Gastkommentar „Russland will umarmt werden“

Putin hat sich durch seinen autokratischen Führungsstil stärker denn je von den westlichen Demokratien distanziert. Die Antwort Europas darauf darf aber nicht Isolation heißen, fordert der Autor Viktor Jerofejew.
  • Viktor Jerofejew
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Polizisten kesseln im russischen St. Petersburg Demonstranten ein. Quelle: dpa

Polizisten kesseln im russischen St. Petersburg Demonstranten ein.

(Foto: dpa)

Wozu reisen Sie nach Russland, Frau Bundeskanzlerin? Da lebt doch ein wildes Tier, der frischgebackene Diktator eines riesigen Landes! Er ernährt sich vom Blut der unschuldigen Mädchen der Musikgruppe Pussy Riot! Er mehrt die Anzahl der politischen Gefangenen aus dem Kreis der sympathischen jungen Moskauer, die der russischen Polizei Widerstand geleistet haben. Denken Sie nur daran, wie er durch das leergefegte Moskau in den Kreml fuhr, um sich für eine zweite Amtszeit krönen zu lassen, als wäre er nicht der neue Präsident, sondern ein Eroberer!

Sie, Frau Bundeskanzlerin, fliegen nach Moskau, dessen halbe Einwohnerschaft, unsere besten Leute, Putin feindselig gesinnt ist und Sie nicht verstehen wird. Denn für viele Moskauer ist er ein Präsident, der sogar durch gefälschte Wahlen, also illegitim, an die Macht kam! Geben Sie Ihr Flugticket zurück, und bleiben Sie in Berlin, Sie haben dort auch so schon einen Haufen Probleme, nicht zuletzt mit Europa und dem Euro.

So ungefähr könnte Wladimir Putin denken, wenn er losfährt, um die deutsche Kanzlerin abzuholen. Er weiß sehr gut, dass er in Europa unbeliebt ist, dass Europa endgültig von ihm enttäuscht ist. Ein deutscher Fernsehregisseur, der einen Film zu Putins Sechzigstem gemacht hat, erzählte mir, der russische Chef habe ihn gefragt: "Haben Sie denn keine Angst, mit mir zu tun zu haben? Fürchten Sie nicht um Ihren guten Ruf?" Wir leben in einer postmodernen Welt, eine andere haben wir nicht. In dieser Welt können selbst Diktatoren über ihre eigene Diktatur spotten und dabei ihre diktatorischen Eigenschaften voll und ganz bewahren.

Die Liebe der Europäer zu Putin oder zumindest der Respekt vor ihm hat eine deutliche Abkühlung erfahren, und das generiert menschenfressende Goya'sche Gestalten. Wir kommen tatsächlich aus einem großen Land von Menschenfressern, aus Stalins Sowjetunion, in der die Menschenfresser nicht nur Millionen friedlicher Einwohner, sondern auch sich gegenseitig gefressen haben. In unserem Land hat man die Besten umgebracht. Auf den Trümmern der UdSSR sind gejagte, verschreckte Spießbürger und ein Häuflein nicht totzukriegender Intellektueller übrig geblieben. Nichtsdestoweniger haben sie ihre letzten Kräfte mobilisiert, um das Regime der Utopie abzuwerfen und ein neues Leben anzufangen.

Der Revolution fehlten die politischen Flügel
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12 Kommentare zu "Gastkommentar: „Russland will umarmt werden“"

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  • Das Erschütternde an diesem Artikel („Russland will umarmt sein“) ist nicht, dass da wieder einmal einer eine Kanonade gegen Putin loslässt, sondern dass das Handelsblatt dem Raum gibt. Wenn der meterhohe antirussische Dung aus den Zeiten des Kalten Krieges an Biertischen immer noch Auswüchse treibt, ist das eine Sache, eine andere ist es, wenn ein ernst zu nehmendes Magazin, wie das Handelsblatt, derlei verbreitet. Wenn man es geopolitisch überlegt dann gibt es entweder ein Europa bis zum Ural, metaphorisch gesprochen (tatsächlich reichen die Pfade europäischer Kultur bis Wladiwostok), oder es gibt Russland auf der einen Seite und auf der anderen Seite ein Resteuropa als politisches Protektorat der USA, das an allen Kriegen und imperialen Scheußlichkeiten dieser taumelnden Supermacht teilzunehmen hat. Der Alptraum amerikanischer Geostrategen ist ein freundschaftliches Verhältnis zwischen dem westlichen Europa und Russland. Daher richtet sich Hauptstoßrichtung der medialen Streitkräfte der USA, auch nach dem Zerfall der SU, gegen Russland. Aber es läge sehr im Interesse von uns Resteuropäern wenn europäische Medien nicht länger, als nützliche Idioten, an diesem Feldzug teilnehmen.
    Berndt Bleckmann, Gilgenberg

  • Der Autor agiert höchst polemisch, dem mainstream der westlichen Medien entlang. Fazit: journalistischer Wert des Beitrags gleich null, man hat daraus nichts gelernt und nichts erfahren...

  • Dieser "Artikel" liest sich wie das Pamphlet eines Geistesgestörten. Sinnfrei, aggressionsgeladen und destruktiv, fast schon debil. Sowas läßt sich auch nicht mehr mit erhöhtem Wodka-Genuß entschuldigen.

    Schade nur, dass das Handelsblatt solchen Chaoten auch noch eine Plattform zur Verbreitung Ihrer selten-dämlichen Propaganda gibt. Unter Niveau stelle ich mir etwas anderes vor.




  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Erst denken, dann schreiben !

    Auch in den USA klafft eine gewaltige Lücke zwischen Arm und Reich. 30 Millionen Amerikaner leben in Armut, kaum Sozialsysteme, kaum medizinische Versorgung für die meisten Amerikaner. Eine Infrastruktur die Zusammenbricht.
    In den USA dürfen dem Präsidenten auf einer Pressekonferenz nur vorher genehmigte Fragen gestellt werden.

    Bevor Sie hier beim Russlandbashing einstimmen, sollten Sie sich mal gründlichst vor Ort in beiden Nationen umsehen...Sie werden sehr überrascht sein.

    Ich erkenne an, was Russland als junge Demokratie in nur 20 Jahren geschafft hat.

  • Wow. Sie haben sich aber so was in den Medien informiert!

  • Industiearbeiter hat sicheres Job,viel bessere Bezahlung,bessere Gesundheitsystem,Stabilität,mehr Möglichkeiten sich Weiterentwickeln,weniger Kriminaliät,weniger Korruption.Besser funktionierende Staat.

    Man muss Russland nicht mit Deutschland vergleichen.

    Man muss Russland 2012 mit Russland 1999 vergleichen und dann kann man sehen was in Wirklichkeit Putin gemacht hat.Da sieht man sehr deutlich Unterschiede.

    Man muss auch verschtehen,dass deutsche Kritik an Russland,zeigt für meisten Russen,das Putin alles richtig macht.
    Schlimm wäre,wenn Merkel Putin gelobt hätte.

  • Der ganze russiche Reichtum liegt in den Händen von wenigen Putin treuen. Die Schere zwischen reich und arm in Russland ist gigantisch. Schade eigentlich. Das Volk hätte viel Potential, wenn es nur die Chanche bekämme.

  • GGuten Tag Herr Russland-Freund, der liebe gütige Despot Wladimr P. hat nach Ihrer Meinung dem Volk eine Wohltat verabreicht- wie schön!! Nur was hat denn der Indutriearbeiter z.B. im Ural davon oder ""der Ex- Kochosbauer " haben die etwa davon mehr Wohlstand??
    Ich glaube Sie verwechseln Gemeinwohl wg. Staatseigentum der Rohstoffrecourcen (also amerikanische Rohstoff- und Bankkartelle nebst Oligarchen zugunsten des Staates Russland enteignet)mit dem Anspruch dieses selbstherrlichen Zarengnoms. Er ist und bleibt was er schon immer war: ein widerlicher Autokrat- der von sich denkt, dass er der Klügste ist.

  • Putin hat das Verbrechen begangen, die anglo-amerikanischen Rohstoff- und Bank-Kartelle mitsamt ihren Marionetten, den "Oligarchen" faktisch aus Rußland rauszuwerfen und die Ausplünderung des Landes zu verhindern. Das ist natürlich unverzeihlich! Zumal er jetzt auch noch den US/Nato-Angriffskriegen die Unterstützung verweigert.
    Das Handelsblatt ist als System-Medium natürlich auf "Linie".

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