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Gastkommentar Umweltschutz in Algorithmen: Die Digitalisierung muss nachhaltiger werden

Deutschland benötigt eine Digitalisierungsstrategie, die Wohlstand und Umweltschutz zusammenbringt. Das braucht neue Regeln, sagt Svenja Schulze.
  • Svenja Schulze
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Bundesumweltministerin Svenja Schulze warnt davor, dass die Digitalisierung in ihrer jetzigen Form zum Brandbeschleuniger des Klimawandels werden kann. Quelle: imago images / photothek
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Bundesumweltministerin Svenja Schulze warnt davor, dass die Digitalisierung in ihrer jetzigen Form zum Brandbeschleuniger des Klimawandels werden kann.

(Foto: imago images / photothek)

Die tektonischen Platten unserer Zeit sind in Bewegung. Globalisierung, Klimawandel und Digitalisierung verändern unser Leben. Das stellt uns vor die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen, wie neue Technologien unsere Zukunft beeinflussen, zu welchem Zweck wir sie einsetzen und wie wir unseren ökonomischen, sozialen und ökologischen Frieden sichern – nicht nur in Deutschland, auch in Europa und weltweit.

Die Digitalisierung bietet die Chance, zur Lösung dieser Jahrhundertaufgaben beizutragen. Sie vernetzt erneuerbare Energiequellen und unterstützt die Energiewende. Sie verbindet Fahrräder, Busse, Autos und Bahnen in der Stadt und auf dem Land. Sie hilft uns, Äcker präzise zu düngen und Arten zu schützen. Sie ermöglicht echte Kreislaufwirtschaft. Sie ist ein Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit.

Wenn wir die Digitalisierung aber nicht nachhaltig gestalten, sondern unverändert fortsetzen, dann wird sie zum Brandbeschleuniger für die ökologischen und sozialen Krisen unseres Planeten, führt sie zu mehr Energie- und Rohstoffverbrauch, mehr Konsum und mehr Verkehr, trägt sie dazu bei, die planetaren Grenzen noch schneller zu überschreiten.

Wir brauchen deshalb eine Trendwende der Digitalisierung. Eine Trendwende, mit der wir Wohlstand, Gerechtigkeit und Umweltschutz zusammenbringen. Wollen wir nicht zu Getriebenen werden, müssen wir die Digitalisierung gestalten, sie vom Brandbeschleuniger zum Brandlöscher machen.

Das alles geschieht jedoch nicht von selbst. Digitalisierung braucht Regeln, um zum Chancentreiber von Wohlstand, Gerechtigkeit und Umwelt zu werden. Jedem Algorithmus muss Umweltschutz eingepflanzt werden. Dazu brauchen wir einen Ordnungs- und Handlungsrahmen.

Das können Anreize sein. Das können Anwendungen sein, die Transparenz schaffen. Das können aber auch Labels, Verbote und Gebote sein. Am besten gleich gemeinsam mit unseren europäischen Nachbarn. Denn gemeinsam können wir europäische Standards entwickeln, die sich weltweit durchsetzen.

Wie ein solcher Rahmen aussehen kann, dafür stelle ich eine Reihe von Vorschlägen zur Diskussion, unter anderem auf der re:publica in Berlin: Eckpunkte meines Ministeriums für eine umweltpolitische Digitalagenda. Ein paar Beispiele:

Ich will eine Digitalisierung, deren Potenziale für die Jahrhundertaufgabe Klimaschutz genutzt werden. Im Rahmen des Klimaschutzprogramms 2030 baut mein Ministerium dazu eine Digitale Innovations-Drehscheibe für das Klima auf, einen Raum für Forschung, Start-ups und Netzwerke, die die Digitalisierung für den Klimaschutz nutzen wollen.

Mit 50 Projekten der Künstlichen Intelligenz wollen wir zudem zeigen, wie man KI auf Umwelt- und Naturschutz programmieren kann. Ich will eine Digitalisierung, die den Schutz von Umwelt und Natur garantiert. Digitales Monitoring kann nicht nur der besseren Einhaltung von Umweltrecht, sondern auch der besseren Beobachtung der Umwelt nutzen, etwa um den Schwund von Arten und Lebensräumen zu stoppen.

Förderung von nachhaltigem Konsum

Deshalb bauen wir ein Monitoringzentrum Biodiversität auf. Es wird Informationen über Eingriffe in die Natur und die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen liefern. Und: Bürgerinnen und Bürger können sich mit wenigen Klicks über den Zustand der Natur vor ihrer Haustür informieren.

Ich will eine Digitalisierung, die nachhaltigen Konsum und nachhaltige Mobilität befördert. Dazu müssen wir Regeln ändern. Zum Beispiel werde ich auf europäischer Ebene für ein Recht auf Reparatur digitaler Geräte kämpfen.

Über diese und weitere Ideen will ich ins Gespräch kommen, mit Anwenderinnen und Anwendern, Entwicklerinnen und Entwicklern, Nutzerinnen und Nutzern. Ich werde meine Ideen überprüfen, ergänzen oder verwerfen lassen. Bis zum Ende des Jahres entwickelt mein Ministerium daraus eine umweltpolitische Digitalagenda.

Zwischen dem ungeregelten US-amerikanischen Weg der Datenmonopole und dem chinesischen Weg des digitalen Totalitarismus arbeite ich für einen europäischen Weg. Im Juli 2020 wird mein Haus im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft die Umweltagenda auf die EU- Ebene heben.

Die nachhaltige Digitalisierung muss zu einem Markenprodukt Europas werden. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass eine solche Strategie nicht nur der Umwelt nützt, sondern durch Innovationen auch neue industriepolitische Impulse setzt.

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