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Gastkommentar Stoppt die Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank!

Wenn die Geldhäuser fusionieren, stehen wir vor einer potenziellen Katastrophe. Entstehen würde kein nationaler Champion, sondern ein gigantischer „Zombie“.
  • Yanis Varoufakis
4 Kommentare
Kommentar: Stoppt die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank! Quelle: Bloomberg
Der Autor

Yanis Varoufakis war Griechenlands Finanzminister und ist Spitzenkandidat der Bewegung „Demokratie in Europa“.

(Foto: Bloomberg)

Die Begründung für die Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank ist die Gründung eines nationalen Champions, der groß genug sei, um mit amerikanischen Investmentbanken zu konkurrieren. Es folgen die Gründe, warum wir von „Demokratie in Europa“ gegen diese Fusion kämpfen.

Die Commerzbank hat acht Jahre lang kontinuierlich ihre Kosten gesenkt, erzielt aber nur Gewinne von weniger als einem Dollar pro Aktie. Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist seit 2010 von 77 auf acht US-Dollar gefallen, der Marktwert ist bis heute niedriger als vor der Bankenkrise, und die Eigenkapitalrendite ist negativ.

Wenn Deutsche Bank und Commerzbank fusionieren, dann stehen wir vor einer potenziellen Katastrophe. Zusammen haben die beiden Banken ausstehende Kredite von zwei Billionen Dollar, während ihr Wert unter 30 Milliarden Dollar liegt. Diese Kluft zwischen dem Wert der fusionierten Bank und ihren Krediten wäre der Beleg für die Erschaffung eines gigantischen „Zombies“.

Die Frage ist: Wer drängt auf diese Fusion und warum? Die Sache basiert auf einem Trick, an dem die Finanzjongleure hinter der Fusion arbeiten und der den Interessen der deutschen Gesellschaft entgegensteht. Was ist das für ein Trick? Er wird als „negativer Goodwill“ bezeichnet.

Auf den Finanzmärkten bezieht sich das Konzept des Goodwills auf einen immateriellen Vermögenswert wie etwa den Kauf einer bereits toten Marke (zum Beispiel TWA) – ein Kauf, der für den Käufer aber aufgrund der positiven Einstellung gegenüber der Marke noch Potenzial hat. In der Regel zahlt der Käufer mehr als den aktuellen Preis der Marke, und die Zuzahlung wird dem Firmenwert zugerechnet.

Negativer Goodwill ist ein seltsames Konzept, aber es spiegelt die theoretische Möglichkeit wider, eine tote Marke zu einem sehr niedrigen Preis zu kaufen. Die Regeln der Finanzbuchhaltung ermöglichen es, diesen (negativen) Firmenwert als Vermögenswert in den Büchern zu erfassen.

Hier liegt der Schlüssel zum Verständnis des Vorstoßes hinsichtlich der Fusion: Der gemeinsame Marktwert der beiden Banken ist sehr viel niedriger als ihr kombinierter geprüfter Wert, das heißt der Wert, den diese beiden Banken laut Bundesregierung haben.

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels werden die Aktien der Deutschen Bank zu einem Preis verkauft, der 70 Prozent unter ihrem geprüften Wert liegt. Auch die Commerzbank-Aktien werden zu einem Preis angeboten, der 66 Prozent niedriger ist als der offizielle geprüfte Wert.

Bei einem Kauf der Commerzbank durch die Deutsche Bank würde diese ein neues, „magisches“ Vermögen hinzugewinnen: die Differenz zwischen dem Kurs der Commerzbank-Aktie und ihrem geprüften Wert. Da der Marktwert der gemeinsamen Aktien 30 Milliarden Dollar beträgt, wird ein negativer Goodwill von rund 16 Milliarden Dollar so wie auf magische Weise in die Bücher der neuen Bank aufgenommen.

Einfacher ausgedrückt: Die Finanzjongleure sind dabei, 50 Prozent mehr Wert aus dem Nichts zu erschaffen – Geld, das es nicht gibt, das aber dem neuen Vorstand die Möglichkeit geben wird, so zu tun, als wäre die neue Bank gesünder, als sie es tatsächlich ist. Es ist einigermaßen absehbar, was darauf folgt: Der Vorstand wird sich selbst eine weitere Gehaltserhöhung verschaffen, indem er Filialen schließt und Mitarbeiter entlässt.

Das ist keine leere Spekulation. Während die Erträge der Investmentsparte der Deutschen Bank im Jahr 2018 stark zurückgingen, verdoppelte ihr Vorsitzender sein Gehalt auf mehr als 8,6 Millionen Euro. Das Topmanagement hat seine Vergütung von 29,8 Millionen im Jahr 2017 auf 55,8 Millionen Euro 2018 erhöht.

Gleichzeitig wurden die Boni, die an die schlechtergestellten Mitarbeiter der Deutschen Bank gehen, um 14 Prozent gekürzt. Insgesamt haben die Boni das Vorsteuerniveau ihres Gewinns überschritten und beliefen sich auf mehr als das Fünffache der Erträge der Investmentsparte!

Warum duldet die Bundesregierung das, und warum unterstützt sie diesen gefährlichen Betrug bei einer Fusion? Die Antwort: weil es ihr peinlich ist, dass die Topbanken Deutschlands zehn Jahre nach der Bankenkrise immer noch Zombies sind. Und weil Angela Merkel die Regelungen zu einer Bankenüberwachung für deutsche Banken durch die Europäische Zentralbank nicht umsetzen möchte, obwohl ihre Regierung den Regelungen zugestimmt hat.

Eine schmutzige politische Agenda ist dabei, einen schmutzigen Finanztrick zu nutzen, um sich gegen die Interessen der deutschen Gesellschaft zu verbünden.

Deutsche Bank und Commerzbank: „Keine ist profitabel – und global relevant auch nicht“

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4 Kommentare zu "Gastkommentar: Stoppt die Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • So, so... den Artikel gar nicht lesen, aber Kommentare abgeben, Herr Juergen Schmitt. Da kann man nur mit dem Kopf schüttel über so viel Borniertheit. Die Argumentation des Herrn Varoufakis istübrigens absolut schlüssig und seine Fachkompetenz ist in wissenschaftlichen Kreisen unangezweifelt. In politischen Kreise ist das eine andere Sache, aber da sitzen ja auch i.d.R. keine Fachleute.

  • Ich werde mir sicher nicht die Zeit nehmen und den Artikel von diesem Herren lesen. Was mich viel mehr beunruhig ist die Tatsache, dass das bisher von mir sehr geschätzte Handelsblatt Varoufakis eine Bühne bereitet. Schaffen sie es nicht mehr, seriöse Gastautoren zu Beiträgen in Ihrer Zeitung zu bewegen? Sobald mein Abo ausläuft, wechsle ich zur Börsen - Zeitung.

  • Ist Finanzjongleur Yanis Varoufakis vielleicht ein Vertreter der Leerverkäufer oder warum sorgt er sich so sehr wegen einer Fusion der beiden Banken? Was wäre denn so schlimm, wenn sich der Aktienkurs der Deutschen Bank endlich etwas erholt. Guter Rat von der faschen Seite bestärkt das Gegenteil.

  • .... Die Deutsche Bank schüttet ca 12 Prozent des Unternehmenswertes als BONI aus - zusätzlich zu den Gehältern. Zudem gibt es noch über 600 Einkommensmillionäre für eine Bank, die lange Jahren massive Verluste machte und von den Eigentümern Geld für Kapitalerhöhungen eintrieb.
    Bei einem Nettogewinn von 229 Mio Euro kann man keine Boni von 1 900 Euro ausschütten.

    Die Deutsche Bank hat eine Bedienermentalität - diese muss sie erst KORRIGIEREN VOR einem Zusammenschluss mit der Commerzbank.