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Gastkommentar „Social Media hat die Langeweile getötet“

Wir haben ein Paralleluniversum geschaffen, in dem wir außerhalb unseres Ichs präsent sein müssen, um uns im digitalen Strom zu behaupten, sagt der Online-Pionier Ibrahim Evsan. Damit haben wir die Langeweile verbannt.
  • Ibrahim Evsan
9 Kommentare
Ibrahim Evsan zählt zu den wichtigsten Web-Gründern. Bekannt geworden ist er durch seine Plattform Sevenload. Sein neues Projekt heißt „Social Trademarks“, eine Art VIP-Service für die persönliche Reputation im Netz. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH

Ibrahim Evsan zählt zu den wichtigsten Web-Gründern. Bekannt geworden ist er durch seine Plattform Sevenload. Sein neues Projekt heißt „Social Trademarks“, eine Art VIP-Service für die persönliche Reputation im Netz.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Wir haben uns eine zweite Welt geschaffen, außerhalb unseres eigenen Ichs, die digitale Welt aus Bits und Bytes. Aber das interessiert uns nicht mehr. Es funktioniert. Der internet-normierte Mensch, wir nennen ihn Fluid, tut nach Watzlawick alles, um „nicht nicht zu kommunizieren”. Wir lassen ein zweites Ich auf die Menschheit los, das sich durch unsere Online-Arbeit mit digitalem Leben füllt. Wir befüllen die „Maschine” Internet mit unseren Daten. Dabei lernen wir, die Maschine zu bedienen ohne dabei die Algorithmen zu verstehen. So handeln wir auch im Internet, besonders in Social Media. Die Maschine wird unser Lebensraum.

Wir haben uns verlängert um das Internet. Die Hülle des Menschen, die ihn überall hin mit verfolgt. Schleichend, und ohne dass wir es uns bewusst sind, haben uns Maschinen die Arbeit abgenommen, aber auch die Arbeitswilligen zusammen gebracht. Crowdsourcing – die Verteilung der Aufgaben ins Netz ist heute für die fluiden Nutzer selbstverständlich.

Wie immer im Leben müssen wir zwischen dem Eigenbild und dem Fremdbild unterscheiden. Das Eigenbild ist ein Abbild dessen, was wir in uns und um uns herum erblicken, alles, was wir uns geschaffen haben, um zu die Persönlichkeit zu werden, die wir sind. Das Netz kategorisiert uns, und wir helfen ihm dabei (z.B. Klout.com). In jeder Form der Kommunikation argumentieren wir von diesem Eigenbild aus, wir können gar nicht anders. In der direkten Kommunikation „face-to-face”, erkennen wir die Reaktionen auf das was wir sagen, was wir sind und können reagieren, wenn wir missverstanden werden. In der digitalen Welt haben wir keinerlei Kontrolle mehr über das, was von uns wahrgenommen wird.

Aus Selbstbestimmung wird Fremdbestimmung
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9 Kommentare zu "Gastkommentar: „Social Media hat die Langeweile getötet“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich habe Ibrahim Evsan beim Kölner medien Forum live erlebt und fand das nicht erbärmlich. Bald starte ich mit einem eigenen Blog und hoffe ehrlich gesagt auf konstruktivere Kommentare.

  • Das Niveau von Handelsblatt wird immer erbärmlicher, ich muss wohl mein Abo doch noch kündigen und zur FTD wechseln.

  • So ein Blödsinn :) - Ich war heute noch zur Gast beim Vorstand :)

  • So ein Blödsinn hab ich ja schon lange nicht mehr gelesen, wieso erhält so jemand wie Evsan so eine Plattform? Traurig für Handelsblatt!!

    Ausserdem ist der Herr doch schon längst unten druch bei Burda, den würden sie nicht mal mit der Zange anfassen.

  • Ich verstehe die Publikationspolitik des Handelsblatt nicht. Wie kann man jd. der offensichtlich null Ahnung von Kommunikations- und Medienwissenschaft einen solchen Artikel schreiben lassen? Widersprüche ohne Ende, eine Missinterpretation des armen Herrn Watzlawik, sprachliche Diskrepanzen sowie eine unfundierte Aneinanderkettung von textbausteinartigen Thesen reißen das in aller Regel vertretbare Niveau des Handelsblatt massiv in den Keller. Offensichtlich geht es hier wieder mal nur um Traffic und nicht um Nachhaltigkeit. Herr Evsan, der sein Geld mit einem Youtube Klon verdient hat und nun von Burda supportet und auf Konkressen herumgereicht wird, hat sicher einen gewissen Respekt verdient. Allerdings sollte er zukünftig vermeiden, sich im Kontext fundierter wissenschaftlicher Disziplinen zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Schuster bleib bei deinen Leisten. Ein weiser Spruch, der, sofern befolgt, die Diskrepanz zwischen Fremd- und Selbstbild in einem vernünftigen Rahmen hält.

  • Selten so ein zusammenhangloses Gelaber gelesen, schaut sich das kein Redakteur vorher an?

  • Ist doch ganz einfach.

    Abschalten.

  • Natürlich kann man ausrufen "Heureka - wir haben die Langeweile getötet". Doch man kann den Sachverhalt auch ebensogut mit dem "totschlagen von Zeit" umschreiben. Wir schlagen also eigene (und fremde) Lebenszeit tot in dem wir multiplizierte Informationen tauschen.

    Ob dies auf Dauer Bestand haben wird wage ich zu bezweifeln. Denn hier fehlt ja eigentlich ein objektiv nachvollziehbarer Nutzen oder Vorteil.
    Im Rahmen einer wirklichen Freundschaft hat man nämlich die Möglichkeit auch Dinge anzusprechen die "schwierig" sind. Hier gibt es folglich auch eine echte Hilfe bei der Lösung von (allen möglichen) Fragen oder Problemen.
    Und an diesem Punkt verläuft die Trennlinie zwischen wirklicher Substanz und Smalltalk. Substanz nutzt/hilft - Smalltalk ist artige Zeitverschwendung. Genaugenommen nur die Simulation von Kommunikation.
    Ja und das wird auf Dauer ebenfalls langweilig. Dann ertappen wir uns als Nutzer eben dabei daß wir immer mehr "Kontakte" degradieren um fortan von deren Meldungen verschont zu sein. Wir fragen uns selbst wer überhaupt noch unsere Eigenen Statusmeldungen liest. Manchmal klicken wir artig "gefällt mir" weil uns der Betreffende einfach leid tut. Kurzum - die Sache verkommt zu nichtssagenden Ritualen die man dann früher oder später vielleicht als so lästig empfindet daß man den Account löscht oder einfach nicht weiter pflegt.
    Um ehrlich zu sein: Ich bin bereits an diesem Punkt angekommen. Mein Account ist nicht mehr als ein Hinweis darauf wie man mich online und per Telephon erreichen kann. Von den "Facebook-Freunden" hat übrigens noch keiner angerufen - und mailen tu´ich eigentlich auch nur mit den Leuten mit denen ich schon vorher enger befreundet war. Kann man mit der Wahrheit daß sich das Gros der Menschen nicht wirklich für einen interessiert - kann man auch gut ohne Social Media leben.
    Aber vielleicht ist das ja der springende Punkt: Social Media als eine Art Simulation sozialer Interaktion die eigentlich fehlt.

  • Konditionierung durch technische und kulturelle Institutionen - jetzt auch durch die Innovation Social Media - ist kein neues Phänomen. Da stimme ich Ibrahim Evsan nicht zu. Wir lassen uns an der Oberfläche durch unsere Gesellschaft, Kultur, die uns umgebende Ideologie und Propagande (v.a Werbung), durch unsere Nationalität, durch Religion, durch unsere Sozialisation und Erziehung konditionieren und prägen und verjagen unsere Langeweile und Leere. Nun kommt eine neue kulturelle und technische Entwicklung hinzu: Social Media. Daneben gibt es noch tiefere Konditionierungen wie unser Streben nach Eigentum, Prestige, Macht und Dominanz. Und das können wir ja auch mit Social Media ganz gut ausleben.
    Jeder hat aber die Wahl (auch wenn es schwierig ist) sich seiner Langeweile und Leere zu stellen, und erst dann kann richtige Kreativität entstehen (nicht im Sinne einer Kreativität der Kommunikations- und Werbebranche, die eher der Hirnerweichung gleicht). Da stimme ich mit Ibrahim Evsan überein.

    Benjamin Frick

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