushalte aus.

    Welche Schlussfolgerungen lassen sich hieraus ziehen? Mit der Stärkung der Bankensystemstabilität und deren vereinheitlichter Überwachung im Rahmen der Bankenunion wird der engeren Verflechtung zwischen privaten Haushalten und dem Bankensektor bereits Rechnung getragen.

    Nichtsdestotrotz wären es vor allem Banken, die im Falle eines Konjunkturabschwungs mit etwaigen Zahlungsschwierigkeiten oder Kreditausfällen der Haushalte konfrontiert würden. In Zeiten chronisch sinkender Zinsmargen sind das schlechte Nachrichten, denn es fehlt an Möglichkeiten, weitere Verluste abzufedern.

    Banken sind also auch vor diesem Hintergrund gut beraten, ihre Geschäftsmodelle den geänderten Rahmenbedingungen anzupassen. Sollten Unternehmen infolge des Abschwungs in Zahlungsverzug geraten, wäre dies hingegen auch für die sogenannten Schattenbanken ein Problem. Schon heute ist eine erhöhte Risikoballung in den Portfolios dieser Akteure zu erkennen.

    Das günstige Finanzierungsumfeld an den Kapitalmärkten wurde in den letzten Jahren auch von bonitätsschwächeren Firmen zur Emission von Anleihen genutzt, die dann wiederum verstärkt von Versicherungen und Investmentfonds erworben wurden.

    Konjunkturelle Risiken können zudem auch zu wechselseitigen Effekten im privaten Unternehmens- und Haushaltssektor führen: Einerseits können private Haushalte unter einer geringeren (Handels-)Kreditgewährung durch Unternehmen leiden, andererseits wären Unternehmen durch Zahlungsrückstände oder -ausfälle negativ betroffen. Auch wenn keines dieser Risiken angesichts der robusten Arbeitsmarktsituation Realität wird, ist Vorsicht geboten.

    Mehr: Im dritten Quartal 2019 schafft es Deutschland dank soliden Konsums und Exporten auf ein Mini-Wachstum und entgeht damit knapp einer Rezession.

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