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Gastkommentar Trotz der Corona-Pandemie dürfen wir die Augen nicht vor anderen Risiken verschließen

Das Coronavirus und die Folgen der Pandemie beherrschen momentan die Welt. Doch wir müssen bei schwer greifbaren Risiken wie dem Klimawandel die Wissenschaft ernster nehmen.
07.07.2020 - 16:27 Uhr 1 Kommentar
Torsten Jeworrek ist der für die Rückversicherung verantwortliche Vorstand von Munich Re. Er ist an der Universität Magdeburg promovierter Mathematiker. Quelle: Munich RE
Der Autor

Torsten Jeworrek ist der für die Rückversicherung verantwortliche Vorstand von Munich Re. Er ist an der Universität Magdeburg promovierter Mathematiker.

(Foto: Munich RE )

Zwei Dinge haben die Corona-Pandemie und der Klimawandel gemeinsam. Erstens: Alle Experten wussten, sie werden kommen und extreme Folgen haben. Und zweitens: Wir taten nichts oder zu wenig. Die Pandemie hat die Welt trotz allen Wissens und aller Szenariostudien weitgehend unvorbereitet getroffen.

Die Lektion für den Umgang mit dem Klimawandel lautet dabei so: Wir müssen bei schwer greifbaren Risiken die Wissenschaft ernster nehmen und konsequenter Maßnahmen ergreifen, um sie zu mindern. Und uns vorbereiten, um die Folgen zu begrenzen. „Resilienz“ ist die oft genannte und richtige Zielgröße.

Zum Klimawandel gibt es erdrückend viel Wissen. Ein paar Fakten: 2019 war das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Messungen. Alle 19 Jahre seit 2001 gehörten zu den 20 wärmsten überhaupt. Der Meeresspiegel ist in den letzten 100 Jahren um rund 20 Zentimeter angestiegen. Die Forschung sieht in all dem einen deutlichen Fußabdruck des Klimawandels. Höhere Temperaturen lassen mehr Wasser verdunsten, der Wettermotor läuft auf höheren Touren. So weit Beobachtung und Theorie.

Uns als Versicherer hat das schon vor langer Zeit ausgereicht, um zu handeln. Wir stecken viel Aufwand in konkretes Research, das sich mit regionalen Auswirkungen des Klimawandels befasst. So wollen wir die Risiken der sich ändernden Naturgefahren weiter richtig bewerten können.

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    Was wir bisher wissen: Schwere Gewitter in Europa und Nordamerika, oft mit Hagel oder Tornados, werden häufiger, und die Schäden nehmen selbst bereinigt um Wertzuwächse zu.

    Regionale Begrenzung

    Ebenso steigt die Anzahl von Hitzewellen, Dürren und Waldbränden in verschiedenen Regionen. Bei tropischen Wirbelstürmen wird künftig vermutlich nicht die Anzahl steigen, aber die Klimaforschung liefert Anhaltspunkte dafür, dass der Anteil der schweren Stürme voraussichtlich zunehmen wird. Zudem gibt es Hinweise, dass sie häufiger extremste Niederschläge mit sich bringen. Taifun „Hagibis“, der vergangenes Jahr ganze Regionen in Japan überschwemmte, war dafür nur ein Beispiel.

    Anders als bei einer Pandemie ist das noch irgendwie regional begrenzt. Auch wenn die Schäden immens sind und viele Menschen bei Wetterkatastrophen sterben. Aber auch bei schweren Naturkatastrophen nimmt der systemische, globale Charakter zu, denn sie treffen auf zunehmend vulnerable Gesellschaften: Die Wirtschaft ist immer mehr vernetzt und auf globale Lieferketten angewiesen. Der Welthandel hat seit 1990 um 350 Prozent zugenommen, doppelt so stark wie die Wirtschaftsleistung. Für Volkswirte ist das ein Indikator der steigenden Abhängigkeit.

    Die Auswirkungen sind bekannt: 2011 sorgten Überflutungen in Thailand dafür, dass weltweit Teile für Computer-Festplatten knapp wurden – ein wesentlicher Teil der Zulieferindustrie war in überschwemmten Industriegebieten nördlich von Bangkok angesiedelt. Im selben Jahr konnten nach dem Tsunami in Japan weltweit Fahrzeuge einer bestimmten Farbe nicht gebaut werden, da der Hersteller der Pigmente nicht mehr liefern konnte.

    Zurück zum Änderungsrisiko durch den Klimawandel: Für mich erscheint es unverantwortlich, dass angesichts der erdrückenden Belege für seine Folgen so halbherzig vorgegangen wird. Denn was den Klimawandel dramatisch macht, ist die Langfristigkeit. Die Folgen lassen sich schon jetzt nur dämpfen, nicht mehr verhindern.

    In der Finanzindustrie schauen sich viele Unternehmen mittlerweile ihre Kapitalanlagen und langfristigen Geschäfte genauer an. Schlicht um zu prüfen, ob sie künftig noch werthaltig sind oder ob zum Beispiel Kreditausfälle in einer vom Meeresspiegelanstieg oder von zunehmenden Fluten gefährdeten Region drohen.

    Internationale Konzerne, die auf Zulieferung spezieller Teile angewiesen sind, durchleuchten ihre Lieferketten, um bei womöglich häufigeren Wetterkatastrophen Alternativen zu haben. Das ist gut, denn es vermindert die Anfälligkeit bei extremen Ereignissen.

    Was aus politischer und gesellschaftlicher Perspektive zu tun ist, wissen wir: Wir müssen den Klimawandel so weit wie möglich dämpfen und Volkswirtschaften sowie die Gesellschaften auf die Folgen vorbereiten. Damit er eben kein Risiko bleibt, das wir nicht richtig wahrhaben wollen.

    Dafür ist konsequentes, geschlossenes Handeln von möglichst vielen Staaten nötig, auch wenn das im Moment als Wunschdenken erscheint. Einzelkämpfer sind hier aber machtlos.

    Mehr: Wir sollten die Krise als klimapolitischen Weckruf begreifen, meinen Svenja Schulze und Michael Roth.

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    Mehr zu: Gastkommentar - Trotz der Corona-Pandemie dürfen wir die Augen nicht vor anderen Risiken verschließen
    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Trotz der Corona-Pandemie dürfen wir die Augen nicht vor anderen Risiken verschließen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich stimme Herrn Jeworrek vollkommen zu. Corona und Klimakrise haben eine große Gemeinsamkeit: Bezüglich den Dimensionen Raum und Zeit verhalten Sie sich sehr ähnlich. Beide Krisen sind global und beide breiten sich mit der Zeit rasend schnell aus. Corona brauchte nur ca. drei Monate, um die Erde zu erobern. Der Klimawandel geht seit ca. 250 Jahren um. Für einen Menschen sind 250 Jahre zwar viel für eine klimatische Veränderung dieses Ausmaßes ist es aber weniger als ein Wimpernschlag eines Menschen und ist so in der Erd Geschichte bisher nie vorgekommen. Der große Unterschied zwischen den beiden Krisen aber ist, dass zwar auch durch den Klimawandel schon viele Menschen gestorben sind, weil mehr und heftigere Unwetter aller Art tobten. Doch kein Arzt wird beim Ausfüllen des Totenscheins als Grund schreiben: Tod durch Klimawandel. In dieser Hinsicht bleibt der Klimawandel wesentlich abstrakter als eine Pandemie. Doch umso gefährlicher ist die Klimakrise, da sie auch eine weitere Eigenschaft hat. Gehen wir die Klimakrise weiter zum großen Teil so unentschlossen und unkoordiniert ein wie jetzt, wird sie irreversibel. Die Physiker meinen damit, dass die zeitliche Abfolge von Prozessen Folgen verursachen deren Wirkungen nicht wieder umkehrbar sind. Es gibt dann keine "Undo" Taste mehr. Wir dürfen das für uns und noch vielmehr für unsere Nachfahren nicht zulassen!!!

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