Gastkommentar Solarbranche muss sich dem Markt stellen

Billigkonkurrenz, Preisdruck, fehlende Wettbewerbsfähigkeit: Was heute in der Solarindustrie geschieht, hat die Textilbranche längst hinter sich, schreibt deren Verbandschef. Staatsprotektionismus hilft nicht.
  • Peter Schwartze
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Deutschland in den 60er-Jahren: Die Textil- und Bekleidungsindustrie made in West Germany bietet einer Million Menschen Beschäftigung. Aber dann beginnt die Globalisierung der Branche. China wird im Laufe weniger Jahrzehnte zum größten Textilproduzenten. In Deutschland schließen Tausende Betriebe. Hunderttausende verlieren ihre Arbeit.

Was vor 40 Jahren in der deutschen Textilindustrie geschah, das erleben wir heute in der Solarbranche. China schafft es, Solarzellen in guter Qualität deutlich günstiger anzubieten als deutsche Hersteller. Aber wir fragen uns nicht, wie wir besser werden können. Sondern führende Produzenten, allen voran Frank Asbeck, der Chef von Solarworld, fordern Strafzölle. In den USA wurde sein Ruf bereits erhört. Brüssel soll noch vor der Sommerpause nachziehen.

Peter Schwartze ist Präsident des Gesamtverbands Textil und Mode. Quelle: PR

Peter Schwartze ist Präsident des Gesamtverbands Textil und Mode.

(Foto: PR)

Rückblickend frage ich mich: Haben wir damals etwas grundlegend falsch gemacht? Hätten wir in den 60er-Jahren in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie mit politischen Mitteln den Strukturwandel verhindern müssen? Haben wir die Herausforderung verschlafen? Die Antwort ist ein klares Nein. Gegen die Kräfte des Marktes konnten und wollten wir nicht gewinnen. Und ich sage voraus: Auch die Solarindustrie wird den Kampf verlieren - obwohl der Markt durch milliardenschwere Subventionen erst geschaffen wurde und am Leben erhalten wird. Deutschland leistet sich das seit 20 Jahren. Dennoch ist die erhoffte Wettbewerbsfähigkeit immer noch nicht absehbar, wie das Ringen um die Förderung zeigt.

Die Solarzellen aus Deutschland sind nicht besser als solche aus China. Und bei gleicher Qualität kauft der Häuslebauer das günstigere Produkt. So macht der Verbraucher es bei Kleidung schon seit Jahrzehnten. Protektionistische Maßnahmen können diese Entwicklung allenfalls verzögern. Und solange sie in Kraft sind, schaden sie allen Unternehmen, die ungehindert auf der ganzen Welt verkaufen wollen, denn Protektionismus provoziert Gegenmaßnahmen.

Unsere Industrie hat übrigens zu keinem Zeitpunkt Subventionen eingefordert und erhalten. Heute zählt die deutsche Textil- und Modeindustrie 120.000 Beschäftige, weltweit beschäftigen unsere Unternehmen rund 400.000 Menschen. Der Strukturwandel liegt hinter uns. Wir verkaufen technisch anspruchsvolle Produkte in die ganze Welt - auch nach China. Viele Nachbarstaaten beneiden uns um unsere nicht mehr so große, aber bestens aufgestellte Industrie.

Auch die Solarindustrie kann gegen chinesische Anbieter bestehen. Wenn Herr Asbeck und seine Kollegen mit ihren Produkten die Verbraucher überzeugen. Mit Forschung und Entwicklung zum Beispiel. Gleichzeitig muss der Gesetzgeber für gute Standortbedingungen sorgen. Ein wichtiges Element dafür ist eine günstige, wettbewerbsfähige Stromversorgung. Dafür sollten sich alle Unternehmen einsetzen, wenn sie ihre Produkte dauerhaft in Deutschland herstellen wollen. Es ist nicht nachhaltig, wenn die Solarindustrie mit Hilfe des Staates über Wasser gehalten wird - und dafür andere Branchen die Zeche bezahlen sollen.

Der Autor ist erreichbar unter: gastautor@handelsblatt.com

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12 Kommentare zu "Gastkommentar: Solarbranche muss sich dem Markt stellen"

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  • Genau richtig! Warum schlagen wir die Chinesen nicht mit ihren eigenen Waffen? Die EU sollte auch nichts dagegen haben, wenn zwischen europäischem Binnenmarkt und Outsidern differenziert wird. Die Konzentration der Politik auf die Einspeisevergütung ist doch viel zu kurz gedacht. Hier geht es um Industriepolitik. Kritiker, die sagen, PV-Module günstig im Ausland einzukaufen, wäre rational, springen zu kurz. Im Ausland können wir beinahe ALLES günstiger einkaufen. Leider verdiente dann hier in Deutschland auch keiner mehr Geld, weil die meisten arbeitslos würden. Die Chinesen greifen sich eine Branche nach der anderen heraus und rollen sie auf. Fairerweise muss man sagen, dass das nicht nur die Chinesen machen, nur sie machen es am systematischsten. Die Systematik - das ist eigentlich eine deutsche Stärke...

  • So verfährt seit langem Kanada,um heimische Produkte am Markt zu halte.Dies sit in D leider nicht möglich.Diese "Local Conten"Regelung hat Brüssel verboten!

  • Es wird in Deutschland zu viel diskutiert ohne über Lösungen nachzudenken. deutsch Autos können nicht ohne Strafzölle in china importiert werden und selbst eine Produktion in china ist nur bei einer 50% Beteiligung eines chinesischen Staatskonzerns möglich. Also sollte es Deutschland wie Italien machen: Einspeisevergütung für Solarmodule aus nicht europäischer Fertigung wird verringert, die Einspeisevergütung für Module aus europäischer Herstellung beibehalten. Noch besser wäre es in meinen Augen die Einspeisevergütung ausschließlich für Solarmodule aus europäischer Fertigung zu gewähren. So einfach ließen sich Probleme lösen.

  • Meine praktische Erfahrung:

    1) Ich habe selbst eine Solaranlage (2,5 kW, Stromerzeugung pro Jahr ca. 2600 kW) auf dem Dach. Das reicht für meine Familie.
    2) Rentieren tut sich das zB. für den Elektriker (jährliche Kontrollen, nicht unter 350,-- Euro), den Hersteller der Wechselrichter (Lebensdauer beschränkt max. 5 – 10 Jahre) und die Versicherung. Genau die Kosten, die die Hersteller oft verschweigen….
    3) Nach den Speichermöglichkeiten für elektrische Energie wird seit über 100 Jahren gesucht. Wir kennen alle die Lösungsansätze: ZB Batterien, Pumpspeicherkraftwerke… Es sind reine Nischenanwendungen.
    4) Die Herstellung von Solar-Modulen ist ein bekannter und entwickelter Prozess. Das ist kein Hexenwerk mehr, dass können heute viele und auch noch gut. Die Deutschen können das auch, nur nicht effizient genug.
    5) Die Sonne strahlt viel und ausreichend Energie. Nur ist die eingestrahlte Energiedichte gering, die Sonne strahlt zeitlich unregelmäßig und örtlich ungünstig für Deutschland. Das treibt die Kosten.
    6) Wer Subventionen für Produktion und Entwicklung fordert, soll eine Entwicklungs- und Effiziens-Roadmap vorlegen.
    7) Die in PH-Kraftwerken erzeugte Energie ist – im Vergleich zum Subventionsaufwand – derzeit viel zu gering. Wind- und Wasserkraft sind derzeit in allen Belangen der PV-Energiegewinnung überlegen.
    8) Ich habe selbst eine Solaranlage auf dem Dach. Rentieren tut sich das zB. für den Elektriker, den Hersteller der Wechselrichter und die Versicherung. Genau die Kosten, die die Hersteller oft verschweigen….

  • Was gibt es besseres als sich von China die "Energiewende"
    subventionieren zu lassen und das unrentable Geschäft der Eigenherstellung mit Kostenvorteil einzustellen. Wenn mir mein Nachbar ein Auto kaufen und schenken will sage ich doch auch nicht nein.

  • Vlt sollten sie einmal lesen, dass selbst EON mittlerweile erkannt hat und auf Solarenergie setzt.

    http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:erneuerbare-energie-eon-will-erstmals-windstrom-speichern/70044796.html

    EON goes Solar!

  • @vandale:

    ...dätä...da ist er wieder der Student aus Essen-Süd, der von EON und RWE bezahlt wird, um hier sinnfreie, vorgeschriebene Kommentare reinzukopieren.
    Vandale, wann merken Sie, dass es nichts bringt. Die "Ökoreligion" ist nicht aufzuhalten. Warum? Weil sie schlichtweg sinnvoller, langfristig gùnstiger und umweltfreundlicher ist.
    Ihre Märchen, von schädlichen Solarzellen sind zu oft wiederholt. Solarzellen bestehen aus Silizium, also Sand und der ist weiß Gott nicht schädlich.

  • Solarzellen und Solarmodule sind einerseits keine allzu komplexen Produkte, zum anderen sind die Produktionsverfahren ähnlich der Elektronik und Chipfertigung. Beide Eigenschaften prädestinieren die Solarzellen für eine Fertigung in Asien. Wenn man noch die entspannteren Umweltbestimmungen in China für diese umweltschädlichen Zellen, die preiswertere Energie, eine Milliardenteure Subventionierung von Windmühlen und Solarzellen findet dort über CDM Zertifikate aus dem Ausland statt, addiert, ist es sehr naheliegend, dass die Deutsche Solarindustrie ohne weitere "Hilfen" von den Asiaten platt gedrückt wird.

    Man möge bedenken, dass in China auch andere religiöse Symbole, z.B. Marienfiguren, Kruzefixe geschnitzt werden. Warum sollen die Chinesen nicht auch die Monumente der Oekoreligion, Solarzellen und Windmühlen fertigen.

    Vandale

  • Hinkender Vergleich ist sehr passend...Alle "Erneuerbaren" Energien ein die hoffnungslose Unwirtschafltichkeit und die Umweltschädlichkeit. Verglichen mit modernen Energiegewinnungsverfahren beträgt beispielsweise der Giftmüllanfall von CdTe Solarzellen ein Vieltausendfaches der radiotoxischen Abfälle aus Kernkraftwerken.

    Bekannt ist, dass die Energie zum Pumpen der Erdwärme (es wird Netzstrom verwendet) den gewonnenen Strom (subventionierter Oekostrom) übertrifft. Allerdings bedarf es auch mehr Energie um Solarzellen herzustellen und zu betreiben als diese je nutzbar erzeugen.

    Vandale

  • hallo Bandit..Die Deutsche Solarbranche erhält gleichfalls diverse Hilfen, von Ansiedlungshilfen, über Forschungsförderung, etc. Interessant wäre ob es mehr Subventionen in China, oder in Deutschland gibt.

    Vandale

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