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Gastkommentar Stefan Thimm: Die Offshore-Windenergie braucht mehr Europa

Windkraft auf hoher See kann auf dem Weg zur Klimaneutralität eine entscheidende Rolle spielen. Doch es bedarf dazu einer besseren Koordination innerhalb der EU.
17.11.2020 - 13:49 Uhr Kommentieren
Der Ausbau der Windenergie in Nord- und Ostsee muss länderübergreifend koordiniert werden. Quelle: dpa
Offshore-Windpark vor Rügen

Der Ausbau der Windenergie in Nord- und Ostsee muss länderübergreifend koordiniert werden.

(Foto: dpa)

Think big, start small – als der erste deutsche Offshore-Windpark Alpha Ventus mit seinen zwölf Windrädern und 60 Megawatt Leistung im April 2010 in Betrieb ging, haben nur wenige Menschen in Deutschland Notiz davon genommen. Noch weniger Menschen ahnten zu diesem Zeitpunkt, welche Entwicklung die Offshore-Windenergie im kommenden Jahrzehnt nehmen würde.

Seitdem hat die Branche – und damit meine ich die gesamte Wertschöpfungskette – eine erstaunliche Lernkurve durchschritten und viele Herausforderungen gemeistert. Inzwischen ist die Technik der Windenergie auf See ausgereift und robust. Fast 25.000 neue Arbeitsplätze sind entstanden.

Zudem konnten die Kosten drastisch gesenkt werden: Während bei Alpha Ventus noch jede erzeugte Kilowattstunde Strom mit 13 Cent gefördert wurde, wurden 2017 erste Projekte gänzlich ohne staatliche Förderung bezuschlagt. Kurz: Die Entwicklung der Offshore-Windenergie in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte.

Und sie ist noch nicht zu Ende. Gerade erst wurden mit der Änderung des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) die Ausbauziele angehoben. Bis 2040 sollen nun 40 GW Offshore-Windenergie installiert werden.

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    Doch Deutschland ist mit seinen ambitionierten Zielen nicht allein. Als Anfang des Jahres das Programm der deutschen EU-Ratspräsidentschaft veröffentlicht wurde, staunten viele nicht schlecht – wird die Windenergie auf See darin doch als wichtige Säule der „Green Recovery“ und der Energiewende genannt. Bis zu 450 GW müssen laut EU-Kommission bis 2050 in Europa installiert werden, damit Europa der erste klimaneutrale Kontinent der Welt werden kann.

    Das ist das Zwanzigfache der momentan installierten Leistung. Dementsprechend ist das Investitionsvolumen gigantisch: Rund 800 Milliarden Euro sind nach Schätzungen der Europäischen Kommission notwendig, um die Ausbauziele zu erreichen.

    Neben Geld ist mehr Kooperation erforderlich

    Doch mit Geld allein kann die Herausforderung nicht bewältigt werden. Es geht um mehr. Europa ist ein Flickenteppich nationaler Sonderregeln, die die Planung länderübergreifender Projekte nicht nur erschweren, sondern nahezu unmöglich machen. Es ist also höchste Zeit, die nächste Stufe zu zünden: Wir müssen anfangen, Offshore-Windenergie europäisch zu denken.

    Stefan Thimm ist Geschäftsführer des Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore e.V. Quelle: BWO
    Der Autor

    Stefan Thimm ist Geschäftsführer des Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore e.V.

    (Foto: BWO)

    Neben den Windparkbetreibern haben auch unsere strategischen Partner, die Übertragungsnetzbetreiber, die Idee eines europäischen Energieversorgungssystems mit Offshore-Windenergie als zentralem Element vorangetrieben. Die Umsetzung von grenzüberschreitenden Offshore-Windprojekten und die bessere Vernetzung der EU-Küstenländer würden enorm zu einer effizienten Nutzung von Windenergie auf See beitragen. Die Kosten könnten weiter gesenkt, und der Flächenbedarf für Offshore-Projekte könnte verringert werden. Konzepte liegen bereits auf dem Tisch.

    Alle Ideen haben eines gemeinsam: ein europäisches Offshore-Netz, durch das der Strom aus den angeschlossenen Offshore-Windparks flexibel und grenzüberschreitend dahin transportiert werden kann, wo er benötigt wird. Allerdings fehlt zur Umsetzung der Projekte bisher noch ein verlässlicher regulatorischer Rahmen. Hürden, wie zum Beispiel unterschiedliche Bestimmungen der Länder für die Nutzung von Meeresflächen, sowie Konflikte zwischen verschiedenen Nutzungsarten müssen dringend auf europäischer Ebene adressiert werden.

    Deutschland hielt an Sonderweg fest

    Darüber hinaus sind Unterschiede in den nationalen Ausschreibungsdesigns Gift für die Realisierung von grenzüberschreitenden Offshore-Windprojekten. Der größte Markt der Welt für Offshore-Windenergie, Großbritannien, und inzwischen auch unsere Nachbarn Dänemark, Frankreich, Polen und Litauen haben sogenannte Differenzverträge (auch: Contracts for Difference oder Symmetrische Marktprämie) eingeführt.

    In Deutschland hingegen hat die Bundesregierung noch bis vor wenigen Tagen an einem deutschen Sonderweg festgehalten und geplant, dass Windparkbetreiber zukünftig mit einer Art Eintrittsgeld zur Kasse gebeten werden.

    Dieser Ansatz ist glücklicherweise vom Tisch. Die Einführung von Differenzverträgen wäre jetzt der nächste logische Schritt in Richtung der angestrebten europäischen Harmonisierung und würde die Realisierung von grenzüberschreitenden Projekten enorm erleichtern.

    Wenn wir die Energiewende umsetzen, wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen – dann brauchen wir mehr Europa und weniger Flickenteppich. Der Kurs dafür ist gesetzt. Jetzt hängt es vom Mut der Staats- und Regierungschefs ab, die Integration des europäischen Energiebinnenmarkts zu vertiefen. Europa ist Offshore-Windenergie-ready!

    Mehr: Kraftwerk Meer – Wie Nord- und Ostsee zum Zentrum der europäischen Stromerzeugung werden.

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